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02.10.2013

10:07 Uhr

Notenbank

EZB-Rat entscheidet in Paris über Leitzins

Der Rat der EZB trifft sich in Paris und berät über den geldpolitischen Kurs. EZB-Präsident Draghi hat angedeutet, den Banken bei Bedarf frische Liquidität zuzuführen. Umstritten ist, wie fragil das Bankensystem ist.

EZB-Präsident Mario Draghi in Paris. Draghi hatte Anfang vergangener Woche angedeutet, die EZB könne dem Bankensystem bei Bedarf frische Liquidität zuführen. Reuters

EZB-Präsident Mario Draghi in Paris. Draghi hatte Anfang vergangener Woche angedeutet, die EZB könne dem Bankensystem bei Bedarf frische Liquidität zuführen.

Frankfurt/ParisDer Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ist am Mittwochmorgen in Paris zusammengekommen, um über seinen weiteren geldpolitischen Kurs zu beraten. Am Finanzmarkt wird nicht damit gerechnet, dass die Notenbank den Leitzins weiter senkt oder mit anderen Mitteln auf die Kreditklemme reagiert, die Teile Südeuropas im Griff hat. Der Schlüsselzins, zu dem sich die Banken in der Euro-Zone bei der EZB frisches Geld besorgen können, liegt seit Mai bei rekordniedrigen 0,5 Prozent. EZB-Chef Mario Draghi hat zudem im Juli versprochen, dass die Zentralbank den Leitzins noch für einen längeren Zeitraum so niedrig halten wird. Experten erwarten, dass er dieses Versprechen bekräftigen wird, weil ihm die konjunkturelle Erholung noch nicht stabil genug ist.

Draghi hatte Anfang vergangener Woche angedeutet, die EZB könne dem Bankensystem bei Bedarf frische Liquidität zuführen. Ziel einer solchen Operation wäre es zu verhindern, dass die Zinsen am Geldmarkt, auf dem sich die Banken untereinander Mittel leihen, weiter steigen. Experten erwarten jedoch nicht, dass die EZB dieses Geschütz schon in Stellung bringt. Zuletzt hatten mehrere Top-Notenbanker Draghis Äußerungen nämlich ein Stück weit relativiert. Umstritten ist vor allem wie fragil das Bankensystem fünf Jahre nach dem Kollaps von Lehman Brothers im September 2008 wirklich ist. Allerdings könnte eine gezielte Liquiditätsspritze nützlich sein für die Stabilität der Banken, da sich diese 2014 tief in die Bilanzen schauen lassen müssen, bevor die EZB im Herbst die Aufsicht über sie übernimmt.

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Draghi wird die Gründe für den Beschluss des EZB-Rats um 14.30 Uhr vor der Presse in der französischen Hauptstadt erläutern. Der EZB-Rat tagt zweimal im Jahr nicht am Hauptsitz der Notenbank in Frankfurt. Die letzte auswärtige Ratssitzung fand im Mai in der slowakischen Hauptstadt Bratislava statt.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Zinssenkung

02.10.2013, 10:43 Uhr

Ich könnte mir vorstellen, das heute das Undenkbare passiert und die gut laufende Wirtschaft mit einer weiteren Zinssenkung beglückt wird! Einfach nur, weil keiner damit rechnet und durch den dann einsetzenden Börsentrubel schlagartig "Werte" geschaffen werden, die vorher niemand besessen hat............und dann haben wir aus dem "Nichts" werte gehoben, die dann wieder verteilt werden können. Warum hat man sowas nicht in den letzten 60 Jahren gemacht???!

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