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02.03.2016

13:58 Uhr

Negativzinsen

EZB-Direktor streitet mit Deutsche-Bank-Chef Cryan

VonJan Mallien

Die Niedrigzinsen im Euro-Raum helfen den Banken mehr als sie schaden, sagt EZB-Direktor Benoit Coeuré. Deutsche-Bank-Chef John Cryan hält dagegen und warnt vor den Folgen für die Finanzbranche.

Glaubt, dass die Banken unter dem Strich von Niedrigzinsen profitieren. Reuters

EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré

Glaubt, dass die Banken unter dem Strich von Niedrigzinsen profitieren.

FrankfurtIn Frankfurt prallten heute zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite die Europäische Zentralbank (EZB) und ihr Direktor Benoit Coeuré – auf der anderen die Banken, vertreten durch Deutsche-Bank-Chef John Cryan.

Beide kommen zu höchst unterschiedlichen Urteilen, wenn es um die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik der EZB auf die Banken geht. „Wir müssen die Aussage korrigieren, dass die Probleme der Banken vor allem mit der Geldpolitik zu tun haben“, sagte Coeuré. Die extrem niedrigen Zinsen seien durch das verhaltene Wachstum und die Inflation gerechtfertigt. Im Februar waren die Preise in der Euro-Zone nach erster Schätzung um 0,2 Prozent gefallen.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Deutsche-Bank-Chef John Cryan dagegen warnte: „Wenn die Zinsen negativer werden, dann werden die Verluste [für die Banken] größer.“ Die Finanzinstitute könnten die Verluste jedoch nicht länger tragen. Er sage dies bewusst in Richtung von Coeuré .    

Der Streit auf dem Finanztag der „Süddeutschen Zeitung“ in Frankfurt kommt zu einem pikanten Zeitpunkt. In der kommenden Woche berät der Rat der EZB über eine Anpassung der Geldpolitik. Eine weitere Lockerung gilt dabei als wahrscheinlich. Mögliche Optionen sind: Eine Senkung des Einlagenzinses oder eine Ausweitung der monatlichen Anleihekäufe der Notenbank.

Schon jetzt liegt der Einlagenzins im Euro-Raum bei minus 0,3 Prozent. Das heißt: Banken, die über Nacht Geld bei der Notenbank parken wollen, müssen dafür eine Strafe zahlen. Das sorgt in der Branche für heftige Kritik. Die EZB will mit dem negativen Einlagenzins die Geldhäuser dazu animieren, ihre überschüssige Liquidität für die Kreditvergabe zu verwenden, statt sie bei der Notenbank zu parken.

Das soll die Effektivität ihres Anleihekaufprogramms verbessern. Aktuell kauft die EZB jeden Monat für 60 Milliarden Euro hauptsächlich Staatsanleihen der Euro-Länder. Das dadurch geschaffene Geld landet jedoch hauptsächlich wieder bei der Notenbank, weil die Banken es dort parken.     

Kommentare (15)

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02.03.2016, 13:59 Uhr

Niedrige Zinsen heißt doch nichts anderes, dass man ein Nachfrageproblem hat. Man will somit die Nachfrage ankurpeln. Da wir aber in EU-Deutschland ein immer mehr staatlich Subventionsabhängigkeit sehen (Energiewende, E-Auto, Öko-Wirtschaft usw.), kann somit auch kein Mehrwert und somit keine wirtschaftliche Wertschöpfungskette mehr greifen um eine stabile Marktorientierte Nachfrage zu generieren.
Kurz und Bündig...die sog. Grüne-Wirtschaft ist eine Subventionierte Wirtschaft und somit extrem Marktfeindlich. Diese schafft somit keinen Mehrwert für die Zukunft und fällt somit für eine wirtschaftliche Wertschöpfung aus. Diese wirtschaftliche Wertschöpfung garantiert uns jedoch die wirtschaftliche Nachfrage nach Mehrwerten = Fortschritt. Und dieser Fortschritt ist genau das, was dem Geld einen Wert verleiht. Fortschritt und Leistung auf Basis einer Marktwirtschaft/Gesellschaft die NICHT von staatlichen Subventionen getragen ist sondern von der Kreativität und dem Erfindergeist einer freien Gesellschaft die den Markt für den Austausch ihrer Erfinder und Tüftler zum Wohle und Fortschritt der gesamten Menschheit hat.

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02.03.2016, 14:00 Uhr

Es geht wieder einmal um die Folgen der Branche und nicht um die Sparer. Allersvorsorgesparer bekommen garantiert 40 bis 50% weniger ausgezahlt als wie eikst berechnet.

Und dank Merkel dürfen diejenigen das bisschen seit 1.1.2005 versteuern.

Die Ägide der Politiker interessiert es nicht, denn sie bekommen nach 10 Jahren mehr als 7000 Euro Pension auf ihr privates Konto.

Wen interessiert es überhaupt noch in Deutschland , dass die zukünftige Generation mit einer Rente von 800 bis 1000 Euro monatlich (inflationsbereinigt) überleben muss.

Der Ausdruck "Überleben" wurde gezielt verwandt, weil damit leben zu wollen, wäre zu hoch gegriffen.

Deutschland wir schaffen das!



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02.03.2016, 14:07 Uhr

Wenn Banken keine fähigen und kompetenten Leute mehr für das Aktiv-Passiv-Management haben um auch in Niedrigzinsen Geld zu verdienen, dann sotten sie aber schleunigst solche am Markt suchen und einstellen. Die sind ja um einiges billiger zu haben als Investmentbanker !

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