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08.08.2012

13:32 Uhr

Parallelwährung als Lösung?

Ein bisschen Euro für die Griechen geht nicht

VonPhilip Faigle und Alexandra Endres
Quelle:Zeit Online

Sollten die Griechen eine Parallelwährung zum Euro einführen? Diese Frage spaltet zur Zeit die Ökonomie. Ein Blick in die Geschichte lehrt: Ein „Geuro“ als Zusatzwährung wäre vermutlich keine gute Idee.

Die Debatte über eine Parallelwährung für die Griechen spaltet die Ökonomie. Reuters

Die Debatte über eine Parallelwährung für die Griechen spaltet die Ökonomie.

HamburgEs ist der Lieblingsvorschlag all jener Ökonomen, die nicht an einen Verbleib Griechenlands in der Währungsunion glauben, vor einem Rausschmiss aber zurückschrecken: Die Regierung in Athen solle einfach eine Parallelwährung einführen – eine Art Zusatzwährung neben dem Euro. Einen "Geuro" etwa, wie es vor Wochen der frühere Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer vorschlug. Der griechische Staat würde dabei ein Papier ausgeben, auf dem eine Summe steht, die er den Bürgern schuldet. Die Schuldscheine würden dann wie eine zweite Währung im Land zirkulieren.

Solche Ideen hört man jetzt wieder öfter. Selbst CSU-Generelsekretär Alexander Dobrindt empfahl den Griechen zuletzt, sie sollten eine Parallelwährung neben dem Euro einführen. Aber ist das wirklich eine gute Idee?

Auf den ersten Blick wäre die Einführung einer Parallelwährung eine vergleichsweise einfache Lösung: Der griechische Staat könnte die Schuldscheine einfach drucken und unter das Volk bringen, ohne sich an den nervösen Finanzmärkten Geld leihen zu müssen. Auch wäre er dann nicht mehr so stark auf Hilfen der Euro-Partner angewiesen, denen gerade die Lust am Retten vergeht. Griechenland würde sich weniger im Ausland und mehr bei den eigenen Bürgern verschulden.

Zudem würde die neue Währung vermutlich nicht so stabil sein wie der Euro – sie würde also abwerten. Wenn auch die privaten Unternehmen die Währung verwenden, um Gehälter zu zahlen, würden die Lohnkosten sinken. Die heimische Wirtschaft würde so wettbewerbsfähiger gegenüber der internationalen Konkurrenz, was hilfreich für das Exportgeschäft wäre. Wenn die Krise vorbei ist, könnte die Regierung die Schuldscheine einfach wieder einsammeln und in Euro umtauschen.

Musterschüler und Sitzenbleiber - so verschuldet sind die Euro-Länder

Platz 1

Das am höchsten verschuldete Land der Euro-Zone ist - wer hätte es gedacht - Griechenland. Bei satten 175 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt die Schuldenquote des Mittelmeerlandes. Ein kleiner Lichtblick: Immerhin haben es die Griechen in den vergangenen Jahren geschafft, ihr extrem hohes Haushaltsdefizit zu drücken: Nahm die Regierung 2009 noch neue Kredite in Höhe von 15,6 Prozent des BIP auf, wird sich die Defizitquote im Jahr 2012 - nicht zuletzt dank europäischer Hilfe - auf 7,3 Prozent des BIP verringern.

Platz 2

Auf Platz zwei der am meisten verschuldeten Euro-Länder landet Italien. Mit 123 Prozent des BIP stehen die Italiener laut Eurostat in der Kreide. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen, die der Regierung von Premierminister Mario Monti das Leben schwer machen. Mit einem harten Sparkurs steuert Rom dem entgegen: Die Defizitquote sank von 5,4 Prozent im Jahr 2009 auf voraussichtlich 2,0 Prozent in diesem Jahr.

Platz 3

Irland hatte vor allem unter der Bankenkrise zu leiden. Weil das kleine Land seine Banken stützen musste, hat es einen Bruttoschuldenstand von 116,1 Prozent des BIP. Auch das Haushaltsdefizit des früheren keltischen Tigers war in der Folge beängstigend hoch und lag 2010 bei 31 Prozent des BIP. Inzwischen konnte die Regierung das Defizit auf 8,3 Prozent senken - was immer noch deutlich zu hoch ist.

Platz 4

Genau wie Griechenland und Irland musste sich auch Portugal unter den Rettungsschirm flüchten. Das Land ächzt unter einer Schuldenquote von 113,9 Prozent der BIP. Auf Druck der EU reduzierten die Portugiesen ihr Haushaltsdefizit in den vergangenen Jahren deutlich: Waren es 2009 noch 10,2 Prozent des BIP, wird die Defizitquote in diesem Jahr voraussichtlich auf 4,7 Prozent sinken.

Platz 5

Auch Belgiens Schuldenquote hat mit 113,9 Prozent vom BIP eine kritische Höhe erreicht. Bei Haushaltsdefizit hingegen sehen die Belgier inzwischen wieder ganz gut aus: Nach satten 10,2 Prozent im Jahr 2009 werden sie die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Defizitquote von drei Prozent in diesem Jahr vorrausichtlich exakt einhalten.

Platz 6

Deutschlands Nachbarland Frankreich hat eine Verschuldungsquote von 90,5 Prozent des BIP. Ökonomen halten diese Schuldenlast für gerade noch tragbar, die Maastricht-Kriterien hingegen verletzen die Franzosen deutlich: Sie sehen eine Quote von höchstens 60 Prozent vor. Auch das französische Haushaltsdefizit ist mit 4,5 Prozent vom BIP im Jahr 2012 zu hoch.

Platz 7

Auch Deutschland, das sich gerne als Musterschüler der Euro-Zone sieht, drückt eine hohe Schuldenlast: 81,2 Prozent beträgt die Bruttoschuldenquote im Jahr 2012 - zu hoch für Maastricht. Beim Haushaltsdefizit hingegen sieht Europas größte Volkswirtschaft inzwischen richtig gut aus: Eurostat schätzt, dass Schäubles Defizitquote in diesem Jahr nur noch bei 0,9 Prozent des BIP liegt - der zweitbeste Wert aller Euro-Staaten.

Platz 8

Das letzte Land, das Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchte, war Spanien. Dabei ist die Bruttoschuldenquote der Iberer gar nicht so hoch: mit 80,9 Prozent liegt sie unter der von Deutschland. Deutlich zu hoch ist allerdings das Haushaltsdefizit Spaniens: Kredite in Höhe von 6,4 Prozent muss die konservative Regierung in diesem Jahr aufnehmen - weniger als im letzten Jahr (8,5 Prozent) aber immer noch zu viel.

Platz 9

Bei Zypern wird immer gemunkelt, dass das Land als nächstes unter den Rettungsschirm schlüpfen könnte. Den Inselstaat drückt eine Schuldenquote von 76,5 Prozent des BIP. Immerhin: Das Haushaltsdefizit konnten die Zyprioten spürbar reduzieren: Es sankt von 6,3 Prozent des BIP im Vorjahr auf 3,4 Prozent in diesem Jahr. Die Maastricht-Grenze ist damit wieder in Reichweite.

Platz 10

Die Mittelmeerinsel Malta weist eine Bruttoverschuldungsquote von 74,8 Prozent des BIP auf. Im europäischen Vergleich reicht das für Platz zehn. Das Haushaltsdefizit von Malta bewegt sich innerhalb der Maastricht-Kriterien und wird in diesem Jahr voraussichtlich bei 2,6 Prozent liegen.

Platz 11

Deutschlands südlicher Nachbar Österreich weist eine Verschuldungsquote von 74,2 Prozent des BIP auf - Platz elf in Europa. Auch das Haushaltsdefizitdefizit der Alpenrepublik ist mit aktuell drei Prozent vom BIP vergleichsweise gering. Im Jahr 2011 hatte es mit 2,6 Prozent sogar noch niedriger gelegen.

Platz 12

Die Niederlande gelten ähnlich wie Deutschland als Verfechter einer strengen Haushaltspolitik. Das macht sich bemerkbar: Die Verschuldungsquote liegt bei nur 70,1 Prozent vom BIP. Weniger erfolgreich haben die Niederländer in den vergangen Jahren gewirtschaftet: Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 5,6 Prozent und hat sich danach nur leicht verringert. Im Jahr 2012 peilt die Regierung ein Defizit in Höhe von 4,4 Prozent des BIP an.

Platz 13

Slowenien ist das erste Land im Ranking, dessen Verschuldungsquote die Maastricht-Kriterien erfüllt: Sie liegt im Jahr 2012 bei 54,7 Prozent des BIP. Schlechter sieht es bei den Haushaltszahlen aus: Nach einen Defizit in Höhe von 6,4 Prozent des BIP im Jahr 2011 steuert die Regierung in diesem Jahr auf 4,3 Prozent zu. Die Gesamtverschuldung steigt also.

Platz 14

Ein Musterbeispiel für solide Haushaltsführung ist Finnland: Die Bruttoverschuldungsquote der Skandinavier liegt bei 50,5 Prozent und bewegt sich damit locker in dem Rahmen, den der Maastricht-Vertrag vorgibt. Auch die Haushaltszahlen können sich sehen lassen: In den vergangenen vier Jahren lag Finnlands Defizit nie über der Drei-Prozent-Marke. Im Jahr 2012 werden es nach Prognose von Eurostat gerade einmal 0,7 Prozent sein.

Platz 15

Auch die Slowakei weist eine niedrige Gesamtverschuldung auf: Die Bruttoverschuldungsquote liegt bei 49,7 Prozent des BIP. In den vergangen Jahren allerdings hatten die Slowaken zunehmend Probleme: Bei acht Prozent des BIP lag das Haushaltsdefizit im Jahr 2009, in diesem Jahr werden es laut Eurostat-Prognose 4,7 Prozent sein.

Platz 16

Geldsorgen sind in Luxemburg ein Fremdwort. Die Verschuldungsquote des Großherzogtums liegt bei niedrigen 20,3 Prozent. Der Regierung gelingt es in den meisten Jahren auch, mit den eingenommenen Steuermitteln auszukommen. In den vergangenen drei Jahren lag das Haushaltsdefizit stets unter einem Prozent des BIP. Die anvisierten 1,8 Prozent in diesem Jahr sind da schon ein Ausreißer nach oben.

Platz 17

Hätten Sie es gewusst? Der absolute Haushalts-Musterschüler der Euro-Zone ist Estland. Das baltische Land hat eine Gesamtverschuldung, die bei extrem niedrigen 10,4 Prozent des BIP liegt - ein echter Spitzenwert. 2010 und 2011 gelang es der Regierung sogar, einen kleinen Haushaltsüberschuss zu erwirtschaften. In diesem Jahr läuft es etwas schlechter: Voraussichtlich wird die Regierung Kredite in Höhe von 2,4 Prozent des BIP aufnehmen. Die Maastricht-Kriterien halten die Esten damit aber immer noch locker ein.

Klingt ganz gut. Aber es gibt gleich mehrere Haken. Das wird deutlich, wenn man sich die beiden Fälle anschaut, in denen die Regierungen der jüngsten Zeit versucht haben, eine Parallelwährung einzuführen: Kalifornien und Argentinien.

Kommentare (17)

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sportivemaui

08.08.2012, 13:48 Uhr

So ein INFANTILES HERUMGEWWUR-SCH-TEL!! Gesteht Euch endlich EIN, dass EUROPA statt Friedsüchtig (Der Euro wird Frieden über Europa bringen) einfach nur MACHTGIERIG war!! Primitiv wie seit tausenden Jahren ist der Mensch geblieben, verKOHLt die große SCHULD des EUR ab 2000 dazu noch geworden. Gute NACHT!

was-bleibt

08.08.2012, 14:23 Uhr

Fakt ist doch: - Der Euro ist gescheitert.
- Die Vereinigten Staaten von Europa sind Illusion.
- Die Forderungen der GIPS: Geld heute gegen Versprechen für morgen ohne Einflußnahme auf die Haushaltspolitik dieser Staaten ist nicht machbar.
- Die EZB ist eine bad bank
Der Euro könnte wie der ECU als Verrechnungseinheit dienen, und alle Eurostaaten führen parallel eine nationale Währung ein.
Je länger der Euro am Leben erhalten wird umso teurer umso weniger für Bildung und Forschung. Oder D muß raus, und der Resteuro kann inflationieren.
Die Verantwortlichen des Euro müssen zur Verantwortung gezogen werden. Es kann nicht sein, dass diese Eurofanatiker nicht nur den Wohlstand, sondern auch noch die Demokratie der europäischen Völker vereuren.

TomXXX

08.08.2012, 14:27 Uhr

Aussage des Artikels?

Ich denke nicht, dass der Artikel die analytische Tiefe erreicht hat um die Idee einer Parallelwährung zu verwerfen. Griechenland hat sich komplett überschuldet, aus dieser Situation gibt es keine Lösung ohne Nachteile.

Um sich der Frage nach der sinnvollen Lösung zu nähern, muss man die Auswirkungen der Nachteile verschiedener Lösungen ins Verhältnis setzen. Eines ist aber auch sicher: es gibt keine Lösung ohne Nachteile. (mit Ausnahme der Lösung, dass die Griechen einfach ihre Schulden begleichen, das ist aber ein Wunschtraum).

Auch ist der Vergleich mit anderen Ländern nicht zielführend, da eben damalige (Einzel-)maßnahmen nicht einfach mit den gesamten Folgen der Krisen in Relation gebracht werden kann.

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