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26.08.2014

13:40 Uhr

Neue Milliardenhilfen

Banken könnten EZB-Geld als Lückenfüller nutzen

Sie sollen das Geld eigentlich an Firmen weiter vergeben, damit diese Investitionen tätigen können. Doch die europäischen Banken dürften die angekündigten EZB-Gelder auch nutzen, um alte Wunden zu salben.

Er will die Branche in Bewegung bringen – ob Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank dies gelingt, ist jedoch nicht sicher. dpa

Er will die Branche in Bewegung bringen – ob Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank dies gelingt, ist jedoch nicht sicher.

FrankfurtDie EZB hat den Geldinstituten in der Euro-Zone im Sommer weitere Milliardenspritzen zugesagt. Die erste Salve dieser neuen Mittel will die Notenbank Mitte September abfeuern, eine weitere dann im Dezember. Mit dem Geld versucht die Europäische Zentralbank (EZB) die Kreditvergabe an Unternehmen anzukurbeln. Allerdings dürften viele Banken die frischen Euro-Noten aus Frankfurt auch verwenden, um die bereits existierenden und demnächst auslaufenden Krisenhilfen der EZB zu ersetzen. Diese wurden ihnen 2011/12 auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise für drei Jahre geliehen. Damals machte EZB-Präsident Mario Draghi eine Billion Euro locker, um die Branche zu stabilisieren.

Um dieses Mal an das Geld der EZB zu kommen, müssen die interessierten Banken bereits bis Donnerstag melden, wie viel Firmenkredite oder Konsumentendarlehen sie aktuell vergeben haben. Auf Basis dieser Daten errechnet die EZB, welche Summe sie jeder Bank maximal zur Verfügung stellt. Nach den Worten von Ulrich Bindseil, verantwortlich für die Refinanzierungsgeschäfte der EZB mit den Instituten, hat „eine ganze Reihe von großen Banken“ signalisiert, dass sie das Geld haben möchten. Das Geschäft ist attraktiv: Sie bekommen die frischen Mittel zum Leitzins von 0,15 Prozent plus einem Mini-Aufschlag, also extrem günstig.

Was sie mit dem Geld machen, ist ihnen in den ersten beiden Jahren mehr oder weniger freigestellt. Wollen sie das billige Geld darüber hinaus behalten, was maximal vier Jahre geht, müssen sie nachweisen, dass sie weiter Darlehen vergeben und ihre Kreditvergabe nicht einschränken. Bindseil macht sich aber keine Illusionen: Er rechnet damit, dass viele Institute das neue Geld nutzen werden, um auslaufende Hilfen der Notenbank zu ersetzen. „Man muss bedenken, dass die für drei Jahre ausgereichten LTRO's auslaufen.“ Sie sollten damals Liquiditätsengpässe verhindern. Inzwischen haben die Banken mehr als die Hälfte davon wieder zurückgezahlt.

Das neue Geld könnte vielen Instituten deshalb gerade recht kommen und Lücken stopfen. Die EZB rechnet damit, dass die ersten beiden noch dieses Jahr anstehenden Geldspritzen insgesamt ein Volumen von 400 Milliarden Euro haben dürften. Mit weiteren Salven, die sie danach noch abfeuern will, hofft Bindseil auf einen Betrag von bis zu 850 Milliarden Euro zu kommen. Das Geld würde dann die Banken insgesamt flüssig halten, ihre Refinanzierungskosten senken und - so das Kalkül der EZB - zu einem Teil als neue Kredite in die Wirtschaft fließen. Ob das klappt, ist jedoch umstritten.

Commerzbank-Geldpolitikexperte Michael Schubert bezweifelt, dass diese Rechnung aufgeht: „Es besteht schon die Gefahr, dass die Banken mit dem neuen Geld einfach frühere EZB-Kredite ersetzen und den Rest für lukrative Geschäfte verwenden.“ Genau dies hat ein Teil der Banken auch 2011/12 gemacht und vor allem Anleihen ihrer Heimatländer gekauft. Dadurch war die finanzielle Verquickung von Banken und Staaten noch stärker geworden - zum Unwillen von Politik, Aufsehern und Notenbankern. EZB-Mann Bindseil hält solche „Carry Trades“ heute für weniger attraktiv als noch vor einigen Jahren, da sich mit ihnen keine so hohen Renditen einfahren ließen wie zu Hochzeiten der Krise.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Herr Manfred Zimmer

26.08.2014, 14:02 Uhr

Gibt es noch jemanden, der zur EZB-Politik hält?

Eine EZB, die mit einer Nullzinspolitik versucht Ungleichgewichte der Sozialpartner auszugleichen versucht, ist doch eher bei den Schildbürgern als bei einer Nationalbank anzusiedeln.

Herr Theo Gantenbein

26.08.2014, 14:24 Uhr

Wann verstehen die Menschen endlich das unheilvolle Wirken der EZB?

Via Nullzins-Politik werden die Sparer und Rister-Rentner enteignet. Denn Nullzins bedeutet momentan 1-2% Realinflation und das muss man nur mal auf die 20-30 Jahre bis zum Rentenbeginn hochrechnen...

Trotzdem wählen alle die Blockparteien und die AfD kommt auf armselige 7-8%. Das ist besser als nichts, aber angesichts der Tragweite des Problems sehr gering.

Der Michel ist einfach unfassbar dumm (der Grieche hingegen sehr schlau).

Herr reiner tiroch

26.08.2014, 15:19 Uhr

natürlich werden sich die Banken und deren Häuptlinge bis zur Bewußtlosigkeit pausenlos SALBEN, gell?

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