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12.12.2014

06:20 Uhr

Oldtimer als Investment

Fahren wie Delon

VonNiklas Dopheide

Ein Scheunenfund in Frankreich beschleunigt derzeit den Puls von Oldtimer-Fans. Die raren Rostlauben sind teils Millionen wert. Als Anlage-Alternative für private Investoren haben „Chrom-Juwelen“ aber ihre Tücken.

Sensationelle Scheunenfunde in Frankreich - „Das letzte Mal, dass so etwas entdeckt wird“ Artcurial

Scheunenfunde in Frankreich: Der Ferrari - unter einem Stapel Oldtimer-Zeitschriften - und der Maserati sind zusammen mindestens 12 Millionen Euro wert.

DüsseldorfDer Fund ist einmalig. Auf einem verlassenen Anwesen im Westen Frankreichs  stoßen Pierre Novikoff  und Mathieu Lamour, Automobilexperten vom Auktionshaus Artcurial, auf eine vergessene Oldtimersammlung. Unter verrosteten Wellblechen lagern rund 60 Fahrzeuge, darunter extrem seltene Modelle von Marken wie Bugatti, Maserati und Ferrari. Die Sammlung wurde von dem Transportunternehmer Roger Baillon in den 50-er Jahren begonnen und sollte auf dem Anwesen zu einem Automuseum werden.

Experten waren bisher davon ausgegangen, Baillon hätte den Bestand aufgelöst. Die beiden Oldtimer-Schatzsucher waren einem Hinweis nachgegangen und fühlten sich nach eigenen Angaben, „wie die Entdecker von Tutanchamuns Grab“. Den absoluten Höhepunkt der Sammlung stellt wohl ein Ferrari 250 GT SWB California Spyder dar. Das nur 37 mal gebaute Fahrzeug gehörte mal dem prominenten französischen Schauspieler Alain Delon.

Was aber bedeutet ein solcher Fund für den Oldtimermarkt ? Der Oldtimer-Weltverband FIVA schätzte das Volumen des Marktes 2013 auf mehr als 16 Milliarden Euro. Betriebe, die sich mit Oldtimern beschäftigen, konnten einen Umsatz von 5,5 Milliarden Euro in 2014 erzielen, zeigt eine weitere Studie des Verbandes. Viele Sammlungen sind dem Markt vorher bekannt, der französische Scheunenfund sei allerdings „völlig neu, eine echte Entdeckung“, sagt der Entdecker Pierre Novikoff.

Jens Berner, Oldtimerexperte der Südwest Bank sieht aber keinen Einfluss auf die Marktpreise durch diesen Fund. „Die meisten dieser Modelle sind aus der Vorkriegszeit, den 20er Jahren. Diese Baujahre stehen nicht im Fokus der Investoren“, kommentiert Berner den Fund im Interview mit dem Handelsblatt. Der Ferrari von Delon werde wahrscheinlich einen zweistelligen Millionenbetrag einbringen. Dennoch sind auch Marken darunter, die nur Spezialisten bekannt sind, meint er.

Oldtimer und ihre Bewertung

Kein Oldie ohne Bewertung

Bei der Oldtimerbewertung wird der Wert des Fahrzeugs ermittelt werden, der auch als Grundlage für die Versicherungseinstufung benötigt wird. Sie ist auch Voraussetzung, um ein gültiges Kennzeichen zu erhalten. Für den Kauf und Verkauf historischer Fahrzeuge bietet das Untersuchungsergebnis neben der aktuellen Ankaufsuntersuchung die gebräuchlichste und aussagekräftigste Grundlage.

Während bei einer “normalen” Gebrauchtwagenbewertung in erster Linie Baujahr und Laufleistung von Bedeutung sind, ist bei Oldtimern das entscheidende Kriterium der Pflege- und Erhaltungszustand des Fahrzeugs. Die Fahrzeugbewertung erfolgt in Form von Noten von 1 bis 5, die zuletzt 2007 von Classic Data überarbeitet wurden.

Note 1

Makelloser Zustand. Keinerlei Mängel an Technik, Optik und Historie. Ein (dokumentiert!) originales Fahrzeug der absoluten Spitzenklasse. Oder ein komplett und perfekt restauriertes Spitzenfahrzeug im Zustand wie neu (oder besser). Sehr selten!

Die Anmerkung "oder besser" ist ein Hinweis auf die Möglichkeiten modernster Restaurierungsmethoden. Duch die heutigen technischen Möglichkeiten (Schweißarbeiten, computergestützte Messtechniken) sowie den veränderten Materialien (Lack, Oberflächenveredelung) und einen umfangreichen Korrosionsschutz kann ein komplett restauriertes Fahrzeug den Zustand der Erstauslieferung übertreffen. Für Originalitätsliebhaber ist dies aber nicht erstrebenswert.

Note 2

Entweder seltener, unrestaurierter Original-Zustand oder fachgerecht restauriert. Technisch und optisch mängelfrei, aber mit leichten (!) Gebrauchsspuren. Keine fehlenden oder zusätzlich montierten Teile. Ausnahme: Wenn es die StVZO verlangt.

Leider kommt es gerade bei der Note 2, immer wieder zu Missverständnissen, weil viele Anbieter - teils aus Berechnung und teils aus Unwissenheit - ihrem Wagen eine viel zu gute Note geben, die vermeintlich der Schulnote "gut" entsprechen soll. Klar ist unter Experten aber, dass der "Zustand 2" ein nahezu optimal erhaltenes Fahrzeug charakterisiert.

Note 3

Gebrauchter Zustand. Normale Spuren der Jahre. Kleinere Mängel, aber voll fahrbereit und verkehrssicher. Keine Durchrostungen. Kein Reparaturstau und keine sofortigen Arbeiten notwendig. Nicht schön, aber gebrauchsfähig.

Note 4

Verbrauchter Zustand, eventuell teilrestauriert. Nur bedingt fahrbereit. Sofortige Arbeiten notwendig zur erfolgreichen Abnahme gem. § 29 StVZO. Leichtere bis mittlere Durchrostungen. Fahrzeug komplett in den Baugruppen aber nicht zwingend unbeschädigt. Einige kleinere Teile können aber fehlen oder defekt sein. Aber: immer noch relativ leicht zu reparieren (bzw. restaurieren).

Note 5

Nicht fahrbereit Schlecht restauriert bzw. teil- oder komplett zerlegt. Größere Investitionen nötig, da umfangreiche Arbeiten in allen Baugruppen erforderlich, aber grundsätzlich noch restaurierbar. Fehlende Teile, d.h. das Fahrzeug ist nicht zwingend komplett.

Ergänzungen

Wie auch bei Schulnoten sind "+" und "-" gestattet und üblich. Alle Noten müssen durch Sachverständigen-Gutachten belegt sein, und diese sollten möglichst aktuell sein. Im Zweifelsfall lieber ein neues Gutachten beauftragen bei den bekannten Prüf-Organisationen wie TÜV, Dekra, oder Classic Data.

Die Frage, ob ein Fahrzeug durch einen schweren Defekt (nicht fahrbereit) gleich um mehrere Noten fallen kann, ist umstritten. Im Zweifelsfall ist es besser, die notwendigen Reparaturkosten zu ermitteln, um sie dann vom Kaufpreis abzuziehen. Zugrunde gelegt wird dann der Marktwert ohne den wertmindernden Schaden.

Restauration

Auf den Wert eines Fahrzeuges hat auch die Art der Restauration einen entscheidenden Einfluß. Je originalgetreuer, desto höher die Chance einer Wertsteigerung. Umfangreiche Recherchen stehen am Anfang, um eine
fachgerechte Wiederherstellung zu garantieren. Eine saubere Dokumentation macht die Arbeiten transparent, die richtige Philosophie (ob in “Concours-Qualität, Wiederherstellung der technischen Funktion oder Modifikationen, um die Sicherheit etwa bei historischen Rennen zu verbessern) beeinflusst die Wertsteigerung.

Originalität

Entscheidend für die Originalität ist das richtige Fahrgestell. Matching Numbers (gleiche Nummern bei Motor und Chassis) sind bei Rennfahrzeugen weniger wichtig für den Wert als bei Strassen- und Sportwagen, weil bei Rennen und Grand Prix Veranstaltungen der Verschleiß höher war und während einer Saison auch leistungsgesteigerte Aggregate eingesetzt wurden. Wichtig: Dokumentierte Historie und Wartungsunterlagen des Fahrzeugs müssen langjährig und glaubhaft belegt sein.

Prominenz

Der Wert jedes Fahrzeuges wird durch seine Einzigartigkeit und Geschichte jedes einzelnen Automobils geprägt. Das gilt insbesondere für historische Rennwagen, bei denen Teilnahme, Erfolg an bedeutenden Rennen und bekannte Fahrer zählen, die sie bei solchen Veranstaltungen gesteuert haben. Entscheidend bei Vorbesitzern oder prominenten Fahrern für die Wertentwicklung ist die Beziehung zum Fahrzeug im Kontext mit der Geschichte von Markt, Marke und Fahrzeug.

Die Südwestbank legt einen Oldtimerindex auf, in dem sie die Preisentwicklung auf dem Oldtimermarkt für 20 Modelle süddeutscher Hersteller seit 2005 abbildet. Bis Anfang des Jahres konnte der Index einen Wertezuwachs von jährlich zehn Prozent verzeichnen.  Er soll den Liebhabern älterer Fahrzeuge Vergleichsmöglichkeiten bieten. Rein von der Wertentwicklung her können Oldtimer eine alternative Möglichkeit der Geldanlage sein -  gerade in Zeiten der Niedrigzinsen.

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