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04.04.2006

08:14 Uhr

Finanzen

Nichts für schwache Nerven

VonUlf Sommer

Der Dax durchbrach vor acht Jahren erstmals die Marke von 6 000 Punkten. Anschließend folgten der weitere Aufstieg und der jähe Fall. Nach Einschätzung der Banken steht der Aktienmarkt heute auf stabilen Füßen. Den Zenit sehen sie aber ersteinmal erreicht.

DÜSSELDORF. Fusionen und Gerüchte über mögliche Firmenübernahmen haben heute wie vor acht Jahren die Börse über die Marke von 6 000 Punkten gehievt. Und doch können Stimmung, Kurstreiber und Voraussetzungen 2006 kaum unterschiedlicher sein als 1998. Die robuste Weltwirtschaft und Rekordgewinne stehen heute hinter den Kursgewinnen. Die Firmen haben erfolgreich ihre Kosten gesenkt, Randgeschäfte abgestoßen und Produktionsstätten in Billiglohnländer verlagert. Gute Geschäfte und attraktive Bewertungen nähren die Hausse.

Als der Deutsche Aktienindex (Dax) dagegen im Frühsommer 1998 erstmals die 6 000er-Hürde überspringt, ist das fundamentale Gerüst viel dünner. Dafür stimmt die Einstellung umso mehr: Optimismus und Euphorie treiben die Kurse und lenken die Entscheidungen der Anleger.

In der Finanzwelt verbinden sich Hypo- und Vereinsbank. Der Branchenprimus Deutsche Bank kauft für 17 Milliarden DM Bankers Trust in den USA. Als sich dann mit Daimler ein zweiter deutscher Konzern in die Staaten wagt und den traditionsreichen Chrysler-Konzern schluckt, packt Deutschland das Aktienfieber. In Taxen, Fitness-Studios und am Biertresen konkurrieren SAP, Deutsche Telekom und die Börsengänge vieler kleiner Internetfirmen erfolgreich mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich.

Doch das wirklich Erstaunliche folgt im turbulenten Herbst 1998: Als die Asienkrise und die Beinahepleite eines der größten Hedge-Fonds der Welt (LTCM) die Finanzmärkte in die Knie zwingen, bleiben ausgerechnet die meisten der vielen neuen Privatanleger ganz im Gegensatz zu den großen, erfahrenen institutionellen Investoren gelassen. Nervenstärke zahlt sich aus, denn die Schocks sind schnell überwunden. Weil die Notenbanker – allen voran der damalige US-Chef Alan Greenspan – die Zinsen senken, um so einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern, strömt rasch wieder viel Geld an die Märkte. Die Weltkonjunktur fängt sich und eine Technologie-Euphorie treibt die zweite, größere und folgenschwere Rally. Der Dax überspringt Ende 1999 erneut die 6 000er-Hürde. Wenige Wochen später notiert er über 8 000 Punkten.

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