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31.12.2012

13:10 Uhr

Neue Banknoten der EZB

Die Euro-Entwicklerin

VonDorit Marschall

2013 bringt die Europäische Zentralbank neue Euro-Geldscheine in Umlauf. Eine, die die Banknoten und Sicherheitsmerkmale mitentwickelt hat, ist Elisabeth Schulz. Ein Einblick in das „Currency Development“.

Prüfung unter UV-Lichtgerät: ein falscher 500-Euro-Schein. ap

Prüfung unter UV-Lichtgerät: ein falscher 500-Euro-Schein.

FrankfurtDie Bürotür von Elisabeth Schulz hat keine Klinke, Eintritt ist unerwünscht. Ein roter Punkt am Namensschild neben der Tür im Gebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) signalisiert: „streng vertraulich“. Und im Raum „ET 1607“ im 16. Stockwerk des Eurotowers steht ein Tresor, der zusammen mit dem breiten Schreibtisch den kleinen Raum nahezu ausfüllt. Der sei „zum Abreagieren“, sagt Elisabeth Schulz augenzwinkernd, für wütende Momente.

Selbstverständlich ist sein wahrer Zweck ein anderer - erst recht bei einer so ruhig und beherrscht wirkenden Frau wie Schulz. Der Tresor bietet Platz für geheime Dokumente. Denn die 49-Jährige zählt zu einer Abteilung, die zwar klein, aber bedeutend ist: das „Currency Development“. Dahinter verbirgt sich das Expertenteam für die Entwicklung neuer Banknoten und Sicherheitsmerkmale sowie für die Analyse von Falschgeld. Um die Falschgeldanalyse kümmern sich neben Schulz drei weitere Fachkollegen.

Die „zweite Generation“ der Banknoten, die von 2013 an nach und nach im Euro-Raum die bisherigen Euro-Geldscheine ersetzen sollen, haben sie mitentwickelt. Sie haben gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken den Fokus auf die Fälschungssicherheit gelegt - und ihr Kernziel verfolgt: Papiergeld sicherer und Fälschern das Handwerk schwerer zu machen.

Alles zu den neuen Euro-Scheinen

Eine Mammutaufgabe

Derzeit sind Fünf-Euro-Scheine im Wert von 7,7 Milliarden Euro im Umlauf. Bei einem Gesamtbestand von rund 900 Milliarden Euro in Papiergeld sollen die Zehner, Zwanziger, Fünfziger, Hunderter, Zweihunderter und Fünfhunderter erst in den Jahren darauf folgen.

Grund des Austauschs

Fälschern soll das Handwerk schwerer gemacht und die zuletzt im Juli veröffentlichte Falschgeld-Bilanz der EZB verbessert werden. Die kann sich sehen lassen: Im ersten Halbjahr wurden 251.000 gefälschte Euro-Banknoten aus dem Verkehr gezogen, 15,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zur gleichen Zeit waren 14,6 Milliarden echte Banknoten in Umlauf.

Neue Sicherheitsmerkmale

Drei neue Sicherheitsmerkmale hat Draghi bereits verraten: Der aufgedruckte Wert des Geldscheins ändert seine Farbe beim Kippen von Smaragdgrün in tiefes Blau, und für das Wasserzeichen und das Hologrammporträt wurde als Motiv die griechische Mythenfigur Europa gewählt.

Die Kosten

Die Merkmale der neuen Fünf-Euro-Banknoten seien hochmodern - und „deshalb geringfügig teurer zu produzieren als die alten, die im Durchschnitt weniger als acht Cent gekostet haben“, heißt es in der EZB. Weil die neuen Scheine aber länger haltbar sein sollen, sei die Kostensteigerung „insgesamt sehr begrenzt“.

Hier wird gedruckt

Die Druckaufträge für die Produktion der verschiedenen Stückelungen verteilen die Nationalen Zentralbanken untereinander. Wer keine eigene Druckerei besitzt wie etwa die Bundesbank, vergibt die Aufträge. Wer eine eigene Druckerei hat, ist dazu nicht verpflichtet.

Der formalen Entscheidung des EZB-Rates - er verantwortet die Ausgabe von Banknoten - ging ein komplizierter Prozess voraus, berichtet Schulz: Bereits seit 2005 habe man an der zweiten Banknotengeneration gearbeitet. Aus etwa 200 Sicherheitsmerkmalen, die auf dem Markt waren, wählten sie die für Banknoten geeigneten aus. Einige sind bekannt, einige werden zu Jahresbeginn offengelegt (siehe Text unten). „Und einige andere werden der Öffentlichkeit nicht preisgegeben“, sagt Schulz geheimnisvoll.

Sie lässt sich nur entlocken, dass Sicherheitsmerkmale für Banknoten zahlreiche Bedingungen erfüllen müssten: Die industrielle Herstellung von Milliarden von Banknoten erfordere spezielle Eigenschaften, zum anderen müsse die Echtheitserkennung so eindeutig wie möglich sein. „Schließlich müssen wir den Fälschern immer zwei Nasenlängen voraus sein“, sagt sie kämpferisch.

Damit das gelingt, arbeiten die EZB-Experten eng mit internationalen Falschgeldexperten, Entwicklern und der Polizei zusammen. Die nationalen Notenbanken der Euro-Mitgliedsländer, aber auch die US-Zentralbank Fed, außerdem Interpol und Europol und der Secret Service zählen zu ihren ständigen Ansprechpartnern.

Kommentare (5)

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Brasil

31.12.2012, 13:30 Uhr

Die eigentlichen Geldfaelscher sitzen in den Zentralbanken und den Banken. Deren Faelschungen sind aber nicht optisch und mechanisch zu erkennen, denn es sind nur Soll/Haben Buchungsposten. Geld das aus NICHTS geschaffen wird, kann nicht geprueft werden, nur in seiner Hoehe definiert und das nicht mal mit wirklicher Sicherheit! Faelschung in Vollkommenheit und durch kein Gesetz greifbar!

Klausi

31.12.2012, 14:43 Uhr

Schaft das Bargeld doch ab, es gibt doch keinen Grund es zu behalten. So Sparen wir Kosten, keine Fälschung, keine Geldschieberei die an Kontrollen vorbei gehen kann (bis auf Scheinfirmen/Stiftungskonten)!

r-tiroch@t-online.de

31.12.2012, 15:41 Uhr

als die DM neue Scheine bekam, wurden wieder neue gebracht wegen der Fälschungen. dann kam der Euro, also ein Schelm, der böses dabei denkt, gell?

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