Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.06.2015

09:24 Uhr

Niedrige Zinsen, wackelige Börsen

Wohin mit dem Geld?

VonJessica Schwarzer

Immer mehr Anleihen mit hohen Kupons werden fällig, die Tausender sammeln sich auf den Konten der Anleger. Einen adäquaten Ersatz für die Hochprozenter gibt es nicht mehr. Was Experten jetzt empfehlen.

Wer viel Geld auf dem Anlagekonto hat, sucht verzweifelt nach Investitionsmöglichkeiten. Getty Images

Viel Bargeld

Wer viel Geld auf dem Anlagekonto hat, sucht verzweifelt nach Investitionsmöglichkeiten.

DüsseldorfDie Niedrigzinsphase wird für immer mehr Anleger zum Problem. Wer Unternehmensanleihen von Peugeot, Eon oder Heidelberg-Cement im Depot hat, muss sich bald nach Ersatz umschauen. Ende Juni wird eine Anleihe des französischen Autobauers mit einem Kupon von 5,625 Prozent (ISIN: FR0010915116) fällig, Anfang August läuft ein Papier des deutschen Energiekonzerns mit einem minimal niedrigeren Kupon aus und schon Anfang August überweist Heidelberg-Cement (ISIN: XS0478802548) das mit 6,5 Prozent verzinste Geld zurück. Doch einen adäquaten Ersatz für die Hochprozenter gibt es nicht.
Die Renditen von europäischen Unternehmensanleihen liegen derzeit im Schnitt bei 1,4 Prozent. Die Kupons neuer Bonds sind zusammengeschmolzen. Für eine Anleihe, die Heidelberg-Cement (ISIN: XS1044496203) beispielsweise im vergangenen Jahr ausgegeben hat, musste das Unternehmen Investoren nur noch einen Kupon von 2,25 Prozent bieten. Dank Kursgewinnen liegt die Rendite bis Endfälligkeit aber nur noch bei 1,5 Prozent. Peugeot musste Anlegern 2013 zwar einen Kupon von stolzen 6,5 Prozent (ISIN:FR0011567940 ) bieten, doch die Rendite ist mittlerweile auch auf 1,7 Prozent zusammengeschrumpft. Von Eon gab es in jüngster Zeit keine neuen Anleihen.
Auch bei Staatsanleihen sieht es nicht viel besser aus. Selbst nach dem jüngsten Zinsanstieg sind Bundesanleihen keine großen Renditebringer. „Wer im Jahr 2000 sein Geld in Bundesanleihen angelegt hätte, hätte sein Vermögen bis zum Jahr 2014 verdoppelt“, rechnet Johannes Müller, Anlageexperte bei der Deutsche Asset & Wealth Management (Deutsche AWM) vor. „Wer heute sein Geld in Bundesanleihen steckt, muss dafür 85 Jahre warten. Das ist der Preis der Sicherheit.“

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Gerade mal ein Prozent Rendite bringen zehnjährige Bundesanleihen aktuell. Vor acht Wochen lag die Rendite noch bei mehr oder weniger null Prozent. Doch mit dem jüngsten Kursrutsch hat sie sich deutlich erholt – von null auf hundert sozusagen. Noch heftiger war der Ausschlag bei längeren Laufzeiten. „Bundesanleihen mit 30-jähriger Laufzeit haben seit April mehr als 20 Prozent an Wert verloren“, sagt Müller. „Investoren blenden diese Verluste aber meistens aus, weil sie sagen: 2044 kriege ich ja mein Geld mit der geplanten Rendite vollständig zurück.“ Wer jetzt noch einsteigt, kriegt gerade mal eine Minirendite von knapp 1,6 Prozent (ISIN: DE0001135481) pro Jahr.
Ein Anlagealternative für auslaufende Unternehmensanleihen mit deutlich höheren Kupons ist das sicher nicht. Und auch nicht für die zehnjährige Bundesanleihe mit einem Kupon von 3,25 Prozent (ISIN: DE0001135283), die Anfang Juli ausläuft. Was also tun mit dem Geld? Wo gibt es noch Rendite? Und wie hoch ist dann das Risiko? Eckhard Sauren liefert gleich die passende Anlagestrategie: „Mit einem vernünftig diversifizierten Portfolio aus sorgfältig ausgewählten Aktienfonds, flexiblen Rentenfonds und Absolute-Return-Fonds, welche von jeweils überdurchschnittlich erfolgreichen Fondsmanagern verwaltet werden, besteht eine realistische Chance, langfristig eine Rendite von fünf Prozent zu erzielen“, ist der Dachfondsmanager der gleichnamigen Gesellschaft überzeugt. Zwar könnten Anleger ihr Risiko durch diese Streuung über mehrere Anlageklassen und Fonds zwar reduzieren, aber auch bei einer solchen Depotstruktur müssten sie zwischenzeitlich höhere Schwankungen und auch Verlustphasen in Kauf nehmen.

Denn die Zeiten, in denen Anleger mit Anleihen von Schuldnern mit bester Bonität eine auskömmliche Rendite erzielen konnten, sind erst einmal vorbei. „Es wird in Zukunft schwierig werden, mit Nominalwerten nach Steuern eine positive Realrendite zu erzielen“, sagt Philipp Vorndran, Kapitalmarkt-Stratege bei Flossbach von Storch. Selbst die Renditen von Emittenten mit etwas schwächeren Ratings sind oft nur noch mickrig. Höhere Erträge können Anleger nur noch einfahren, wenn sie auch höhere Risiken eingehen.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Doro Mann

17.06.2015, 10:31 Uhr

„Ausgeblendet wird völlig, dass über einen Zeitraum von 20 Jahren Aktien noch nie Verluste gemacht haben.“ (Zitat) ... der Verfasser des Artikels scheint nur von theoretischen Kenntnissen zu schreiben, sonst wüsste er, dass Aktienfirmen pleite gehen können, Privatanleger mit legalen Tricks aus Aktien herausgedrängt werden dürfen oder mit noch fieseren Tricks den Anlegern ganz ohne etwas zu bezahlen ihre Aktienanlage geraubt werden kann und das auch bei deutschen Aktien. ... dann ist die Geldanlage zu 100% verschwunden!

Frau Annette Bollmohr

17.06.2015, 10:40 Uhr

"Wohin mit dem Geld?"

Hier meine Tipps:

1.) Freuen, dass man keine anderen Sorgen hat
2.) In Substanzwerte investieren. Darunter verstehe ich alle Werte (materieller oder immaterieller Art), von denen mit Sicherheit angenommen werden kann, dass jedermann sie in Zukunft brauchen wird.

Account gelöscht!

17.06.2015, 10:40 Uhr

Bei der Asset-Allokation/Anlageentscheidung geht es immer nur um die Alternativrendite (und natürlich auch um die Risikoneigung des Klienten/Kunden).

Daher sind erstklassige Anleihen für mich seit Jahren unattraktiv zu Aktien und Immobilien. Lediglich die Aktienquote in verschiedenen Marktphasen (ob 30, 50, 60, 70 oder noch mehr % am Gesamtportfolio) kann variieren. Und bei Bedarf wird der Bestand eben abgesichert mittels Put-Optionen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×