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10.02.2016

22:12 Uhr

Negativzins

Der Fed gehen die Krisen-Gegenmittel aus

VonFrank Wiebe

Europa hat sie, Japan neuerdings auch, ziehen die USA mit einem Negativzins nach? Die Fed-Chefin hält sich in der Diskussion mit US-Politikern alle Optionen offen und verteidigt sich gegen Angriffe auf ihre Geldpolitik.

Janet Yellen vor dem US-Kongress: Die Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve stand den Abgeordneten am Mittwoch Rede und Antwort zur Geldpolitik des Landes. (Mark Wilson/Getty Images/AFP) AFP

Janet Yellen

Janet Yellen vor dem US-Kongress: Die Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve stand den Abgeordneten am Mittwoch Rede und Antwort zur Geldpolitik des Landes. (Mark Wilson/Getty Images/AFP)

New YorkJanet Yellen sieht keine grundsätzlichen Probleme, die negativen Notenbank-Zinsen in den USA entgegenstehen würden. Das sagte die Chefin der US-Notenbank Fed auf Nachfrage bei einer Anhörung vor dem US-Kongress.

Einschränkend fügte sie hinzu, möglicherweise müssten für eine solche Maßnahme aber noch rechtliche Fragen geklärt werden. Sie räumte ein, dass negative Zinsen durchaus „nützlich“ seien - etwa in Europa mit seiner hohen Arbeitslosigkeit und in Japan mit seiner hartnäckigen Tendenz zu sinkenden Preisen. Auf der anderen Seite machte sie aber auch deutlich, dass sie auf absehbare Zeit keine Zinssenkung in den USA erwartet.

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Die Finanzmärkte beben, die Unsicherheit über die Lage in China wächst. Die US-Notenbank Fed wird deshalb die Zinsen wohl langsamer erhöhen als geplant.

Die Fed hatte die Leitzinsen im Dezember von nahe Null auf gut einen Viertelprozentpunkt erhöht. Bis vor kurzem erschienen für 2016 noch vier weitere ähnliche Zinsschritte denkbar. Inzwischen glaubt kaum mehr jemand an eine weitere Zinserhöhung im März, so dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit maximal drei Anhebungen werden. Viele Investoren rechnen sogar bis auf weiteres mit gar keinen weiteren Schritten, oder eben mit einer Senkung der Zinsen.

Negative Zinsen rücken seit Kurzem auch in den USA in die Diskussion. Schließlich liefern Europa und zuletzt auch Japan dafür bereits eine Vorlage liefern. Außerdem hat die Fed bei den Szenarien, die sie für die Stresstests der großen Banken unterstellt, auch eine Variante mit negativen Zinsen eingebaut.

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Damit hätte kaum jemand gerechnet: Die Bank von Japan folgt der Europäischen Zentralbank und führt einen negativen Geldzins ein. Experten sehen darin vorerst viel Lärm mit wenig realem Effekt.

Die Analystin Karen Petrou von Federal Financial Analytics spricht in dem Zusammenhang von einem „bedrohlichen Szenario“, das „allem ins Gesicht schlägt, was die Fed selber zuvor gesagt hat“. Anders ausgedrückt: Es geht die Sorge um, dass die Fed pessimistischer ist, als sie zugibt.

Auch US-Ökonomen haben sich schon mit negativen Zinsen beschäftigt. Als mögliches Problem gilt, dass bei negativen Zinsen die Bürger ihr Geld bar abheben, um so den Wert ihres Vermögens wenigstens zu erhalten. Deshalb lassen sich die niedrigstmöglichen Zinsen danach abschätzen, wie Bargeld in einem Land genutzt wird und wie es verfügbar ist.

Malcolm Barr von JP Morgan etwa basiert seine Überlegungen unter anderem auf den Erfahrungen der Schweiz mit dem Thema Negativzins. Er kommt zu dem Ergebnis, dass es in der Eurozone theoretisch auf bis zu minus 4,5 Prozent heruntergehen könnte. Für Großbritannien sieht er die unterste Grenze bei 2,5 Prozent, für die USA bei 1,3 Prozent.

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