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30.04.2015

11:31 Uhr

Notenbank in Tokio

Japan pumpt nicht mehr Geld in die Märkte

Die Bank of Japan bleibt ihrer Linie treu. Es bleibt dabei, dass sie jährlich 605 Milliarden Euro in die Märkte pumpt. Einige Marktakteure sind enttäuscht. Sie hatten mit weiteren Maßnahmen der Notenbank gerechnet.

Die Bank of Japan weitet ihre Geldpolitik vorerst nicht aus. Reuters

Japanische Notenbank

Die Bank of Japan weitet ihre Geldpolitik vorerst nicht aus.

TokioJapans Notenbank legt im Kampf gegen die Konjunkturflaute derzeit nicht nach. Wie erwartet bestätigte sie am Donnerstag ihr Programm zum Ankauf von Wertpapieren und Anleihen von jährlich rund 80 Billionen Yen (605 Milliarden Euro).

Zusätzliche Maßnahmen beschloss sie nicht. Die Zentralbanker hoffen, dass steigende Löhne und Gehälter sowie der erwartete Aufschwung beim privaten Konsum die Inflationsrate in Richtung der angestrebten zwei Prozent treiben werden. Allerdings ruderte die Bank of Japan (BoJ) nun etwas zurück: Sie erwartet, dass das Ziel spätestens im September nächsten Jahres erreicht wird. Bislang hatte sie Frühjahr 2016 angepeilt.

Notenbankchef Haruhiko Kuroda räumte ein, dass die BoJ etwas zu optimistisch gewesen sei – auch weil der Niedergang des Ölpreises die Inflationsrate drückt. Doch die Preise dürften noch anziehen, sagt Kuroda: „Daher sehe ich zurzeit keinen Grund, die Geldpolitik weiter zu lockern.“ Manche Experten haben Zweifel, dass er bei dieser Meinung bleiben wird. „Wir erwarten, dass die Notenbank zum Ende des zweiten Quartals weitere Lockerungsschritte beschließen wird – wahrscheinlich auf der Sitzung am 19. Juni“, meint Ökonom Izumi Devalier von HSBC.

Eckpunkte der neuen japanischen Geldpolitik

Festes Inflationsziel

Die Bank von Japan legt sich fest: Innerhalb von zwei Jahren wird sie eine Inflationsrate von zwei Prozent erreichen.

Verdoppelung der Geldbasis

Die Geldbasis soll von jetzt 138 Billionen Yen auf 270 Billionen Yen im Jahr 2014 steigen. Umgerechnet geht es um eine Steigerung von 1,05 Billionen Euro auf 2,05 Billionen Euro.

Kauf von Staatsanleihen

Die Bank von Japan will 77 Prozent des frischen Zentralbankgelds in Staatsanleihen mit langer Laufzeit investieren. Die durchschnittliche Laufzeit ihrer Staatsanleihen soll von drei auf sieben Jahre steigen.

Dauer der Maßnahmen

Die Zentralbank legt sich darauf fest, so lange an der expansiven Geldpolitik festzuhalten, bis sie ihr Inflationsziel erreicht hat.

Aussetzung des Banknoten-Prinzips

Die Bank von Japan setzt zeitweilig das Banknoten-Prinzip außer Kraft, wonach sie nicht den Wert der im Umlauf befindlichen Banknoten überschreiten darf.

Über Jahre hinweg lähmte eine Deflation die Konjunktur der weltweit drittgrößten Volkswirtschaft nach den USA und China. Trotz der Geldschwemme der Notenbank ist die Inflationsrate noch immer nicht nahe der Zielmarke: Die Preise stagnierten im Februar, wenn man die Effekte der Mehrwertsteuererhöhung vom April 2014 herausrechnet.

Damit wurde der seit Mai 2013 anhaltende Anstieg gestoppt. In Japan waren die Preise zuvor viele Jahre gefallen - mit fatalen Folgen für die Wirtschaft. Denn Verbraucher hielten sich in der Erwartung immer billigerer Produkte zurück. Firmen verdienten weniger, investierten kaum noch und entließen Mitarbeiter.

Von

rtr

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