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11.08.2012

17:15 Uhr

Otmar Issings neues Buch

Viel Kritik, keine Lösung

VonElke Pickartz

Staatsanleihen sind der falsche Weg in der Euro-Krise, findet der ehemalige EZB-Chefsvolkswirt Otmar Issing. In seinem neuen Buch stellt er die Lösungsansätze der Politik in Frage. Antworten gibt er aber leider nicht.

Otmar Issing mit seinem Buch „Wir wir den Euro retten und Europa stärker“. Reuters

Otmar Issing mit seinem Buch „Wir wir den Euro retten und Europa stärker“.

FrankfurtEr hat schon dickere Bücher veröffentlicht, bösartig könnte man sagen, solche mit mehr Gewicht. Dennoch sind fast alle Stühle in der Launch der Frankfurter Börse besetzt, als Otmar Issing gestern sein neuestes Werk präsentiert.

Der 76-jährige Volkswirtschaftsprofessor und frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) ist in der Euro-Debatte ein Schwergewicht. Alle wollen hören, was der Mann, der 1998 maßgeblich die geldpolitische Strategie der EZB ausarbeitete, in diesen Tagen zu sagen hat. Als er 2006 das Direktorium der EZB verließ, war der Euro auf dem Gipfel seines Ansehens. Heute wird Issing – mittlerweile Präsident des Center for Financial Studies in Frankfurt und Berater der US-Investmentbank Goldman Sachs – vor allem nach dem Scheitern der Gemeinschaftswährung gefragt.

Issing redet an diesem Donnerstag druckreif, viele seiner Zitate finden sich in dem Büchlein wieder, das auf 40 Seiten im DIN-A6-Format unter dem Titel „Wie wir den Euro retten und Europa stärken“ seine Sicht darlegt und in Interviewform verfasst ist. „Der Euro wird überleben, aber in einer anderen Zusammensetzung“, sagt Issing. Im Klartext heißt das, die Griechen müssen raus aus der Währungsunion. Immer neue Hilfen und Rabatte seien falsch, denn sie brächten ein „unbegrenztes Erpressungspotenzial“ mit sich und untergrüben den Reformwillen von Ländern wie Portugal, fährt Issing fort.

Auch die EZB gerät in den Fokus von Issings Kritik: Sie habe sich mit dem angekündigten neuen Ankaufprogramm für Staatsanleihen schwacher Euro-Länder zum „Gefangenen der Politik“ gemacht, rügt der Ex-EZB-Chefvolkswirt. „Das ist eine Bahn, die immer schiefer wird, mit Schmierseife immer glitschiger gemacht.“

Vieles an Issings Kritik klingt einleuchtend, ist berechtigt. „Die Politische Union ist nicht ein Instrument, um die gegenwärtige Krise zu bereinigen“, sagt er. Doch welche Instrumente gibt es dann? Jedes Land sei für sich selbst verantwortlich, und ein Zentralbanker habe sich – Krise hin oder her – auf den Auftrag der Preisstabilität zu konzentrieren, sagt Issing. „In der Krise muss man auch pragmatisch sein, aber nur Pragmatismus führt nicht weiter.“

„Wie wir den Euro retten und Europa stärken“ hätte der Titel eines gewichtigen Buches werden können. Leser würde es immer noch genug finden.

Kommentare (15)

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Edelzwicker

11.08.2012, 17:46 Uhr

„Das ist eine Bahn, die immer schiefer wird, mit Schmierseife immer glitschiger gemacht.“
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Genau, und Draghi als ehem. Goldman-Sachs-Vertreter ist der richtige Mann für Schmierseife, die er von seinem Soufleur in Rom, einem nicht demokratisch legitmierten Ministerpräsidenten, geflüstert bekommt.

Account gelöscht!

11.08.2012, 18:05 Uhr

Antworten werden mitgedacht, aber nicht ausgesprochen: Der Euro ist gescheitert - also wickeln wir ihn ab...Nur will niemand aus der Politik der Erste sein, der das fordrt.

nachhaltiger

11.08.2012, 19:35 Uhr

Das diese Krise auf Kosten der Gewinner gelöst werden sollte, kommt Herrn Issing natürlich nicht in den Sinn.

Und das der Euro ein Dorn im Auge der Angelsachsen besonders in London und New York ist, das brauche ich dem langjährigen HB-Leser nicht weiter auszuführen.

Wie löst man diese Krise der Staatsfinanzen und damit die Krise der Geld-Schein-Eliten?

Die britische Zentralbank hat für 20% des BIP britische Staatsanleihen gekauft. Die EZB liegt bei 2% und hat dabei noch die lukrativsten mit den hohen Zinsen gekauft.

Die Lösung liegt im Kauf von Anleihen aller Euro-Länder anteilig am BIP der Eurozone zu einem Zinssatz wie ihn auch Banken erhalten von 0,75%. Wie Britanien zeigt geht dies problemlos bis 20% des BIP.

Im Gegenzug kann die EZB viele andere Anlagen der Banken abstoßen, die ein noch größeres Risiko darstellen.

Die wenig nachhaltige Generation Kreuzfahrt wird im weiter so ihre Problem der Geldanlage und Investition nicht lösen.
Besonders die demografisch angeschlagenen Geld-Schein-Eliten in D, Spanien und Italien zeigen die Verkrustungen und Degenerationen ohne Reformwillen.

Die nächsten Generationen lassen sich nicht auf Dauer über den Tisch ziehen und werden den Selbstbedienungsladen Staatsschulden schneller schließen als vielen lieb ist.

Am meisten verlieren die Reichen, wenn der Euro wegbricht. Aber bis dahin heißt es weiter so.

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