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11.06.2012

15:01 Uhr

Nachgerechnet

Wann es lohnt, die Rentenpolice zu kündigen

VonGertrud Hussla

Wer eine neue Rentenversicherung abschließen will, sollte ganz genau aufpassen. Denn unter Umständen kann es sinnvoller sein, einen alten und schlechten Vertrag zu behalten, statt einen guten neuen abzuschließen.

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Conny Andresen *) erlebte die Enttäuschung jedes Jahr im Mai. Seit Dezember 2006 zweigte sie regelmäßig 25 Euro in eine Rentenversicherung der Debeka ab. Doch die Zwischenbescheide waren für die Studentin und junge Mutter stets ernüchternd. Im Januar 2011 etwa hatte sie mit ihren Minibeiträgen immerhin schon 1 225 Euro einbezahlt. Doch davon hätte sie bei vorzeitiger Kündigung nur 468 Euro zurückbekommen. Selbst wenn sie die Kosten der eingeschlossenen Risikolebensversicherung abzieht, waren fast 60 Prozent ihrer Beitragszahlungen weg. Nun will sie zusammen mit ihrem Mann auch noch bauen. Soll sie die Versicherung kündigen, zähneknirschend durchhalten oder gar wechseln?

Millionen Deutsche stehen vor einem ähnlichen Dilemma. Jeder zweite Lebensversicherungsvertrag wird gekündigt. Nicht nur aus Not: Auch weil es vielleicht bessere Policen gibt, oder weil ein netter Vertreter zum Wechsel geraten hat. Paradoxerweise ist es manchmal sinnvoll, einen schlechten Vertrag zu behalten. Und bei günstigeren Verträgen lohnt oft noch der rasche Ausstieg.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Den Vertrag von Conny M. hat Hajo Köster vom Bund der Versicherten für das Handelsblatt geprüft. Erstaunliches Ergebnis: Auf lange Sicht gesehen ist er wohl gar nicht so schlecht. Würde Andresen bis zum Rentenbeginn 2045 weiterzahlen, ergäbe sich eine garantierte Rendite auf den Sparanteil von 2,11 Prozent, errechnet Köster. Viele Versicherer garantieren derzeit weniger. 12,35 Prozent der Beiträge gehen bei der Debeka-Police über die gesamte Laufzeit gerechnet für Kosten drauf. Auch das ist eher günstig.

Woher aber kommen Andresens niedrige Rückkaufswerte am Anfang? Sie hatte einen Vertrag speziell für Auszubildende unterschrieben, erläutert die Debeka. Danach zahlte sie fünf Jahre lang verminderte Beiträge, im sechsten Jahr wären die Beiträge dann auf den vorgesehenen Satz von 47 Euro gestiegen.

Was wie ein Entgegenkommen klingt, findet Andresens Versicherungsberater Jürgen Hartenstein aus Limburg eher ärgerlich. Denn mit den 25 Euro musste die Studentin die vollen Abschlusskosten für die gesamte, über 39 Jahre zu zahlende Beitragssumme abstottern. Dazu waren zu Beginn noch hohe Stornokosten fällig. Es würde bei dem Vertrag fast 20 Jahre dauern, bis der garantierte Rückkaufswert die Summe aller eingezahlten Beiträge erreicht hat. Erschwerend kommt noch hinzu: Die Police wurde nach dem 1.1.2005 abgeschlossen. Da galt schon die neue Steuerregelung: Die Zinserträge aus der Police müsste Andresen bei Rentenbeginn versteuern.

Kommentare (8)

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Dissident

11.06.2012, 16:59 Uhr

"Wann es lohnt, die Rentenpolice zu kündigen"???

Spätestens wenn Sie das hier gelesen hat!!!


http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/134/staatlicher-raubzug--der-todesstoss-fuer-ihre-lebensversiche.php


Sanne

11.06.2012, 17:12 Uhr

Oje oje, dieser Artikel hat nur vor fachlichen Laien Bestand.
Setzt doch mal Leute an die Berechnungen, die Ahnung haben! So ein Dilettantismus ist ja nicht auszuhalten!

Dissident

11.06.2012, 17:43 Uhr

Spätestens wenn Sie das hier gelesen haben!!!

:-))

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