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04.04.2012

16:30 Uhr

Notenbank

EZB hält unbeirrt an Krisenstrategie fest

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins in der Eurozone auf dem Rekordtief von einem Prozent belassen. Eine Abkehr von der Politik des billigen Geldes soll es so bald nicht geben. Das machte EZB-Chef Draghi klar.

Europäische Zentralbank entscheidet über Zinsen

Video: Europäische Zentralbank entscheidet über Zinsen

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FrankfurtEZB-Präsident Mario Draghi schiebt Diskussionen über einen Ausstieg der Zentralbank aus ihrer Krisenpolitik einen Riegel vor. „Wenn man sich die gegenwärtigen Bedingungen in der Wirtschaft und die historisch hohe Arbeitslosigkeit anschaut, ist jede Diskussion über eine Ausstiegsstrategie verfrüht“, sagte er am Mittwoch in Frankfurt nach einer turnusmäßigen Sitzung des EZB-Rats. Zuletzt hatten angeführt von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann mehrere Ratsmitglieder erklärt, es sei an der Zeit darüber nachzudenken, wie die EZB ihre Rundumversorgung für das Bankensystem wieder zurückfahren wolle. „Ich denke, der Präsident der EZB hat da das letzte Wort“, betonte Draghi.

Dem EZB-Präsident gehen die Forderungen nach einem „Exit“ offenbar zu schnell. Draghi machte allerdings klar, dass die Notenbank gegebenenfalls schnell handeln werde, sollten Inflationsgefahren heraufziehen. „Es ist wichtig dabei im Hinterkopf zu behalten, dass alle unsere unkonventionellen Maßnahmen vorübergehender Natur sind. Es stehen zudem alle nötigen Instrumente bereit, um Aufwärtsrisiken für mittelfristig stabile Preise entschieden und zeitnah anzugehen.“ Dennoch bekräftigte der Italiener, er rüste bei den Inflationsgefahren „nicht rhetorisch auf“.

Protokoll der EZB-PK: Zwist im Zentralbankrat über Eurokrise

Protokoll der EZB-PK

Zwist im Zentralbankrat über Eurokrise

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hat sich am Donnerstag den Fragen der Presse gestellt. Die skeptische Haltung der Bundesbank zur EZB-Strategie war eines der Themen. Lesen Sie hier das Protokoll.

Auf mittlere Sicht rechne er nämlich damit, dass das Inflationsziel der EZB gehalten werde könne - eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent. „Anfang 2013 sollte die Inflationsrate unter zwei Prozent fallen.“ In diesem Jahr werde sie wegen der hohen Öl- und Benzinpreise und steigender Steuern in einer ganze Reihe von Euro-Ländern aber über dieser Zielmarke bleiben. Den Leitzins für die 17 Euro-Länder hatte der EZB-Rat bei einem Prozent belassen. Die Option einer Veränderung des Schlüsselzinses sei bei der Ratssitzung nicht diskutiert worden, die Entscheidung einstimmig gefallen, sagte der EZB-Chef.

Erneut zufrieden äußerte sich Draghi mit der Wirkung der beiden zusammen eine Billion Euro schweren Liquiditätsspritzen, die die Europäische Zentralbank (EZB) in den vergangenen Monaten den notleidenden Banken verabreichte. Es habe sich gezeigt, dass diese eine „machtvolle Waffe“ seien. Sie habe eine Kreditklemme verhindert und werde ihre volle Wirkung erst noch entfalten. Sorgen, dass die Geldschwemme eigentlich längst bankrotte Banken künstlich am Leben erhalte, habe er nicht. „Ich sehe keine Anzeichen, dass Banken komplett von der EZB abhängen.“ Das Geld der EZB habe hingegen allen Finanzinstituten Zeit verschafft. Einzig im Falle Griechenlands müsse überprüft werden, welche der dortigen Geldhäuser als Geschäftspartner noch überlebensfähig seien. Diese müssten dann von der Notenbank in Athen aufgepäppelt werden.

Zinsentscheid: EZB belässt Leitzins auf Rekordtief

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Die EZB belässt Leitzins auf Rekordtief

Die Europäische Zentralbank belässt den Leitzins bei einem Prozent.

Analysten erklärten nach der Pressekonferenz Draghis, dieser habe klar gemacht, dass in den kommenden Wochen und Monaten nicht mit einer Kursänderung der EZB zu rechnen sei. „Der Leitzins wird noch lange Zeit auf diesem Niveau verharren. Mindestens noch in diesem Jahr. Draghis Inflationswarnung klang zunächst etwas schärfer als zuletzt. Er ist dann aber wieder zurückgerudert“, erklärte Commerzbank-Ökonom Michael Schubert. Kristian Tödtmann von der Dekabank stimmte mit der Analyse Draghis überein, dass es zu früh sei über einen Ausstieg aus der Billiggeldpolitik zu sprechen: „Die Maßnahmen der EZB sind noch frisch und müssen ihre Wirkung erst noch entfalten. Es ist legitim, so zu argumentieren, weil Inflationsrisiken von diesen Maßnahmen vorerst nicht ausgehen.

Von

rtr

Kommentare (14)

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mono

04.04.2012, 17:59 Uhr

Was soll er sonst machen? Zugeben das er total daneben gelegen hat und alles wofür er bisher stand falsch war? Das wird er niemals tun, zu unser aller Unglück und Last.

Account gelöscht!

04.04.2012, 18:04 Uhr

"„Ich denke, der Präsident der EZB hat da das letzte Wort“, betonte Draghi"

Ungeheuerlich dieser Satz. Wir sollten diesen sonderbaren "Demokraten" so schnell wie moeglich los werden. Der haette nie diesen Posten erhalten sollen. Wir haben schon Krise genug.

"Sorgen, dass die Geldschwemme eigentlich längst bankrotte Banken künstlich am Leben erhalte, habe er nicht"

Wer dies verneint sollte keinen Zutritt mehr zur EZB haben. Er handelt voellig irrational und weltfremd.

Es gibt ja noch viele andere sonderbare Aussagen von ihm. Aber ich denke, die oben Angesprochenen sind schon Warnung genug.

Lutherschule

04.04.2012, 18:23 Uhr

Was uns die Kanzlerin, mit ihrer jeder Vernunft widersprechenden, gegen Deutschland gerichteten, Politik eingebrockt hat, zahlt jeder kleine Sparer, der nicht einmal für sein Geld die Inflation aufhalten kann. Der EZB Vertrag macht Deutschland arm u. Merkel kann stolz auf einen Titel, wie Schuldenkönigin sein. Politik ohne Beispiel, deshalb ist die Frau unfähig für dieses Amt.Der Vertragstext erschüttert den letzten Funken Vertrauen in diese Regierung.

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