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09.10.2014

15:41 Uhr

Online-Broker

Die besten Banken für Geldanleger

VonJens Hagen

Gerade in Zeiten niedriger Renditen sollten Anleger ihre Kosten im Blick behalten. Ein Vergleich zeigt die günstigsten Depotbanken für verschiedene Anlagertypen. Das Sparpotenzial kann einige tausend Euro betragen.

Historische Aktien: Heute werden Depots elektronisch geführt. das spart Kosten. ap

Historische Aktien: Heute werden Depots elektronisch geführt. das spart Kosten.

DüsseldorfDie Onlinebroker bieten ihren Kunden einen heißen Herbst. Comdirect zahlt Neukunden ein Prozent des übertragenen Fonds- und ETF-Volumens. Die Prämie kann bis zu 250 Euro betragen. Wer zur 1822direkt wechselt kann hundert Euro Wechselprämie einstreichen. Auch die ING DiBA lockt mit einem Handgeld zwischen 20 und 250 Euro.

Andere Vertriebsstrategen zeigen sich ebenfalls erfinderisch: Der SBroker und die Onvista Bank schenken Wechslern ein neues IPad. Die Targobank lockt mit Frei-Trades und Sonderkonditionen beim Tagesgeld. Der Zinssatz von 2,5 Prozent ist fast doppelt so hoch wie beim aktuell besten Tagesgeld-Anbieter.

Angesichts solcher Angebote reiben sich die Kunden klassischer Filialbanken die Augen. Denn auch die Standardkonditionen liegen weit unter denen der meisten Hausbanken. „Ein Wechsel kann bei aktiven, vermögenden Kunden eine Ersparnis im vierstelligen Eurobereich bringen“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung.

Für Handelsblatt Online hat ein Team der FMH die Kosten für vier Musterkunden bei 17 Onlinebrokern verglichen. Ganz ohne Wechselprämien liegt die Ersparnis je nach Fall zwischen knapp 400 Euro und 5270 Euro pro Jahr. In einem Fall würde der Kunde bei seiner Sparkasse mehr als 20-mal mehr zahlen als beim günstigsten Onlinebroker.


Immer mehr Kunden begreifen das monetäre Potenzial eines Wechsels von der Filiale ins Internet. Laut Bundesbank-Statistik nutzen bereits 55 Prozent der Kunden die Angebote von Onlinebanken. Vor zehn Jahren waren es nur 34 Prozent. Das Sparpotenzial wäre bei einer systematischen Nutzung von Onlinebrokern gigantisch, da die Deutschen allein Aktien und Fonds im Wert von rund 750 Milliarden Euro besitzen.

Der Onlinetrend geht zu Lasten der klassischen Bankberater. Die Zahl der Filialen sank in den vergangen zehn Jahren um 9.600 auf rund 38.200. Fast 60.000 Stellen im Kreditgewerbe gingen laut Bundesbank in den vergangenen zehn Jahren verloren.

Die Befindlichkeiten der Filialbanker kümmern kritische Kunden bei der Wahl ihrer Institute allerdings wenig. „Die Kosten für das Depot sollten Kunden in der Tat immer im Blick behalten, denn Kosten drücken die Rendite.“, sagt Annabel Oelmann, Leiterin der Gruppe Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Was bei Onlinebrokern zu beachten ist

Der Finanzexperte antwortet

Was sollten Anleger angesichts niedriger Zinsen und Renditen für sichere Anleihen tun und was müssen sie beim Wechsel zu einer Depotbank beachten. Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie wichtig sind die Nebenkosten?

Nauhauser: „Angesichts der mickrigen Zinsen sollten die Anleger umso kritischer auf die Kosten ihrer Finanzprodukte schauen, denn deren Höhe ist gewiss, im Gegensatz zu den künftigen Erträgen. Hier gibt es das größte Einsparpotenzial, wenn Anleger auf Produkte ohne teures Management und ohne einkalkulierte Provisionen ausweisen. Ein Beispiel wäre etwa der Kauf von günstigen Indexfonds.“

Sind die Depotkosten angemessen?

Nauhauser: „Eine Wertpapierorder zu den regulären Kosten einer Filialbank abzuwickeln ist ungefähr so als würden Sie einen Brief per Taxi verschicken. Man könnte die hohen Kosten noch rechtfertigen, wenn die Banken dafür eine qualifizierte Beratung anbieten. Aber diese kann man von einem provisionsabhängigen Verkäufer leider nicht erwarten.“

Wer sollte zu einer Depotbank wechseln?

Nauhauser: „Wer kein Problem damit hat, Konto und Depot online zu verwalten, findet etliche Angebote von Direktbanken mit kostenfreiem Depot und preiswerter Orderausführung. Wer den Komfort eines persönlichen Gespräches mit dem Berater seines Vertrauens vorzieht, sollte wissen, dass die Konditionen verhandelbar sind.“

Was ist bei der Auswahl eines Online-Brokers zu beachten?

Nauhauser: „Das kommt auf die Bedürfnisse des Anlegers an: Daytrader werden hier andere Anforderungen haben als Buy-and-Hold Anleger. Und wer einmalig viel Geld anlegt, schaut wohl kaum auf das Angebot von Fondssparplänen. Zum Vermögensaufbau eignen sich aus unserer Sicht kostengünstige ETFs auf marktbreite Aktien- und Rentenindices, und hier unterscheiden sich die Angebote teilweise stark.“

Gab es schon Beschwerden über Online-Broker?

Nauhauser: „Nein, hier gibt es nahezu keine Beschwerden. Das liegt wohl daran, dass hier kein Berater zwischengeschaltet ist.“

„Eine Wertpapierorder zu den regulären Kosten einer Filialbank abzuwickeln ist ungefähr so als würden Sie einen Brief per Taxi verschicken“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Der viel zitierte Bankenkritiker stellt die Grundsatzfrage. „Man könnte die hohen Kosten noch rechtfertigen, wenn die Banken dafür eine qualifizierte Beratung anbieten“, erklärt Nauhauser. „Aber diese kann man von provisionsabhängigen Verkäufern leider nicht erwarten.“

Wie weit die Realitäten zwischen Filiale und Onlinebroker mittlerweile auseinanderliegen, zeigt der FMH-Vergleich. Ein Kunde, der im Jahr sechs Orders für 10.000 Euro abgibt und Papiere mit einem Wert von 120.000 Euro verwalten lässt, zahlt beim Onlinebroker Flatex rund 35 Euro. Beim teuersten Onlinebroker werden mehr als 200 Euro fällig. Eine klassische Filialbank, in diesem Falle ist das beispielhaft die Frankfurter Sparkasse, berechnet laut FMH 770 Euro.

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