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02.10.2014

15:32 Uhr

Ökonomen schlagen Alarm

„EZB wird zum Endlager für finanziellen Atommüll“

VonDietmar Neuerer

ExklusivEigentlich hat die EZB nur Gutes im Sinn, wenn sie für Entspannung bei der Kreditklemme sorgen will. Dass sie deswegen aber auch den Kauf vom Ramschpapieren in Betracht zieht, weckt bei Ökonomen schlimmste Befürchtungen.

Eine Euro-Skulptur in Frankfurt am Main (Hessen) vor der EZB-Zentrale: Geldpolitik der Zentralbank versetzt Ökonomen in Alarmstimmung. dpa

Eine Euro-Skulptur in Frankfurt am Main (Hessen) vor der EZB-Zentrale: Geldpolitik der Zentralbank versetzt Ökonomen in Alarmstimmung.

BerlinÖkonomen blicken mit Sorge auf die Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB), den Geschäftsbanken in großem Umfang Schrottpapiere abzukaufen. „Das gibt Anlass zu schlimmsten Befürchtungen. Die EZB bewegt sich immer schneller auf einer abschüssigen Bahn, sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Er habe erwartet, dass die EZB ihr Aufkaufprogramm zunächst nur auf Papiere hoher Bonität beschränke, um erst einmal das Eis für solche Aktionen zu brechen. „Dass es dabei bleiben würde, hielt ich aber für unwahrscheinlich angesichts der Not, in der sich viele Banken Südeuropas befinden“, sagte Sinn weiter. „Sie können dem Druck der Wirtschaftsprüfer, Bilanzwahrheit herzustellen, nicht mehr allzu lange standhalten.“

Daher erscheine es plausibel, dass es so kommen würde, wie bei der Pfänderpolitik, wo die EZB sukzessive zu schlechteren Qualitäten übergegangen sei und zum Schluss „reinen Investitionsschrott akzeptiert“ habe. „Nun war ich aber doch überrascht, dass die die EZB die Standards für die Bonität der aufzukaufenden Papiere schon von Anfang an so reduzieren will, dass auch die griechischen und zyprischen Banken ihre Papiere loswerden.“

Aus Sicht des Finanzmarktexperten Bert Van Roosebeke vom Centrum für Europäische Politik (CEP) in Freiburg riskiert die EZB mit dem Kauf von Kreditverbriefungen (ABS) finanzielle Verluste und Interessenkonflikte. Die ABS-Käufe hätten nur dann einen Effekt, wenn die Zentralbank riskantere Papiere aufkaufe, sonst fehlten die Masse und die Eigenkapitalfreisetzung in den Bankenbilanzen.  „Das Risiko ist hoch“, warnte Van Roosebeke im Gespräch mit dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Die EZB kauft Papiere, die sie noch nicht mal als vorgelagerte Sicherheit bei der Kreditaufnahme von Banken akzeptiert.“

Fünf Fragen – Vom ABS-Plan bis zu Anleihekäufen

Ist eine weitere Lockerung auf dem Weg?

Nachdem die EZB ein beispielloses Stützungspaket im Juni angekündigt hat, hatten die meisten Analysten erwartet, dass die Währungshüter sich bis Ende des Jahres mit neuen Maßnahmen zurückhalten. Aber die im zweiten Quartal ins Stocken geratene Wirtschaft, eine schwächere Inflation und die Krise in der Ukraine haben das Bild verändert.

Wird es Veränderungen bei den Langfristkrediten geben?

Die EZB könnte die Konditionen der gezielten Langfristkredite, das Kernstück ihres Pakets vom Juni, attraktiver machen, sagen Analysten. Eine Zinssenkung würde das nach den Worten Draghi bereits „sehr, sehr attraktive Angebot” noch interessanter machen. Die erste Runde der TLTRO-Tender findet diesen Monat statt.

Was passiert mit der Inflation?

Die EZB wird außerdem neue Konjunkturprognosen veröffentlichen. Sie erwartet derzeit, dass die Teuerung sich in den nächsten zweieinhalb Jahren allmählich beschleunigt und von 0,7 Prozent in diesem Jahr auf 1,1 Prozent 2015 und 1,5 Prozent im letzten Quartal 2016 steigen wird.

Kommt eine quantitative Lockerung?

Nach der Jackson-Hole-Rede von Draghi sagten Analysten von Berenberg bis JPMorgan Chase & Co., dass die Wahrscheinlichkeit für großvolumige Anleihekäufe zugenommen habe. Draghi hatte zusicherte, dass der Rat „alle verfügbaren Instrumente nutzen wird, um mittelfristig die Preisstabilität zu gewährleisten”. Die meisten Analysten sind der Meinung, dass ein QE, sofern es geschehen sollte, 2015 kommen werde.

Was hat Draghi den Staats- und Regierungschef gesagt?

Der EZB-Präsident hat sich in den vergangenen Wochen mit dem französischen Staatspräsidenten Francois Hollande und dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi getroffen sowie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel telefoniert. In Jackson Hole sagte Draghi, dass die Fiskalpolitik der Regierungen neben Geldpolitik und Strukturreformen „eine größere Rolle” bei der Unterstützung des Wachstums im Euroraum spielen könnte.

Der CEP-Experte gab zudem zu bedenken, dass die EZB Geldpolitik und Bankenaufsicht gleichermaßen verantworte. „Es ist fraglich, wie die EZB die Kreditvergabe von Banken im ABS-Markt neutral prüfen kann, wenn der Markt zu einem wichtigen Element der EZB-Geldpolitik wird.“

Die EZB startet ihr Wertpapier-Ankaufprogramm Mitte des Monats. Das kündigte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag nach der auswärtigen Zinssitzung in Neapel an. Das Programm solle mindestens zwei Jahre laufen. Die Ankäufe würden zusammen mit anderen, bereits beschlossenen Geldspritzen für Banken einen deutlichen Einfluss auf die Bilanz der Europäischen Zentralbank (EZB) haben.

Die EZB will demnach Kreditverbriefungen - sogenannte ABS - und Pfandbriefe kaufen. Mit ABS-Papieren können Banken Kredit-Risiken bündeln, aus der Bilanz auslagern und am Markt damit handeln. Idealerweise haben sie dann mehr Mittel frei, um neue Darlehen zu vergeben.

Bundesbankchef Jens Weidmann hatte gefordert, „wenn überhaupt, dann risikoarme Papiere“ aufzukaufen. Vor der EZB-Ratssitzung waren Presseberichte aufgetaucht, wonach Draghi auch den Kauf von Ramschpapieren aus Griechenland und Zypern ermöglichen wolle. Insbesondere in Deutschland hatten Kritiker gewarnt, er mache die EZB damit zu einer Art „Bad Bank“.

Draghi bestätigte nun, auch Wertpapiere aus Ländern mit einem Rating unterhalb von BBB-, also mit Ramsch-Status, aufkaufen zu wollen. Die EZB wolle sich dabei auf Papiere konzentrieren, die „einfach und transparent“ seien.

Kommentare (20)

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Herr Helmut Paulsen

02.10.2014, 12:34 Uhr

Die Triebkraft des europ. Kontinentes über Jahrhunderte ist und war die VERSCHIEDENHEIT der Länder und ihre FREIHEIT.

Genau dieser ANtrieb ist durch "EU in Brüssel" zerstört, wo Lüge, Gleichmeierei, Zentralmacht regieren. SO lange das so bleibt ... so lange bleibt Europa gelähmt und es geht weiter bergab. Wie bei einem Löwen im Zoo, der nur noch sinnlos vor den Gitterstäben hin- und herläuft.

Draghi ist als Vasall von Goldman Sachs NUR damit bescäftigt, freies Geld zu generieren, mal gedruckt, mal durch Aufkäufe von Schrott-Papieren. Er macht alles zu Geld das dann nach Dow Jones und Nasdaq fliesst. DAS IST SEIN AUFTRAG.

Der Depp ist Deutschland als ferngesteuertes, politisch verlogenes Land, machtlos gegenüber EZB und "EU in Brüssel" überall freiwillig der Voll-Idiot mit Frau Merkel als Rauten-Königin im Auftrag der Welt-Finanz-Ober-Elite der Salomonischen Freimaurer-Logen als Welt-Geld-Diktatur.

EKELHAFT. Presse ohne Wahrheit in Deutschland. AfD ist unsere letzte Hoffnung.

Herr J� Jacob

02.10.2014, 12:39 Uhr

Ist das alles eine Überraschung, Nein.
Draghi handelt nur im Sinne von Goldman Sachs und Konsorten, der Bürger geht ihm am A...h vorbei.

Aber da es die meisten Bürger sowieso nicht mehr interessiert in der Welt aus Facebooke, iPhone, Twittern und Co. sollen sie ruhig bluten wenn es kracht. Basta.

Herr Uwe Ostertag

02.10.2014, 12:49 Uhr

Ich finde den Apfelvergleich immer noch am treffendsten
Im Prinzip das Selbe, wenn ich ,mit voller Absicht als Großhändler dem Bauern 500 Tonnen verfaulte Äpfel als deklariertes Frischobst abkaufe, um dessen Betrieb zu stützen, wohlwissend, dass dieser Bauer reinste Mißwirtschaft macht, um dann selber Verluste zu schreiben, indem ich diese 500 Tonnen verfaulte Äpfel einlagere, um meinen Investoren die Illusion zu geben, es sei doch Frischobst Klasse ein.
PS: verworrene Apfeltheorie zwar, aber ist denn die Logik der EZB nicht noch verwirrender?

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