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22.04.2013

12:10 Uhr

Nachgerechnet

Wölbern-Investoren schauen in die Röhre

VonGertrud Hussla

Die guten Zeiten für Wölbern-Investoren scheinen vorüber. Das Fonds-Emissionshaus will Dutzende Büroimmobilien abstoßen. Die Leidtragenden sind die Anleger. Sie werden nur einen Bruchteil ihres Einsatzes wiedersehen.

Nachgerechnet

Pech im Unglück

Nachgerechnet: Pech im Unglück

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DüsseldorfMit schönen Bildern von der Pariser Prachtstraße Champs-Elysées und dem Eiffelturm hatte das Fonds-Emissionshaus Wölbern im Jahr 2006 um Anlegergeld für ein großes Bürohaus in Paris geworben. Das Angebot für eine Beteiligung am geschlossenen Fonds „Frankreich 04“ richte sich an Anleger, die „eine sicherheitsorientierte Immobilienanlage mit angemessenem Erfolg“ suchen, hieß es im Fondsprospekt. Das schicke Bürohaus zum Preis von rund 150 Millionen Euro dürfte für die Sparer nun ein riesiges Verlustgeschäft werden. Profitieren werden andere.

In einer E-Mail erfuhr einer der Investoren vom Emissionshaus Wölbern Invest, dass das Bürogebäude zusammen mit Dutzenden anderen Büroimmobilien im Paket losgeschlagen werden soll, weil sich der Markt für Büroimmobilien deutlich verschlechtert habe. Das Fondshaus rechnete dem Anleger schriftlich vor, dass er einen Rückfluss seiner Mittel von insgesamt 65 Prozent erwarten könne - alle bisher geflossenen Ausschüttungen schon eingerechnet. Damit sehen Anleger nur einen Bruchteil ihres Einsatzes wieder. Denn laut Daten des Fondshauses Wölbern waren bis Ende 2011 bereits 27,5 Prozent ihres Einsatzes an Ausschüttungen geflossen. Damit dürften sie nur noch 37,5 Prozent der Summe zurückbekommen, die sie 2006, zur Fondsauflage, einbezahlt haben.

Wer etwa 20.000 Euro investiert hat, kann jetzt gerade mal noch mit 7500 Euro aus dem Verkaufserlös rechnen. Und auch diese 7500 Euro bekommt der Anleger noch lange nicht. Es gehen noch saftige Gebühren ab. Auf den Gebäudewert müssen die Anleger vier Prozent Transaktionskosten bezahlen. Auf den Gebäudewert ,wohlgemerkt. Weil die Banken aber fast die Hälfte des Gebäudes mitfinanziert haben und natürlich keine Provisionen zahlen, muss der Anleger jetzt nicht nur den gesamten Wertverlust des Objekts allein tragen, sondern auch die kompletten Transaktionskosten. Er muss im Fall des „Frankreich 04“ nicht nur vier Prozent auf seine kräftig geschrumpfte Einlage bezahlen, sondern auch auf 18.150 Euro Fremdkapital, die in seinem Gebäudeanteil stecken. Macht Gebühren von 1025 Euro. Bezogen auf seine mickrigen 7500 Euro Resterlös sind das 13,6 Prozent Gebühren.

Gertrud Hussla prüft regelmäßig Finanz- und Rentenprodukte. FRANK BEER für Handelsblatt

Gertrud Hussla prüft regelmäßig Finanz- und Rentenprodukte.

Marktkenner halten die Transaktionskosten für sehr hoch. Machen sich da andere noch schnell die Taschen voll, während die Anleger bluten müssen? Auch mit den mehr als tausend Euro Transaktionskosten ist noch nicht alles bezahlt. Die Banken nehmen für den vorzeitig abgelösten Kredit vermutlich noch eine Vorfälligkeitsentschädigung. Das kann dann noch einmal ein paar Hundert Euro kosten. So oder ähnlich sehen die Rechnungen für Tausende Wölbern-Anleger aus. Wölbern hatte mal einen sehr guten Namen als Fondshaus für Immobilien, und jahrelang lief für die Investoren alles glatt.

Inzwischen hat das Management gewechselt, und obendrein hat sich der Markt gedreht. Viele Anleger fühlen sich übervorteilt und haben wenig Chancen, auf die eigenmächtigen Entscheidungen der Führungsspitze Einfluss zu nehmen. Ich persönlich stecke mein Geld auch in Immobilien: in meine Eigentumswohnung. Ein Bürohaus in Paris, bei dem auch noch andere die Entscheidungen treffen, was damit passiert, das wäre mir einfach eine Nummer zu groß.

Die Autorin erreichen Sie unter hussla@handelsblatt.com.

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