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25.07.2013

13:17 Uhr

Notenbanken

Mächtige Marionetten

VonJörg Hackhausen, Jan Mallien

Noch nie waren Zentralbanker so mächtig – und zugleich so wenig handlungsfähig. Weil herkömmliche Instrumente nicht mehr helfen, setzen Draghi und Bernanke auf ungewöhnliche Mittel. Wie lange hören die Märkte ihnen zu?

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Bitte Klartext, Herr Draghi!

Handelsblatt in 99 Sekunden: Bitte Klartext, Herr Draghi!

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DüsseldorfDer Tag, an dem alle Hemmungen fallen, ist der 26. Juli 2012. Fast genau ein Jahr ist das jetzt her. Auf der „Global Investment Conference“ treffen sich rund 200 Wirtschaftsführer, Politiker und Investoren im Lancaster House in London, nicht weit entfernt vom Buckingham Palace. Noch ahnt keiner von ihnen, dass sich ein Mann an diesem Tag etwas Besonderes vorgenommen hat: Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Um kurz nach 11 Uhr beginnt Draghi mit seiner Rede. Nach sechseinhalb Minuten kommt er zum entscheidenden Punkt: „Innerhalb ihres Mandats wird die EZB alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir – es wird ausreichen.“

Es sind nur zwei Sätze, doch sie schlagen an den Börsen in Frankfurt, Paris und London ein wie eine Bombe: Der Euro legt sofort kräftig zu, die Aktienkurse steigen und die Zinsen für Staatsanleihen der Krisenländer Italien und Spanien fallen drastisch. Draghi verrät an jenem Tag noch nicht einmal, was er genau vor hat. Doch für die Finanzmärkte ist die Botschaft unmissverständlich: Die EZB ist zu allem bereit, sie wird so viel Geld drucken wie nötig, um den Euro zu retten.

Der Tag markiert ein neues Kapitel der Geldpolitik. Weil die herkömmlichen Instrumente wie etwa Zinssenkungen nicht mehr helfen, greifen die Währungshüter zu einem anderen Mittel: zur Macht der Worte. Nie zuvor waren Notenbanker so redselig. Sie kündigen an, legen sich fest, machen Versprechungen - alles, um die Märkte in eine bestimmte Richtung zu lenken. Das ist inzwischen zu einer Art Gruppenzwang geworden. Die EZB tut es, die Bank of Japan, die Bank of England, die Federal Reserve sowieso. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise hat das gut funktioniert. Doch diese Strategie ist riskant: Die hohen Erwartungen, die die Notenbanker an den Märkten schüren, könnten schnell enttäuscht werden. Es gibt kein Zurück mehr.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.


Vor wenigen Wochen ging Draghi noch einen Schritt weiter. Auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Ratssitzung kündigte er an: „Die Leitzinsen bleiben für eine ausgedehnten Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder niedriger.“ Wieder mal ein Bruch mit der Tradition: Nie zuvor hatte sich die EZB auf ihre künftige Zinspolitik festgelegt. Draghi will die Märkte in eine bestimmte Richtung lenken, wird gleichzeitig aber selbst immer mehr zum Getriebenen.

Der frühere EZB-Chef Jean Claude Trichet hat von solchen Festlegungen nichts gehalten, und er hält auch jetzt nicht viel davon. Immerhin räumte er jedoch jüngst in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg ein, dass sich eine einzelne Notenbank dem Trend kaum entziehen könne. Im Klartext heißt das: Wenn sich alle anderen festlegen, wird es für die EZB sehr schwer, dies nicht zu tun. Denn wenn sie zu vage bleibt, weckt das bei Investoren sofort Zweifel.

Kommentare (34)

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www_wissensmanufaktur_net

25.07.2013, 13:33 Uhr

Auch hier bei diesem Thema: Lüge, Betrug, Korruption & Pseudowissenschaft.

Man muss sich nur im web informieren - da stellen sich einem die Haare.

Das heutige Schuldgeldsystem ist das vielleicht größte methodische Verbrechen der Geschichte.
Zentralbanken sind eine Erfindung der Planwirtschaft und unvereinbar mit einem freien Markt.
Die gegenwärtige Geldschöpfung aus dem Nichts durch internationale Bankster, entspricht der Gelderzeugung durch Geldfälscher!

Das heutige Geld ist nur ein Instrument um Resourcen und damit Macht an diejeneige zu verteilen, die sich selbst die Lizens zum Gelddrucken gegeben haben, also FED, EZB ect..

http://www.youtube.com/watch?v=oXeeabwaV-s

Aktivposten

25.07.2013, 13:41 Uhr

Jetzt ist nur nicht klar geworden, wer die Strippenzieher sind. Eine Marionette kann sich nur bewegen, wenn der Strippenzieher agiert.
Also, Handelsblatt, wer sind die Strippenzieher hinter den Zentralbänkern?

Gast

25.07.2013, 13:43 Uhr

Die Notenbanken werden völlig überschätzt. Was kann ein Draghi schon machen? Zinsen senken und den Banken ein bisschen Spielgeld zur Verfügung stellen.Das Kernübel der nächsten Jahre, die weiter wachsende Staatsverschuldung, ist damit nicht in den Griff zu kriegen.

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