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10.04.2015

11:05 Uhr

Online-Händler

Windeln.de geht an die Börse

Begleitet von Geldhäusern wie Deutscher Bank und Goldman Sachs geht der Online-Shop windeln.de an die Börse. Der Internethändler testet die Stimmung am Finanzmarkt zu einer Zeit, da die Kurse Höchststände erreichen.

Der Online-Händler Windeln.de will an die Börse gehen. dpa - picture-alliance

Windelträger in Berlin

Der Online-Händler Windeln.de will an die Börse gehen.

MünchenNach Zalando drängt mit Windeln.de der nächste Online-Händler in Deutschland an die Börse. Noch in diesem Jahr soll die Notierung der Aktien in Frankfurt anlaufen, teilte der Versandhändler für Baby- und Kleinkinderartikel am Freitag in München mit. Auch in Luxemburg soll die Aktie gehandelt werden.

Geplant ist ein Emissionsvolumen von bis zu rund 200 Millionen Euro. Davon sollen 100 Millionen aus einer Kapitalerhöhung und 80 Millionen aus dem Verkauf von Aktien der bisherigen Gesellschafter kommen, zu denen neben Finanzinvestoren und den Gründern auch die Deutsche Bank und Goldman Sachs zählen. Hinzu kommen möglicherweise neue Aktien aus einer Mehrzuteilungsoption.

Das frische Geld will Windeln.de vor allem in weiteres Wachstum stecken. Mit Blick auf Zukäufe sagte Geschäftsführer Alexander Brand, einer der zwei Unternehmensgründer, der Nachrichtenagentur Reuters: „Wir führen verschiedene Diskussionen, aber es ist noch nichts spruchreif.“ Von der offiziellen Ankündigung bis zur Erstnotiz dauert es in der Regel vier Wochen. Festgelegt hat sich windeln.de nur darauf, dass der Börsengang noch 2015 über die Bühne gehen soll.

Im vergangenen Jahr hat sich der Umsatz von windeln.de auf 101 Millionen Euro mehr als verdoppelt, im ersten Quartal 2015 waren es schon 35,6 Millionen Euro. Die Wachstumsrate von 87 Prozent von Januar bis März werde sich aber über das Gesamtjahr nicht ganz aufrecht erhalten lassen, sagte Finanzchef Nikolaus Weinberger.

Was Sie über die Börsenkandidaten wissen sollten

Zalando

ZALANDO (Online-Versand von Schuhen und Bekleidung)

Zeichnungsfrist: bis 29. September 2014
Erstnotiz: 1. Oktober 2014
Eigentümer: Kinnevik (35,6 Prozent), Global Founders/Brüder Samwer (16,7 Prozent), Bestseller/Anders Holch Povlsen (10,5 Prozent), Juri Milner (8,1 Prozent), Holtzbrinck Ventures (7,6 Prozent), Tengelmann (5,6 Prozent) und weitere.
Bewertung: bis zu 5,6 Milliarden Euro
Volumen: 441 bis 633 Millionen Euro
Banken: Morgan Stanley, Goldman Sachs und Credit Suisse.

Rocket Internet

ROCKET INTERNET (Holding von jungen Internet-Unternehmen)
Zeichnungsfrist: 24. September bis 7. Oktober 2014
Erstnotiz: 9. Oktober 2014
Eigentümer: Brüder Samwer (52,3 Prozent), Kinnevik (18,1 Prozent), United Internet (10,4 Prozent), Philippine Long Distance Telephone (PLDT, 8,4 Prozent), Access Industries (Len Blavatnik, 8,3 Prozent), Holtzbrinck Ventures (2,5 Prozent)
Bewertung: bis zu 6,7 Milliarden Euro
Volumen: 1,34 bis 1,61 Milliarden Euro
Banken: JPMorgan, Morgan Stanley und Berenberg.

Tele Columbus

TELE COLUMBUS (Kabelnetzbetreiber)

Zeitpunkt: Herbst 2014

Eigentümer: mehrere Hedgefonds

Bewertung: mehr als 600 Millionen Euro

Volumen: rund 300 Millionen Euro

Banken: JPMorgan, Goldman Sachs

TLG Immobilien

TLG IMMOBILIEN (Gewerbeimmobilien in Ostdeutschland)

Zeitpunkt: Herbst 2014

Eigentümer: Lone Star

Bewertung: 1,5 Milliarden Euro (inklusive Schulden)

Volumen: rund 500 Millionen Euro

Banken: UBS, JPMorgan

Steinhoff

STEINHOFF (Möbelproduktion und -handel)

Zeitpunkt: nach dem 9. September

Eigentümer: börsennotiert, Gründer Bruno Steinhoff größter Aktionär

Bewertung: knapp 9 Milliarden Euro (Börsenwert)

Volumen: Wechsel von der Börse Johannesburg nach Frankfurt, Kapitalerhöhung im Juli durchgeführt, möglicherweise weitere Platzierung im Zuge des Wechsels des Börsenplatzes.

Banken: Kapitalerhöhung begleitet von Barclays, BNP Paribas, Citigroup, HSBC und Commerzbank

Hella

HELLA (Autoscheinwerfer-Hersteller)

Zeitpunkt: Herbst 2014 möglich

Eigentümer: Familie

Bewertung: rund 3,5 Milliarden Euro

Volumen: offen

Banken: Citi, Bankhaus Lampe

Armacell

ARMACELL (Dämmstoff-Hersteller)

Zeitpunkt: Ende 2014/Anfang 2015

Eigentümer: Charterhouse Capital Partners

Bewertung: mehr als 600 Millionen Euro

Volumen: rund 300 Millionen Euro

Banken: Deutsche Bank, Bank of America Merrill Lynch, BNP Paribas

Goodgame Studios

Online-Spielehersteller

Zeitpunkt: Ende 2014/Anfang 2015 möglich
Eigentümer: Gründer (Brüder Wawrzinek)
Banken: Bank of America Merill Lynch, Berenberg und Deutsche Bank

Scout24

SCOUT24 (Betreiber von Online-Marktplätzen)

Zeitpunkt: Ende 2014/Anfang 2015

Eigentümer: Hellman & Friedman (49 Prozent), Blackstone (21 Prozent), Deutsche Telekom (30 Prozent)

Bewertung: ca. 2 Milliarden Euro

Volumen: rund 400 Millionen Euro (für 20 Prozent der Anteile)

Banken: Goldman Sachs, Credit Suisse als Koordinatoren (erwartet)

Siemens Audiologische Technik

SIEMENS AUDIOLOGISCHE TECHNIK (Hörgeräte)

Zeitpunkt: Anfang 2015

Eigentümer: Siemens AG

Bewertung: ca. 2 Milliarden Euro

Volumen: möglicherweise als Spin-off mit Ausgabe von Aktien an Siemens-Aktionäre

Banken: Auswahl in Kürze erwartet

Axel Springer Digital Classifieds

AXEL SPRINGER DIGITAL CLASSIFIEDS (Online-Anzeigenbörse)

Zeitpunkt: Anfang 2015

Eigentümer: Axel Springer SE (70 Prozent), General Atlantic (30 Prozent)

Bewertung: rund drei Milliarden Euro

Volumen: offen

Banken: noch nicht ausgewählt

Douglas

DOUGLAS (Parfümerie, Einzelhandel)

Zeitpunkt: Frühjahr 2015

Eigentümer: Advent International und Familie Kreke

Bewertung: rund zwei Milliarden Euro

Volumen: offen

Banken: noch nicht ausgewählt

Hapag-Lloyd

HAPAG-LLOYD (Reederei)

Zeitpunkt: Herbst 2015

Eigentümer: (vor Vollzug der Fusion mit CSAV ) Stadt Hamburg (37 Prozent), Kühne Maritime (28 Prozent), TUI (22 Prozent), Signal Iduna (5 Prozent), HSH Nordbank (3 Prozent), M.M. Warburg & Co (2,9 Prozent) und HanseMerkur (1,8 Prozent), CSAV erhält zunächst 30, später 34 Prozent.

Bayer Material Science

Bayer Material Science: Kunststoffe
Zeitpunkt: Herbst 2015/Frühjahr 2016
Eigentümer: Bayer AG
Bewertung: bis zu 10 Milliarden Euro
Volumen: möglicherweise als Spin-off mit Ausgabe von Aktien an Bayer-Aktionäre

Das Unternehmen, gegründet 2010, vertreibt unter anderem Windeln, Babynahrung und Spielzeug für Babys und Kleinkinder. Der Internet-Shop unter der namensgebenden Marke sei vor Steuern und Zinsen schon 2014 profitabel gewesen. Windeln.de setzt in China mehr um als in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Chinesen kaufen gerne deutsche Qualität“, sagte Brand. Insgesamt machte windeln.de im vergangenen Jahr aber netto fast zehn Millionen Euro Verlust.

Laut Finanzkreisen schwebt windeln.de eine Börsenbewertung von 500 bis 600 Millionen Euro vor, so dass 30 bis 40 Prozent der Aktien nach dem Börsengang im Streubesitz wären. Im Januar hatte windeln.de noch einmal 45 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt. Größter Aktionär ist der britische Technologie- und Wachstumsfinanzierer DN Capital (24,3 Prozent) und Acton Capital (19,5 Prozent), die vom Münchener Medienkonzern Burda maßgeblich finanziert wird. Burda hatte bereits den Online-Tierfutterhändler Zooplus an die Börse gebracht.

Der Deutsche Aktienindex sprang am Freitagmorgen auf ein Rekordhoch. Anleger könnten also durchaus bereit sein, neue Aktiengesellschaften an der Börse zu begrüßen.

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