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03.03.2016

13:45 Uhr

Negativzinsen der EZB

UBS-Chef warnt vor riskanter Kreditvergabe

Sergio Ermotti, Chef der Schweizer Großbank UBS, kritisiert die Zinspolitik der EZB. Er warnt: Negativzinsen auf Einlagen könnten Banken zu riskanten Kreditvergaben drängen – und so das Finanzsystem destabilisieren.

Einlagen seien faktisch eine Einladung zu Verlusten, beklagt Ermotti. Die Vergabe von Krediten sei deshalb für viele Banken ein verlockender Ausweg – auch bei hohem Risiko. Reuters

Riskante Hypothekenkredite

Einlagen seien faktisch eine Einladung zu Verlusten, beklagt Ermotti. Die Vergabe von Krediten sei deshalb für viele Banken ein verlockender Ausweg – auch bei hohem Risiko.

LondonUBS Group AG CEO Sergio Ermotti hat erklärt, negative Zinsen leisteten der Praxis riskanter Kreditvergabe bei einigen Banken Vorschub. Dies könne sich mit der Zeit zu einer Gefahr für das Finanzsystem insgesamt auswachsen.

„Einige Banken gewähren Kredite im Übermaß zu Konditionen, die nach meiner Einschätzung auch Potenzial für künftige Risiken im System bergen“, sagte Ermotti im Interview mit Francine Lacqua und Tom Keene auf Bloomberg TV am Mittwoch. „Es gibt Banken, die nicht länger wissen, was sie mit den Einlagen tun sollen. So versucht jeder, den anderen beim Preis zu schlagen. Mit der Zeit wird das ein strukturelles Defizit nach sich ziehen.“

Ermotti sagte, Risiken könnten bei der Hypothekenvergabe und bei anderen Immobilienkrediten entstehen, wo Banken Kredite ausweiten, um die Erträge zu steigern. Kreditinstitute hätten auch damit begonnen, Gebühren für Dienstleistungen zu erheben, die in der Vergangenheit durch Einlagen subventioniert gewesen seien, sagte Ermotti. Er nannte Einlagen eine „faktische Einladung für Verluste“.

Bei einer Veranstaltung in Frankfurt sagte EZB- Direktoriumsmitglied Benoit Coeure am Mittwoch, die Europäische Zentralbank verfolge die Auswirkungen negativer Zinsen auf die Banken aufmerksam.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

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