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25.10.2012

22:00 Uhr

Ordentliche Inventur

Bundesbank bekommt bei Goldreserven Unterstützung

Politiker unterschiedlicher Parteien haben der Bundesbank Rückendeckung in der Debatte über eine Inventur der Goldreserven gegeben. Haushaltspolitiker mehrerer Parteien erklärten, dass sie der Bundesbank vertrauten.

BerlinIm Streit über eine ordentliche Inventur der deutschen Goldreserven im Ausland hat die Bundesbank volle Rückendeckung von Koalition und Opposition im Bundestag bekommen. Nach einer Sitzung des Haushaltsausschusses am Donnerstag in Berlin, sagte der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider: "Ich habe volles Vertrauen in die Bundesbank, die für die Verwahrung der deutschen Goldreserven die Verantwortung trägt." Sein Unions-Kollege Norbert Barthle sagte, er sei sicher, dass die Barren in New York, Paris und London sicher verwahrt seien. Der Präsident des Bundesrechnungshofes, Dieter Engels, zeigte sich zufrieden damit, wie die Bundesbank auf die Kritik seines Hauses reagiere.

Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Reuters

Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

Die Debatte war durch einen Bericht des Rechnungshofes aufgekommen, in dem die Prüfer eine regelmäßige Vor-Ort-Kontrolle der im Ausland lagernden Goldreserven fordern. Dafür spreche schon der hohe Wert der Goldreserven von 132,9 Milliarden Euro. Von den 3396 Tonnen lagert in den Tresoren der US-Notenbank Fed in New York etwa die Hälfte, gut 370 Tonnen lagern bei der französischen Nationalbank in Paris, 450 Tonnen bei der britischen Zentralbank in London. Den Rest bewacht die Bundesbank selbst in ihrer Zentrale in Frankfurt. Der Rechnungshof hatte kritisiert, die im Ausland liegenden Barren seien nie vollständig geprüft worden, und verlangt Stichproben.

Die Goldreserven der Staaten

USA

Goldschatz: 8.133,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 75,7 Prozent

Stand: Januar 2014

Deutschland

Goldschatz: 3.387,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,8 Prozent

Internationaler Währungsfonds (IWF)

Goldschatz: 2.814 Tonnen

Italien

Goldschatz: 2.451,8 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,1 Prozent

Frankreich

Goldschatz: 2.435,4 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 70,5 Prozent

China

Goldschatz: 1.054,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 1,7 Prozent

Schweiz

Goldschatz: 1.040,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 10,6 Prozent

Russland

Goldschatz: 1.015,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,5 Prozent

Japan

Goldschatz: 765,2 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 3,2 Prozent

Niederlande

Goldschatz: 612,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 59,7 Prozent

Indien

Goldschatz: 557,7 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,9 Prozent

Türkei

Goldschatz: 506,3 Tonnen

Europäische Zentralbank (EZB)

Goldschatz: 502,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 32,9 Prozent

Nach einem Reuters vorliegenden Brief der Bundesbank an den Haushaltsausschuss hat die deutsche Zentralbank mit der Fed in New York bereits Gespräche darüber geführt, wie den Forderungen der Rechnungsprüfer nachgekommen werden kann. Dabei sollten aber die Sicherheits- und Kontrollverfahren der Fed berücksichtigt werden. Zudem hat die Bundesbank bereits erklärt, in den nächsten drei Jahren jeweils 50 Tonnen Gold aus den USA nach Deutschland zu holen und auf Gewicht und Reinheit zu prüfen.

Engels sagte, die Gespräche mit der Bundesbank liefen optimal. Der Rechnungshof habe auch nie die Sorge gehabt, dass das Gold nicht sicher sei, sondern wolle eine ordnungsgemäße Buchführung. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele betonte, es sei gut, wenn Deutschland auch im Ausland über Goldreserven für Krisenfälle verfüge. In der Debatte waren vor allem in der Union Stimmen laut geworden, die eine Rückführung der Goldbarren nach Deutschland fordern.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Schneider sagte, weil es sich um das Vermögen Deutschlands handele, stehe dem Bundesrechnungshof ein Prüfungsrecht zu: "Ein Rücktransport aller im Ausland sicher verwahrten Goldbestände erscheint mir angesichts der dadurch entstehenden Kosten nicht gerechtfertigt." Die Grünen-Haushaltsexpertin Priska Hinz sagte, sie habe keinerlei Zweifel am Bestand und an der Lagerung der Goldbestände: "Auch bezweifele ich nicht die Zuverlässigkeit ausländischer Notenbanken."

Barthle sagte, es gebe überzeugende Gründe dafür, Teile des Goldes an den Goldhandelsplätzen befreundeter westlicher Staaten zu lagern: "Als Teil der offiziellen Währungsreserve müssen die Goldbestände beispielsweise in einem Krisenfalls als Sicherheit zur Verfügung stehen, damit Deutschland dafür Fremdwährungen erhält." Für Verschwörungstheorien habe er kein Verständnis.

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Ist er wirklich noch da? Der deutsche Goldschatz liegt im Ausland, doch gesehen hat ihn schon lange keiner mehr.



Von

rtr

Kommentare (10)

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emilioemilio

25.10.2012, 22:58 Uhr

UNISONO alles paletti... dieses System der Parteien-Abnicker und Vaterlandsverräter ist schier unerträglich!
keine Intervention, keine Nachfrage, keine Kritik kommt dort an ...ALLES geht in einem Brei der Selbstgerechtigkeit unter, jeder der mit dem Recht des Bürgers nachfragt wird ins Abseits gedrängt und mehr!

Eine Bande von Verrätern am eigenen Volk zum Nutzen der Partei! Damit sind Alle gemeint die sich als Partei gerieren für den Bürger einzustehen. Weitgefehlt man hilft sich wo man kann, den Bürger außen vor zulassen, um die eigenen Intrigen zu schmieden, zum eigenen Vorteil!
Demokratie = Das Parteienkomplott!!!

info@fuelcat.de

25.10.2012, 23:15 Uhr

Wieviel Gold der genannten "soliden Partner" lagert denn zu deren Sicherheit in Deutschland? Ne is klar, Gold sonst wo hin und Bargeld nach Griechenland, was dann noch bleibt 1:1 zur Politmafia..........

SchockierendeWahrheit

26.10.2012, 00:07 Uhr

Alles schon längst weg:

http://kingworldnews.com/kingworldnews/KWN_DailyWeb/Entries/2012/10/25_James_Turk_-_The_Entire_German_Gold_Hoard_Is_Gone.html

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