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15.05.2012

14:17 Uhr

Nachgerechnet

Beim Gewinnsparen gewinnt (fast) immer die Bank

VonGertrud Hussla

„Erteilen Sie Ihrem Glück einen Dauerauftrag“, werben Sparkassen und Volksbanken für das Gewinn- oder PS-Sparen. Der Verkauf von Hoffnung spielt den Instituten Milliarden ein. Doch die Rendite der Sparer ist negativ.

Nachgerechnet: Verlustreiches Gewinnsparen

Video: Nachgerechnet: Verlustreiches Gewinnsparen

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DüsseldorfEinen funkelnagelneuen Peugeot 207 Tendance 95 Vti hat Bernd M. aus Ottweiler gewonnen. Er hat bei seiner Sparkasse Neunkirchen mit nur zwei Losen den Hauptgewinn gezogen. Neben dem neuen Auto hat er jetzt noch acht Euro mehr auf dem Sparbuch. Bernd M. ist einer von schätzungsweise 20 Millionen Gewinnsparern in Deutschland.

Gewinnsparen, das ist eine Kombination aus Sparen und Lotterie, wie sie alle Sparkassen und Volksbanken anbieten. Mit fünf Euro ist der Bankkunde dabei: Vier Euro gehen aufs Sparbuch, einer in die Lotterie. Zweck ist die „Pflege und Förderung des Spargedankens“, steht etwa in der Satzung des Sparverein Saarlands, der das Gewinnsparen für die regionalen Banken organisiert. Doch genau gerechnet, ist es ein „Verlustsparen“.

Zum Beispiel bei der Sparkasse Aachen: 250.000 Euro kann man da Monat für Monat beim „PS-Sparen“ gewinnen, wie das bei den Sparkassen heißt. Leider müsste ein Kunde im Schnitt 830.000 Jahre lang jeden Monat ein neues Los kaufen, bis er gewinnt. Aber es gibt ja auch kleinere Gewinne ab 2,50 Euro, und dort sind die Chancen deutlich besser. Im Schnitt werden 55 Cent je eingesetztem Euro wieder ausgeschüttet. Und 25 Cent gehen an einen guten Zweck. Doch geht es hier um Lotterie, oder um das Sparen?

Anlagetipps: So vermeiden Sie Pleiten

1. Streuen

Streuen Sie Geldanlagen breit, packen Sie nie mehr als ein Drittel der Anlagesumme in ein Einzelinvestment.

2. Vorsicht vor Krediten

Verkauft der Anbieter einer Immobilie oder eines Finanzprodukts den Kredit gleich mit, sollte vorher ein Anwalt das Angebot prüfen.

3. Weitere Meinungen

Ziehen Sie eine weitere Meinung von einem Profi hinzu, den Sie beauftragen.

4. Lesen Sie Verträge

Lesen Sie Verträge. Nur das gilt, nicht das, was Vermittler im Gespräch erzählen.

5. Risiko

Präsentiert der Verkäufer Rechenbeispiele, in denen sich die Anlage von selbst finanziert, lassen Sie die Finger davon. Wer viel verdienen will, trägt viel Risiko.

6. Vor Ort prüfen

Bevor Sie sich an Immobilien beteiligen, prüfen Sie vor Ort, wie sie vermietet sind

7. Baulicher Zustand

Besichtigen Sie Immobilien und lassen Sie den baulichen Zustand begutachten.

8. Spezialisierter Anwalt

Fragen Sie im Zweifel einen spezialisierten Anwalt. Ein Steuerberater bestätigt, dass der Steuervorteil greift, ein Anwalt kennt die Fallstricke der Anlage.

9. Vorausschau

Schauen Sie zuerst auf das Risiko und dann auf die mögliche Rendite. Legen Sie fest, wann Sie Ihr Geld wieder benötigen.

10. Kein Zeitdruck

Lassen Sie sich eine Chance entgehen, statt unter Zeitdruck zu unterschreiben.

11. Produkte, die Sie verstehen

Kaufen Sie nur Produkte, die Sie verstehen. Das klingt banal, passiert aber viel zu selten.

12. Beratungsprotokoll

Lassen Sie sich immer das Beratungsprotokoll aushändigen. Prüfen Sie, ob der Inhalt stimmt.

13. Schriftliche Bestätigung

Sagt der Berater, ein Produkt sei sicher, verlangen Sie die schriftliche Bestätigung der Aussage. Gibt er sie nicht, lassen Sie die Finger vom Geschäft.

14. Prospekte

Lassen Sie sich den Prospekt aushändigen, und lesen Sie ihn vor Unterzeichnung des Vertrages gründlich. Suchen Sie im Prospekt nach Risikohinweisen.

15. Keine Telefonangebote

Legen Sie auf, wenn Sie unverlangt ein Angebot per Telefon bekommen.


Auf den Sparanteil zahlt die Sparkasse Aachen nur 0,4 Prozent Zins im Jahr. Das ist sehr billiges Geld für die Sparkassen. Sie verkaufen bundesweit jährlich etwa 280 Millionen Lose, damit fließen ihnen über das PS-Sparen mehr als eine Milliarde Euro Geld zu. Ähnlich dürfte die Bilanz bei den Volksbanken aussehen. Der Kunde aber bucht ein Verlustgeschäft. Kauft er jeden Monat ein Los, bekommt er 0,4 Prozent Zinsen auf vier gesparte Euro, verliert aber im Schnitt 45 Prozent des fünften Lotterie-Euros. Das bedeutet für die vielen Millionen Gewinnsparer durchschnittlich eine Verlustrate on 16,3 Prozent ihres Einsatzes im Jahr. Nun ja, was sind denn schon fünf Euro im Monat? Ein einfacher Cappuccino kostet doch schon drei.

Kommentare (14)

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Petra

15.05.2012, 14:55 Uhr

Egal was die Bank verkauft, Sie gewinnt IMMER. Sonst würde sie es nicht verkaufen! Oder glaubt jemand, die Bank würde einem etwas verkaufen wo die Bank draufzahlt?

Ktree84

15.05.2012, 15:16 Uhr

Und wer Lotto spielt gewinnt immer oder wie?
Dieser Artikel ist vor lauter Zahlenmaterial kaum zu verstehen und überflüssig.
Es wimmelt im Handelsblatt derzeit leider nur so von bankkritischen Artikeln

Micha

15.05.2012, 15:31 Uhr

Wie langweilig muss es doch geworden sein in der Bankenwelt ... Keine Abzocke mehr bei der Baufi, keine überhöhten Gebühren bei Fondsanlagen? 5 Euro, davon werden vier gespart, mit dem einen restlichen Euro wird ein bisschen Lotto gespielt und etwas davon gespendet, das ist ganz, ganz simpel, das ist transparent genug für den mündigen Bürger.

Es wird Zeit, dass die Kirche mal wieder ins Dorf kommt, aber ich rechne nicht damit. Es wird noch schlimmer. Irgendwann werden die Banken vielleicht gezwungen, für Dispos bis 500 € keine Zinsen mehr zu verlangen ab einem bestimmten Einkommen, da man ja z. B. über Sparpläne und Versicherungen schon genug Geld am Kunden verdienen könne.

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