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11.12.2012

16:21 Uhr

Notenbankchef King

Brite warnt vor Währungskrieg

Mervyn King, der Chef der Bank of England, befürchtet, dass die Regierungen künftig deutlich mehr Einfluss nehmen werden auf die Wechselkurse als bislang. Dabei gehe es vor allem um Abwertungen.

Notenbankchef King: "Ein Abwertungswettlauf". Reuters

Notenbankchef King: "Ein Abwertungswettlauf".

New YorkDer britische Notenbankchef Mervyn King warnt vor einem Währungskrieg. "Meine Sorge ist es, dass wir 2013 mehr aktive Eingriffe in die Wechselkurse sehen werden", sagte King am Montagabend (Ortszeit) bei einer Rede im Economic Club in New York. Dies werde zunehmend als Alternative zur Geldpolitik gesehen, mit der sich Wechselkurse durch steigende oder fallende Zinsen ebenfalls beeinflussen lassen. "Man kann von Monat zu Monat erkennen, dass immer mehr Länder die aktiv gesteuerten Wechselkurse zu spüren bekommen." Dabei handele es sich immer um Abwertungen. Welche Länder er meint, ließ der Chef der Bank of England allerdings offen.

Deutsche Experten teilen die Sorge von King. "Wir leben schon in einer Zeit, in der die meisten Zentralbanken versuchen, ihre Währungen zu schwächen, um sich Vorteile im Welthandel zu verschaffen und strukturelle Defizite in ihren Ländern zu übertünchen", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Wir haben in der Tat einen Abwertungswettlauf."

So funktionieren Eingriffe in den Devisenmarkt

Wie verläuft so ein Eingriff?

Die Intervention einer Notenbank bezieht sich immer auf die eigene Landeswährung. Die Zentralbanker kaufen oder verkaufen am Devisenmarkt die eigene Währung in großen Mengen, um deren Kurs in die gewünschte Richtung zu bewegen. Durch einen Kauf soll die Devise auf- und durch einen Verkauf abgewertet werden.

Was sind die Vor- und Nachteile?

Generell werden durch eine Abwertung die Exporteure im eigenen Land meist gestärkt, weil sie ihre Waren im Ausland günstiger verkaufen können. Allerdings schmeckt dies oft anderen Ländern nicht, da ihre Firmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Zentralbanken und Staaten sehen nur selten tatenlos zu, wenn sich die Bedingungen für ihre Exporteure massiv verschlechtern. Im schlimmsten Fall droht ein Abwertungswettlauf der Währungen.

Wie kann der Erfolg eines Eingriffs wahrscheinlicher werden?

Ein Eingriff in den Devisenmarkt ist also meist nur dann erfolgreich, wenn er mit anderen Notenbanken abgesprochen ist. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Federal Reserve (Fed) in den USA haben im vergangenen Jahr nur wenig Bereitschaft erkennen lassen, sich an einer Interventionen ihrer Kollegen zu beteiligen.

Wie verliefen solche Eingriffe?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat während der europäischen Schuldenkrise versucht, die Aufwertung des Franken zum Euro zu stoppen. Dafür deckte sich die Nationalbank im großen Umfang mit Euro ein. Kritiker warfen der SNB vor, der Alleingang am Devisenmarkt habe nichts gebracht - der Franken legte sogar weiter zu. Immerhin gelang es der Nationalbank eine Untergrenze von 1,20 Franken zu verteidigen.

War die EZB bereits an einer solchen Maßnahme beteiligt?

Die EZB intervenierte zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den internationalen Währungsmärkten. Damals hatten EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro gekauft, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Früher seien die Wechselkurse maßgeblich durch Zinserwartungen beeinflusst worden, die wiederum von den Konjunkturaussichten getrieben wurden. "Heute sind die Zinsen in vielen Industrieländern praktisch bei null", sagte Krämer. "Jetzt treiben die Notenbanken das Spiel weiter, indem sie durch ihre sehr expansive Geldpolitik Liquidität auf den Markt werfen."

Die Zentralbanken führender Industriestaaten wie den USA, Großbritannien und der Euro-Zone haben ihre Leitzinsen wegen der Wirtschaftskrise auf Rekordtiefs gedrückt. Niedrige Zinsen machen Investitionen in Dollar, Pfund und Euro aber unattraktiver, was den Wechselkurs drückt. Große Schwellenländer wie Brasilien und China, aber auch Industriestaaten wie Japan und die Schweiz haben deshalb Maßnahmen unternommen, um die Aufwertung ihrer Währungen zu stoppen. Diese verteuern ihre Produkte im Ausland, was die Wettbewerbsfähigkeit verringert und die Exporte bremst. Gleichzeitig hat allein die US-Notenbank Hunderte Milliarden Dollar zusätzlich in den Markt gedrückt - Geld, dass viele Banken in Ländern mit höheren Zinsen anlegen und die dortigen Währungen unter Aufwertungsdruck setzen.

Fakten zu den Weltwährungen

Noch dominiert der Dollar

Der Dollar hat derzeit noch den größten Anteil an den internationalen Währungsreserven (61,4 Prozent). Darauf folgt der Euro mit 27,0 Prozent Anteilen. Das Pfund besitzt 4,1 Prozent Anteile an den internationalen Währungsreserven, der Yen 3,6 Prozent und 3,9 Prozent teilen sich sonstige Währungen.

Devisentransaktionen

85 Prozent aller Devisentransaktionen entfielen 2010 auf den Dollar. Damit hat die US-Währung an Bedeutung verloren - vor zehn Jahren war der Dollar an 90 Prozent aller Transaktionen beteiligt. Auf den Euro entfielen 2010 39 Prozent aller Transaktionen, der Yen kam auf 19 Prozent, das Britische Pfund auf 13 Prozent.

(Anmerkung.: die Zahlen summieren sich auf 200 Prozent, da bei jeder Transaktion zwei Währungen beteiligt sind, Quelle: Bank für Internationalen Zahlungsausgleich)

Schuldenberge

Die Staatsschulden Chinas betragen seit fünf Jahren kontinuierlich um die 20 Prozent des BIP. Die Schulden Europas und der USA steigen hingegen an. 2010 lagen sie zwischen 80 und 90 Prozent des BIP.

Schuldenabbau durch Inflation

52.000 Milliarden Dollar beträgt die Gesamtverschuldung von Unternehmen, Staat und Bürgern der USA, das entspricht rund 355 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ökonomen vermuten, Amerika werde die Staatsschulden durch Inflation abschmelzen. Die Folge wäre ein Dollar-Crash.

Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff warnte bereits vor einem "Tsunami" billigen Geldes und geißelte die Notenbank-Politik einiger Industriestaaten als "Währungskrieg". Der Chef der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, verteidigte dagegen die Politik des billigen Geldes und warf Schwellenländern vor, ihren Wechselkurs künstlich niedrig zu halten. "Die Vorteile einer Unterbewertung und das Problem ungewollter Kapitalzuflüsse müssen als Paket gesehen werden", sagte Bernanke. "Man kannst das eine nicht ohne das andere haben." Viele Investoren legen ihr Geld wegen niedriger Zinsen und schlechter Konjunkturaussichten in entwickelten Ländern wie den USA lieber in Boomstaaten wie Brasilien an. Der Kapitalzufluss lässt deren Währungen an Wert gewinnen.

Von

rtr

Kommentare (25)

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oha

11.12.2012, 16:51 Uhr

voll aktuell, der Typ: der hat sogar begriffen dass es um einen Währungskrieg geht.
Man kann die Briten nur beneiden um sowas.

Skyjumper

11.12.2012, 17:26 Uhr

Ich weiß nicht ob man das einen Währungskrieg nennen sollte. Faktisch werfen die Notenbank in USA, GB und EU das viele billige Geld ja auf den Markt um via Kreditvergabe die heimischen Investitionen zu fördern. Soweit zumindest angeblich der theoretische Gedanke dahinter.

Praktisch passiert dies jedoch nicht. Vielmehr wird das zusätzliche Geld um den Globus gejagd und landet schließlich dort, wo die höchsten Zinsen gezahlt werden, was die entsprechenden Währungen aufwerten lässt. Wenn dieser Krieg also von jemanden ausgeht, dann von den Zentralbanken in USA, GB und EU, die durch IHRE Geldpolitik das Übel erst in Gang gesetzt haben.

Die Banken und andere grosse Finanzadressen verdienen dabei bisher glänzend. Doch wehe den ZB´s der Schellenländer gelingen ihre Abwehrmassnahmen. Dann schwappt das Geld dahin zurück wo es herkam. In die USA, nach England, nach Europa. Dann verdienen die Banken nicht mehr so glänzend und dann erst klopft auch die Inflation so richtig an die Tür. Jedenfalls wenn King/Bernanke/Draghi das Geld nicht schnell genug wieder eingesammelt bekommen.

azaziel

11.12.2012, 17:36 Uhr

Abwertungswettlauf, Devisenkontrollen, Kapitalverkehrskontrollen, Zollbarrieren, andere Handelsbarrieren ... und, und, und

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