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14.01.2016

15:57 Uhr

Ölpreisverfall und die Folgen

Die russische Angst vor einem neuen Staatsbankrott

VonAndré Ballin

Russische Politiker schlagen wegen des ungebremsten Ölpreisverfalls Alarm und warnen vor einem neuen Staatsbankrott. Noch bleiben Analysten gelassen. Ausgerechnet Russlands Ölkonzerne könnten die Pleite verhindern.

Abwarten und Teetrinken könnte sich für Russland-Anleger als eine gute Strategie erweisen. IMAGO

Trotz eisiger Zeiten

Abwarten und Teetrinken könnte sich für Russland-Anleger als eine gute Strategie erweisen.

MoskauDer Zweckoptimismus in der russischen Regierung ist verflogen: Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew sprach auf dem renommierten Gaidar-Wirtschaftsforum in Moskau von einer neuen Wirtschaftsrealität, der sich Russland anzupassen habe. Finanzminister Anton Siluanow warnte angesichts der niedrigen Ölpreise gar vor einer Wiederholung des Staatsbankrotts 1998, wenn sich Russland keine Haushaltsdisziplin auferlege.

Für Anleger sind solche Aussagen eine ernst zu nehmende Warnung. Die Risiken in Russland steigen, doch für Panik ist es noch zu früh: Der jetzige Ölpreis von rund 30 Dollar pro Barrel (159 Liter) ist schmerzhaft für die ausgabenfreudigen Etatverwalter in der russischen Führung, für die Ölkonzerne ist das Niveau nicht kritisch.

Rosneft-Sprecher Michail Leontjew erklärte, bei einem solchen Preis könne der Konzern sogar seine Pläne zur Erschließung der Küstenlagerstätten fortsetzen. Rosneft-Präsident Igor Setschin hatte die reinen Förderkosten des Unternehmens im Herbst auf vier Dollar pro Barrel beziffert.

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Branchenkonkurrent Lukoil wird bei dem aktuellen Ölpreis die Investitionskosten um 20 Prozent senken, sickerte aus Konzernkreisen durch. Aber auch hier sind die aktuellen Gewinne bei einem Förderpreis von 3,68 Dollar pro Barrel nicht in Gefahr.

Russische Ölkonzerne seien unempfindlich gegenüber Preisschwankungen beim Ölpreis, heißt es in einer Marktanalyse von Merrill Lynch. Ihnen helfe der im Verbund mit dem Ölpreis fallende Rubelkurs und das flexible Steuersystem. Tatsächlich ist das Steuersystem in Russland so gestaltet, dass der Staat den Löwenanteil der Gewinne einbehält. Bei fallenden Preisen trage er dann aber auch die höchsten Risiken, räumt Vizepremier Arkadi Dworkowitsch ein.

Die großen Ölkonzerne bleiben daher auch bei einem Preis von 15 Dollar pro Barrel in der Gewinnzone, sagte Ildar Dawletschin, Analyst von „Renaissance Capital“. Größtes Risiko für sie ist eine Änderung der Besteuerungsgrundsätze, weil dem Kreml die Einnahmen wegfallen. Die Gefahr einer Firmenpleite besteht bei den börsennotierten Konzernen allerdings nicht, meint Anton Rubzow von Vygon Consulting.

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Ein Opfer des Ölpreisverfalls steht aber schon jetzt fest: Der Rubel. Schon im Dezember hat er rund zehn Prozent seines Wertes gegenüber den Leitwährungen Euro und Dollar eingebüßt. Die Talfahrt wird nach Ansicht der meisten Analysten weitergehen. „Wenn wir der Ölpreis weiter in Richtung 25 Dollar pro Barrel sinkt, werden wir sehr wahrscheinlich schon in diesem Frühjahr einen Kurs von 100 Rubel pro Dollar sehen“, prognostiziert Alexej Antonow, Analyst von „Alor Broker“.

Das dürfte die Inflation erneut ankurbeln in Russland, was die Zentralbank vor Probleme stellt. Um die Wirtschaft anzukurbeln, müsste sie die Zinsen senken, doch die steigende Inflation bindet ihr die Hände. So wird sie wohl weiter am hohen Leitzins festhalten.

Kommentare (31)

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Herr Alex Lehmann

14.01.2016, 16:17 Uhr

Also ich hab mir die Aussagen auf diversen ausländischen Informationsportalen durchgelesen und NEIN nicht nur russische manipulierte (*Ironie off) und es war nirgends auch nur der Ansatz von Bankrott zu hören. Eher war es der Hinweis, das Russland sparen muss um kein Staatsdefizit einzufahren und dafür greifen Sie auf einen eingerichteten Rohstofffond zurück der dann aber 2016 erschöpft sein wird. Eine solche Analyse möcht ich mal über westliche Staaten hören, die ja mit einer sehr hohen Verschuldung weiterhin Schulden machen. Ich will hier nicht die Situation beschönigen, nur das wiedergegebene des Handelsblatt als falsche Wiedergabe des von russischer Seite wiedergegebenen deklarieren, das Sie Angst vor einem Staatsbankrott haben, lese ich im Handelsblatt das erste Mal und da waren auch US-Zeitungsausgaben dabei.

Account gelöscht!

14.01.2016, 16:36 Uhr

Genauso, wie die L-Presse versucht, die Zustimmung zur AfD kleinzureden, versucht sie, die wirtschaftliche Situation Russlands und den Rückhalt Putins in der Bevölkerung schlechtzureden. Man hofft dabei auf die sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Machen wir uns nichts vor: Die Presse in Deutschland ist zum Feind aller anständigen Menschen geworden.

Rainer von Horn

14.01.2016, 16:49 Uhr

Der Putin arbeitet doch gerade an einer neuen -russischen- Öl-Benchmark: Urals
Und wenn er diese Sorte etabliert und nicht mehr in US-Dollar abrechnet, dann kann er´s doch machen, wie die Amerikaner, die auf diese Weise 19 Billionen USD Schulden angehäuft haben...

Quelle: dwn

Allerdings:_Saddam und Gaddafi hatten das auch versucht. Das Ende ist bekannt.

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