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10.02.2017

14:54 Uhr

Nachhaltige Investments

Sinn und Unsinn von „Low Carbon“-Indizes

VonSusanne Bergius

Spezielle Börsenbarometer sollen Investoren helfen, profitabel in eine emissionsarme Wirtschaft zu investieren. Manche Konzepte beruhigen jedoch bloß das Gewissen, ohne etwas bewirken zu können.

Wie können Anleger gezielt in emissionsarme Unternehmen investieren? dpa

Brennender "C02"-Schriftzug am Kohlekraftwerk Staudinger in Hanau (Archivfoto):

Wie können Anleger gezielt in emissionsarme Unternehmen investieren?

FrankfurtWie Pilze schießen sie aus dem Boden: Low Carbon Indizes. Börsengradmesser für eine emissionsarme Wirtschaft. Anleger sollen so in grünere Unternehmen investieren und eine zukunftsfähigere Wirtschaft stimulieren können mit Aussicht auf eine höheren Rendite. Sie unterscheiden sich von Klimaindizes und Klimafonds dadurch, dass sie sich nicht auf bestimmte Themen wie Umwelttechnik, Erneuerbare Energien oder Energieeffizienz fokussieren, sondern branchenübergreifend ausgerichtet sind.

Doch ergibt ihre Zusammensetzung Sinn? Seit vor einigen Jahren die ersten solcher Indizes und Fonds auf den Markt kamen, machen es sich manche Anbieter leicht: Sie schließen aus Portfolien einfach energieintensive Branchen wie Bergbau und Zementherstellung aus und brüsten sich stolz eines niedrigen CO2-Abdrucks.

So etwas ist jedoch Augenwischerei, auf die manch ein Anleger hineinfällt. Abgesehen davon, dass es die Risikostreuung verringert, wird ein derartiges Tabu der Realität nicht gerecht: Infolge langer Wertschöpfungsketten sind selbst Produkte energieintensiv, denen man das auf den ersten Blick nicht ansieht.

Banken und Versicherungen sind nur vermeintlich keine Energiefresser: Da sie Kohleabbau und Stahlproduktion finanzieren, haben sie beileibe keine „weiße Weste“. Ein Hersteller von Gebrauchsgütern wie Besteck braucht energieintensiven Edelstahl. Und so weiter.

Überdies sind pure Ausschlüsse emissionsträchtiger Sektoren auch deswegen nicht sinnvoll, weil Anleger dann in Branchen mit großem Einsparpotenzial nicht zu einem Wettbewerb um mehr Effizienz beitragen können. Zugleich entgehen ihnen Chancen, die Unternehmen mit stärkerer Zukunftsorientierung bieten.

Bewusst anders stellte sich einer der ältesten Low Carbon Indizes auf, der ECPI Global Carbon Equity, Anfang 2010 aufgelegt vom nachhaltigen Indexanbieter ECPI aus Mailand und der Managementberatung Arthur D. Little. Er enthält 40 große und mittlere Titel aus energieintensiven Branchen, wie Elektrizität, Energien, andere Versorger, Rohstoffe, Technologie, Gesundheit und Industrie samt Verbraucherprodukten. Dies soll Investoren solche Unternehmen dieser Branchen bieten, die am besten aufgestellt sind, um im Klimawandel und bei strengerer Gesetzgebung zu bestehen.

Auf Basis öffentlicher Informationen wählen die Indexmanager Unternehmen mit relativ niedrigen klimaschädlichen Emissionen. Zusätzlich machen sie eine Nachhaltigkeitsbewertung anhand von rund hundert Umwelt-, Sozial- und Governance-Informationen. Jeder Titel muss eine Marktkapitalisierung von mindestens einer Milliarde Euro haben, alle sechs Monate wird die Zusammenstellung überprüft.

Der ältere, 2008 von der paneuropäischen Börse Euronext gestartete Low Carbon 100 Europe Index geht anders vor. Er wählt aus den 300 „grünsten“ von Tausend nach Marktkapitalisierung größten europäischen Unternehmen diejenigen 10 bis 15 Firmen mit dem größten Anteil an emissionsarmen Techniken aus. Dazu 85–90 Unternehmen mit der höchsten sogenannten „CDP“-Bewertung.

Beim Low Carbon 100 Europe Index überwacht ein Expertengremium die Einhaltung der Indexregeln. Der Index dient den Angaben zufolge als Grundlage für strukturierte Produkte, Fonds und Indexfonds.

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