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13.01.2012

15:21 Uhr

Notenbank

Euro-Bindung bringt Schweiz Milliardengewinn

VonHolger Alich

Die Franken-Euro-Kursgrenze befördert die Bilanzen der Schweizerischen Nationalbank wieder ins Plus. 2011 erzielte sie rund 13 Milliarden Franken Gewinn. Der Großteil stammt vermutlich aber aus Fremdwährungspositionen.

Der Sitz der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in Zürich. Reuters

Der Sitz der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in Zürich.

ZürichNicht nur der zurückgetretene Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, hat mit der Einführung der Franken-Euro-Kursgrenze gutes Geld verdient. Auch die SNB selbst macht dank der erfolgreichen Devisenmarkt-Intervention wieder Gewinn. Die Zentralbank stellt für das abgelaufene Jahr einen Gewinn von etwa 13 Milliarden Franken in Aussicht.

Im Jahr 2010 war noch ein Verlust von 19 Milliarden Franken angefallen. Die Ergebnisse der SNB schwanken stark, weil ihre Anlagen wie Staatsanleihen am Bilanz-Stichtag zum aktuellen Devisenkurs in Franken umgerechnet werden.

2010 litt die SNB vor allem daran, dass der Franken immer stärker gegen Euro und Dollar aufgewertet hatte. Entsprechend verloren Anlagen wie zum Beispiel deutsche Staatsanleihen in Franken umgerechnet an Wert. Zudem hatte die SNB mit direkten Euro- und Dollarkäufen versucht, den Aufwertungstrend des Franken zu stoppen. Doch das schlug fehl, die gekauften Dollars und Euros verloren in Franken gerechnet an Wert.

Noch im ersten Halbjahr 2011 hatte die SNB wegen dieser Faktoren einen Verlust von 10,8 Milliarden Franken ausgewiesen.

Anfang September entschloss sich dann der damalige Notenbank-Chef Philipp Hildebrand zu einem radikalen Schritt. Er kündigte an, dass die Schweizer Notenbank künftig keinen Frankenkurs jenseits von 1,20 Franken je Euro hinnehmen wolle. Diese Kursgrenze werde die SNB zur Not „mit unbegrenzten Devisenkäufen“ verteidigen, hatte er erklärt. Damit band die SNB den Franken de facto an den Euro. Das Manöver gelang; seit September bewegt sich der Franken in einem Band von 1,21 bis 1,24 Franken zum Euro. Mit der Kurs-Grenze soll vor allem die Schweizer Exportindustrie geschützt werden, die rund die Hälfte ihrer Waren an Kunden in der Eurozone verkauft.

Hildebrand musste bekanntlich zurück treten, da über sein Konto kurz vor Einführung der Kursgrenze Dollarkäufe über 400 000 Franken liefen. Damit setzte sich Hildebrand des Insider-Verdachts aus.

Aber: Seine Kursgrenze werten bis dato alle Experten als Erfolg. Und bringt die Notenbank zurück in die schwarzen Zahlen. Laut SNB stammen von den 13 Milliarden Franken Gewinn des Jahres 2011 rund fünf Milliarden Franken aus einem höheren Wert der Goldbestände. Aus Fremdwährungspositionen resultiere ein Plus von rund acht Milliarden Franken.

Vergleicht man den Schlusskurs des Euros Ende 2011 und von Ende 2010, so sind kaum unterschiede festzustellen. In wie fern unterjährig die Notenbank Euros gekauft hat, ist nicht bekannt. Das legt den Schluss nahe, dass der 2011er Gewinn primär aus den Zins- und Dividendenzahlungen der Aktiva der SNB stammt. Diese Erträge werden im Unterschied zum Jahr 2010 nicht von gigantischen Währungsverlusten aufgezehrt. Hinzu kommen vermutlich Gewinne aus unterjährig getätigten Euro- und Dollarkäufen. Doch in welchem Umfang die SNB aktiv selbst am Devisenmarkt eingreift, bleibt ihr Geheimnis.

Den Schweizer Politikern wird das egal sein. Sie können sich freuen, dass die SNB für das abgelaufene Jahr an Bund und Kantone wieder Geld ausschütten kann. Laut einer Vereinbarung zur Gewinnaufteilung sollen Bund und Kantone von 2011 bis 2015 pro Jahr eine Milliarde Franken ausgeschüttet bekommen, so die SNB einen Gewinn ausweist. Den Rest des Gewinns will sich die SNB in die Reserven packen.

Kommentare (3)

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AlZwe

13.01.2012, 15:52 Uhr

Wer in der Maschinenindustrie arbeitet, weiss wie wichtig eine erneuete Anhebung des Wechselkurses auf mind. 1,30 CHF ist. Wenn nichts unternommen wird, dann habe ich persönlich Angst um meine Zukunft in 2013! Die Märkte (...die Spekulanten!) brauchen einen Dämpfer von der SNB!

Propaghandi

16.01.2012, 15:28 Uhr

Einen Dämpfer, in dem eine kleine Nationalbank ca. 200mia. Euro kauft, um die FR. Aufwertung zu bremsen und den Spekulanten somit für die Zukunft einen richtig "dufte" Hebel in die Hände bekommen?
Wie soll ein Staat mit einem 7mio. Markt einen anderen Markt mit 500mio. stabilisieren resp. stützen?
In diesem Jahr weredn in der EU Kredite in Billionenhöhe(!) fällig, sprich gewisse Staaten müssen sich "refinanzieren". Das könnte schwierig werden - für die Betroffenen wie für die Schweiz selbst.
Das ist nichts weiter als Augenwischerei und "Zeit gewinnen"!

renebrummli

04.04.2013, 20:53 Uhr

Na ja man kann das ja so oder so sehen. Den einen hilft ein schwacher schweizerfranken, den anderen schadet er. Ich erinnere mich, dass vor jahren die DM bei 2 franken lag, dann kam die DM im sturzflug herunter auf 1.20 und damals wurde der selbe unsinn betrieben. der schweizerfranken wurde and die DM gebunden. Begruendet wurde dies mit der selben angstmacherei wie jetzt. Man erklaerte, dass viele unternehmen dichmachen oder personal entlassen muessten, wenn dies nicht geschehe.
Die Schweiz hat diese Politik - nachdem sich die SNB saniert hatte - nach einigen Jahren wieder aufgegeben und die DM sackte auf o,75 franken ab. Die Unternehmen die damals dichtmachten kraenkelten schon vorher. Die schweizerwirtschaft wurde im gegensatz zu den ankuendigungen nicht in eine krise gestruertzt. Haupsaechlich die SNB profitiert von der bindung an den Euro.
Wie sieht es aber fuer eine Renter aus, der im nicht europaeischen ausland lebt, weil seine rente zu gering ist um in der schweiz zu leben und der dem staat nicht mit EL und sozialhilfe zur last fallen will? ganz einfach. durch die bindung an den euro verliert dieser ca 40 % der kaufkraft seiner rente im ausland. das kommt einer materiellen enteignung gleich und wer entschaedigt diesen renter fuer den verlust seiner kaufkarft? Die SNB? oder die schweizer wirtschaft die gestuetzt wird? Pustekuchen, der renter geht lehr aus und wird sich wohl oder uebel ueberlegen in die schweiz zurueckzukehren um dann hier dem staat zusaetzlich mit EL und sozialhilfe zur last zu fallen.

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