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17.12.2012

09:22 Uhr

Nigel Cresswell

„Verwalter werden höhere Risiken eingehen“

Pensionskassen leiden unter niedrigen Zinsen. Im Interview erklärt Nigel Cresswell, Experte für Betriebsrenten bei Towers Watson, warum die Manager von Pensionsvermögen mehr wagen müssen.

Unternehmensexperte Nigel Cresswell. "Hohe Volatilität." Pressefoto

Unternehmensexperte Nigel Cresswell. "Hohe Volatilität."

Herr Cresswell, wie wirken sich die dauerhaft niedrigen Zinsen auf die Pensionsverpflichtungen aus?

Das Niedrigzinsumfeld sorgt dafür, dass Pensionsverpflichtungen mit einem derzeit schnell steigenden Wert in den Bilanzen zu erfassen sind, während die Pensionsvermögen nicht in gleichem Maße wachsen. Dies führt zu einem Anstieg der nicht ausfinanzierten Verbindlichkeiten, die als Fremdkapital eingestuft werden. In der Folge sinkt das Eigenkapital der Firmen.

Wie gehen die Unternehmen damit um?

Diese Problematik wird je nach Relevanz für das einzelne Unternehmen anders betrachtet und gehandhabt. Grundsätzlich steht den Unternehmen bei so langfristig laufenden Verpflichtungen wie Betriebsrenten ein sehr langfristiger Anlagehorizont zur Verfügung, um die gewünschte Zielrendite auf die Pensionsvermögen zu erwirtschaften. Unternehmen, die jedoch davon ausgehen, dass das Niedrigzinsumfeld länger anhält, oder die kurzfristig auf die niedrigere Renditeerwartung reagieren müssen, sollten neue Strategien und Ansätze verwenden.

Müssen die Verwalter von Pensionsvermögen umdenken?

Sie sollten neue Investment-Perspektiven prüfen und neue Renditequellen nutzen. Daher werden sie wahrscheinlich ein breiteres Anlagespektrum, das teilweise mit etwas erhöhten Risiken verbunden ist, wählen müssen. Hierbei sind jedoch insbesondere Pensionskassen an die eng gefassten Vorschriften des VAG und der Kapitalanlageverordnung gebunden. Daher könnte dies allein für sie eventuell nicht ausreichen, um die notwendige Rendite zu erwirtschaften. Manager von Pensionsfonds oder Treuhandvermögen verfügen hingegen über etwas mehr Spielraum.

Was sind die Folgen für die Betriebsrenten?

Hält die Niedrigzinsumgebung längerfristig an, werden Unternehmen die Finanzierungsstrategie und eventuell auch den Inhalt ihrer Pensionszusagen überprüfen. Bei Pensionskassen oder Pensionsfonds sind Tarifänderungen wahrscheinlich, um die aktuell bestehenden Probleme zumindest für zukünftige Pensionsansprüche zu vermeiden. Für derzeit bestehende Pensionsansprüche könnten eventuell Nachschüsse der Trägerunternehmen notwendig werden.

Können und wollen sich die Unternehmen die Betriebsrenten künftig noch leisten?

Zum einen legen die Unternehmen großen Wert darauf, ihren Mitarbeitern eine werthaltige Betriebsrente anzubieten, weil sie sich damit als attraktiver Arbeitgeber im Markt positionieren können. Und zum anderen haben insbesondere die großen Unternehmen ihre Hausaufgaben in punkto Pensionen längst erledigt: Heute werden die Inhalte der Pensionszusagen, die Finanzierungsstrategie und das Management der Kapitalanlagen eng aufeinander abgestimmt. Eine fortlaufende Überprüfung der wesentlichen Parameter sowie ein sorgsames Risikomanagement ermöglichen es, den eingeschlagenen Kurs bei Bedarf frühzeitig zu korrigieren.

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