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21.06.2012

16:55 Uhr

Neue Regeln

EZB wirft Spaniens Banken Rettungsring zu

Unter dem Druck der Märkte geht die Europäische Zentralbank weiter auf die Krisenländer zu. Eine Änderung der internen Regeln soll vor allem Spanien den Zugang zu Krediten erleichtern - die dann an die Banken fließen.

Eine Frau steht hinter der spanischen Flagge mit einer schwarzen Schleife während einer Demonstration in Alicante. dpa

Eine Frau steht hinter der spanischen Flagge mit einer schwarzen Schleife während einer Demonstration in Alicante.

FrankfurtBanken aus kriselnden Euro-Staaten können sich künftig noch leichter Geld von der Europäischen Zentralbank (EZB) besorgen. Der EZB-Rat hat die Anforderungen an Wertpapiere, die als Sicherheiten für Zentralbankkredite genutzt werden können, deutlich gelockert. Das habe der Rat am Mittwoch, dem ersten Tag einer zweitägigen Sitzung beschlossen, hieß es am Donnerstag in Zentralbankkreisen. Gleiches hatte zuvor die Tageszeitung "Die Welt" berichtet. Die EZB wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Der Schritt würde vor allem spanischen Banken helfen, die nun auch Wertpapiere mit erheblich schlechterem Rating als bisher bei der EZB einreichen können. Die Lockerungen beziehen sich nach Informationen der Zeitung vor allem auf verbriefte Hypothekenkredite, sogenannte Mortgage Backed Securities (MBS). Viele spanische Banken haben hohe Bestände solcher Papiere in ihren Büchern, die bei den Ratingagenturen jedoch vielfach nur noch Ramschstatus haben und deshalb bislang nicht von der EZB akzeptiert wurden.

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Die spanischen Banken müssen sich gerade einem Stresstest unterziehen, der über das weitere Vorgehen entscheiden soll. Entgegen den Erwartungen will die spanische Regierung auf der Basis dieser Tests aber erst "in den kommenden Tagen" offiziell um Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF bitten.

Dieser Schritt sei jedoch nur noch eine "reine Formalie", sagte Spaniens Finanzminister Luis de Guindos am Donnerstag in Luxemburg vor einem Treffen der Eurogruppe. Das Wichtigste sei zunächst die Vorlage eines Berichts zum Finanzbedarf der spanischen Banken am Nachmittag. "Davon ausgehend werden wir einen Fahrplan für die Kapitalspritze erarbeiten", fügte de Guindos hinzu.

Die Euro-Länder haben Spanien bereits Mittel in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Die Regierung in Madrid wollte vor dem offiziellen Antrag noch die Ergebnisse einer Prüfung zweier Beratergesellschaften zum Finanzbedarf der spanischen Banken abwarten. Die sollen am Donnerstagnachmittag in Madrid veröffentlicht werden.

Ausstehende Anleihen

Frankreich

Geldmarktpapiere (Bills): 185,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 1193 Mrd. Euro

Italien

Geldmarktpapiere (Bills): 161,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 1299 Mrd. Euro

Spanien

Geldmarktpapiere (Bills): 74,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 524 Mrd. Euro

Deutschland

Geldmarktpapiere (Bills): 52,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 1007 Mrd. Euro

Belgien

Geldmarktpapiere (Bills): 35,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 288 Mrd. Euro

Niederlande

Geldmarktpapiere (Bills): 27,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 287 Mrd. Euro

Griechenland

Geldmarktpapiere (Bills): 13,9 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 116 Mrd. Euro

Griechenland bekommt Hilfsgelder und wäre deshalb von gemeinsamen Emissionen ausgenommen.

Portugal

Geldmarktpapiere (Bills): 12,7 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 104 Mrd. Euro

Portugal bekommt Hilfsgelder und wäre deshalb von gemeinsamen Emissionen ausgenommen.

Finnland

Geldmarktpapiere (Bills): 3,2 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 65 Mrd. Euro

Slowakei

Geldmarktpapiere (Bills): 2,6 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 23 Mrd. Euro

Österreich

Geldmarktpapiere (Bills): 1,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 178 Mrd. Euro

Irland

Geldmarktpapiere (Bills): 0,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 83 Mrd. Euro

Irland bekommt Hilfsgelder und wäre deshalb von gemeinsamen Emissionen ausgenommen.

Gesamt

Geldmarktpapiere (Bills): 569,1 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 5179 Mrd. Euro

Die EZB verleiht nur dann Liquidität an Banken, wenn diese Wertpapiere als Pfand dafür bei ihr abliefern. Spaniens Banken müssen nach dem Platzen der heimischen Immobilienblase mit bis zu 100 Milliarden Euro rekapitalisiert werden. Das Geld will sich der spanische Staat beim europäischen Rettungsfonds EFSF beziehungsweise seinem Nachfolger ESM besorgen.

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Darüber hinaus will die EZB grundsätzlich den Einfluss der großen amerikanischen Ratingagenturen auf ihre Entscheidungen massiv beschneiden. Wie mehrere mit den Beratungen der Notenbanker vertraute Personen bestätigten, sollen demnach die Einschätzungen der Agenturen keine Rolle mehr bei der Bewertung von Staatsanleihen spielen, die Banken bei der Zentralbank als Sicherheiten für frische Liquidität einreichen. Hier folgt die EZB bislang weitgehend dem Urteil der Bonitätswächter.

"Falls der EZB-Rat das so entscheidet, würde zum einen der vielfach kritisierte Einfluss von Standard & Poor's, Moody's und Fitch sinken", sagte eine Person aus dem Umfeld der Notenbank, die nicht namentlich genannt werden wollte. "Zum anderen könnte der kleiner werdende Pool von Sicherheiten, den Banken aus den Schuldenländern zur Verfügung haben, so wieder um einiges größer werden."

Mit einer Entscheidung sei aber erst mittelfristig zu rechnen, bestätigten darüber hinaus mehrere andere Insider in Frankfurt und europäischen Hauptstädten. Die EZB wollte sich nicht äußern.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

21.06.2012, 17:16 Uhr

Wir lockern und tricksen ganz wie es uns gefällt.

Rene

21.06.2012, 17:33 Uhr

Lagert den Mist bei der EZB, die Deutschen haften je mit 27%. Dafür braucht ihr keine Reformen umzusetzen. Na zum Glück haben wir mit Draghi einen Italiener an der Spitze der EZB, der genügend Veständnis zeigt.
Als Kind haben wir ein Spiel gespielt, dass hier "Schmuh". Wer dabei am meisten geschummelt hat, war der Sieger...Hier ist es wohl Spanien. Wer ehrlich war, hat verloren. Diese Position kommt in diesen Tagen Deutschland zu. Na ja, es ist ein Geben und Nehmen. Der Süden nimmt, der Norden gibt.
Es nimmt immer absurdere Züge an. Nur an die Ursachenbekämpfung wagt man sich nicht...Schmerzmittel betäuben eben mehr, als das man den schmerzenden Heilungsprozeß in Kauf nimmt.

Mazi

21.06.2012, 17:40 Uhr

Interessant wie die EZB über die Haushaltsmittel des Bundestages verfügt!

Deutschland muss für die anstehenden Kreditausfälle für 27 % haften und die EZB erhöht einfach per eigenem Dekret das Ausfallrisiko. Ein sonderbares Verständnis was sich da breit macht.

Gott lob hat das BVG heute die Bremse in diesen Automatismus "rein gehauen".

Weshalb ist Intelligenz nur so ungleich verteilt?

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