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15.04.2013

12:01 Uhr

Neue Milliarden freigesetzt

Lehman-Gläubiger können mit mehr Geld rechnen

Gute Nachrichten von der Pleitebank Lehman Brothers: Die Gläubiger der US-Investmentbank können mit mehr Geld rechnen als bislang erwartet. Womöglich könnten alle Ansprüche gegen Lehmans Europatochter bedient werden.

Bei der Abwicklung der US-Pleitebank Lehman Brothers ist mehr Geld für die Gläubiger frei geworden. dpa

Bei der Abwicklung der US-Pleitebank Lehman Brothers ist mehr Geld für die Gläubiger frei geworden.

DublinGläubiger des europäischen Ablegers der im Herbst 2008 pleitegegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers können auf weitere Rückzahlungen hoffen. Der Lehman-Abwickler Tony Lomas von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC sagte am Montag, womöglich könnten sogar alle Ansprüche bedient werden. Dafür gebe es mittlerweile eine realistische Chance.

„Es gibt noch viel zu tun bei dem Abschluss der Abwicklung, aber wir erwarten kurzfristig eine zweite, signifikante Dividende an die Gläubiger zahlen zu können,“ sagte Lomas. Bislang sind bei der Europa-Einheit Vermögenswerte in Höhe von umgerechnet rund 16 Milliarden Euro verteilt worden. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge wird im Laufe des Jahres eine weitere Summe von fast sieben Milliarden Euro verteilt.

Die Lehren aus der Lehman-Pleite

Keine weißen Schafe

Vier Jahre nach der Pleite der Investmentbank Lehman laufen immer noch Prozesse wegen Falschberatung. Bankberater haben damals Zertifikate an arglose Anleger verkauft, die ihr Geld in Sicherheit sehen wollten. In den meisten Fällen lehnten Banken eine Entschädigung ab. Seitdem gelten Lehman-Zertifikate ein Symbol für schlechte, rechtlich Fragwürdige Bankberatung.

Die Verbraucherzentrale NRW hat sich gefragt, was Anleger aus der Lehman-Pleite lernen können. Die erste Lehre aus der Pleite lautet: Es gibt keine weißen Schafe unter den Banken. „Beratungsfehler und fragwürdige Anlageprodukte sind in allen Bankengruppen zu finden“. Lehman-Zertifikate wurden sowohl von Sparkassen und Genossenschaftsbanken verkauft, wie auch von den Privatbanken.

Senioren als Opfer

Traurig aber wahr: Unter den Opfern von Falschberatung befinden sich laut Verbraucherschützern überdurchschnittlich viele alte Menschen. Ein großer Teil der Lehman-Opfer war älter als 60 Jahre, Senioren haben überdurchschnittlich oft sehr komplizierte und intransparente Produkte im Portfolio. „Offensichtlich wurde von manchen Bankberatern die Tatsache, dass gerade ältere Menschen der Bank ein besonderes Vertrauen entgegenbringen, skrupellos ausgenutzt“.

Ahnungslose Verkäufer

Die Verbraucherschützer beobachten in den Lehman-Prozessen eine Unwissenheit der Vermittler. „Oft haben nicht einmal die Bankberater die Funktionsweise von komplizierten Anlagezertifikaten verstanden“. Trotzdem haben die ahnungslosen Banker die Zertifikate an die noch schlechter informierten Kunden vermittelt. Bankkunden dürfen also nicht darauf vertrauen, dass Banker verstehen, was sie tun.

Aus den Augen aus dem Sinn

Kunden sollten nicht erwarten, dass der Banker seine Interessen wahrt. „Kaum ein Anlageberater hat in den kritischen Monaten vor der Lehman-Insolvenz, als schon in der Finanzpresse vor den Liquiditätsproblemen der US-Bank gewarnt wurde, seine Kunden kontaktiert und ihnen empfohlen, Lehman-Anlagezertifikate aus Sicherheitsgründen abzustoßen", erklären die Verbraucherschützer. Eigentlich gehört eine solche Warnung zu einer seriöser Kundenbetreuung dazu. Anlegern bleibt nichts anderes übrig, als sich selbstständig auf dem laufenden zu halten. Das funktioniert etwa mittels Lektüre relevanter Finanzpublikationen wie dem Handelsblatt.

Selbst ist der Mann

Denn der Berater muss das Portfolio der Kunden nicht durchweg betreuen. „Die Beratung endet vor dem Kauf der Papiere und erzeugt keine nachgelagerten Pflichten“. In der Geldanlage gilt wie im Leben:

Quelle: Schwarzbuch Banken von der Verbraucherzentrale NRW

Anfang April hatte die Nachfolgefirma des Bankhauses erneut Milliarden an die Gläubiger der US-Mutter ausgezahlt. Die 14,2 Milliarden Dollar waren die dritte Zahlung, seitdem Lehman im vergangenen Jahr das Insolvenzverfahren abschloss. Sie haben die Summe auf etwa 47 Milliarden Dollar hochschrauben. Insgesamt sollen mehr als 65 Milliarden Dollar gezahlt werden. Damit würden Gläubiger im Durchschnitt 21 Prozent ihrer genehmigten Forderungen eintreiben können.

In Deutschland stehen zur Zeit vor allem die Kosten für das Insolvenzverfahren im Fokus. Der Insolvenzverwalter fordert bis 800 Millionen Euro Gebühren für das Verfahren. Kritiker bemängelten neben der astronomisch hohen Summe auch die fehlende Transparenz bei der Berechnung. Zudem würde die Ausschüttung an die gläubiger signifikant gesenkt. Anders als im US-Insolvenzrecht haben die Gläubiger in Deutschland kein Mitspracherecht bei der Festsetzung der Vergütung, die ein Insolvenzverwalter erhält.

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Kunden sind Bankern ausgeliefert, die Finanzlobby schreibt die Gesetze selber und die Politik verrät die Anleger. Innenminister a.D. Gerhart Baum und sein Anwaltskollege Julius Reiter rechnen mit der Finanzindustrie ab.

Durch die Lehman-Pleite eskalierte 2008 die globale Finanzkrise. Viele Banken liehen sich untereinander und den Kunden kein Geld mehr. Zahlreiche Länder, darunter auch Deutschland, rutschten tief in die Rezession.

Kommentare (1)

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18.04.2013, 09:41 Uhr

Draghis „Religion“: Die Löhne müssen runter !

Nun - Draghis Überrumpelung Hollandes bestand in einem arglistigen Trick, der sicher nicht unter „Versehen“ oder politischer Naivität abzubuchen ist. Der stets arrogante EZB-Chef hat einfach Äpfel mit Kürbissen verglichen, indem er die Produktivität r e a l berechnete (also inflationsbereinigt) – die Lohnentwicklung jedoch n o m i n e l l dieser in der Grafik gegenüberstellte: das Ergebnis führte zu einer Darstellung, die die Lohnsteigerung „explosiv ansteigend“ darstellte – währenddessen sich die Produktivität gemächlich entwickelte. Besonders gravierend ist dies im direkten Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich zu sehen, was zu einigen giftigen Kommentaren der „wohlgefühlten Ökonomen-Journaille“ querbeet durch die deutsche Medienlandschaft führte und Frankreich umgehend als DAS Problem der Eurozone an die Wand genagelt wurde.

http://ow.ly/k939g

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