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24.03.2014

17:29 Uhr

Pennystock-Fall

Ist ein 26-Jähriger der ominöse Werber?

Leerverkäufer und Aktienwerber zerbrechen sich seit Jahren den Kopf: Wer steckt hinter einer der größten Pennystock-Seiten im Internet. Der Schuldige scheint gefasst zu sein – ein 26-Jähriger aus Montreal.

Wer steckt hinter einer der größten Pennystock-Seiten im Internet? Vieles deutet auf John Babikian hin. Reuters, Sascha Rheker

Wer steckt hinter einer der größten Pennystock-Seiten im Internet? Vieles deutet auf John Babikian hin.

FrankfurtEr soll für eine Kohlefirma Werbung gemacht haben und gleichzeitig seine eigenen Aktien an dem Unternehmen über Bord geworfen haben. John Babikian wird verdächtigt, der Nutzer einer E-Mail-Liste mit dem Namen „AwesomePennyStocks“ zu sein. Die US-Finanzmarktaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) klagte letzte Woche gegen den 26-Jährigen aus Montreal.

Mitteilungen zu dieser Firma und 38 weiteren, die über fünf Jahre hinweg verschickt wurden, trugen zu einem scharfen Anstieg bei den betroffenen Aktienkursen bei. Der Wert der insgesamt 39 Titel schnellte um mehr als drei Milliarden Dollar in der Zeit nach oben, in der sie von „AwesomePennyStocks“ beworben wurden. Das geht aus Daten von Bloomberg News hervor. Die meisten dieser Aktien werden heute zum Stückpreis von weniger als einen Cent gehandelt. Die SEC wirft Babikian vor, den Wert eines dieser Titel aufgeblasen zu haben.

„Das ist der größte Fall, von dem ich gehört habe.“

In einem weiteren Fall explodierte die Bewertung einer Vertriebsfirma für verschreibungspflichtige Medikamente, die von „AwesomePennyStocks“ beworben wurde, um mehr als 700 Millionen Dollar innerhalb von zwei Monaten. Als keine Mitteilungen zur Firma mehr verschickt wurden, kollabierte die Aktie. „Verglichen zu dem, was ich bisher gesehen habe, ist das groß”, sagte Tom Sporkin, der einst für die SEC tätig war. Bloomberg News gewährte ihm Einblick in die Daten. „Das ist der größte Fall, von dem ich gehört habe.”

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Der SEC zufolge hat Babikian im Jahr 2012 Kanada verlassen, nachdem Vorwürfe der Steuerhinterziehung aufkamen. Wo er sich heute befinde, ist nicht bekannt. Babikian besaß einen Bugatti Veyron, der mehr als eine Million Dollar kostet, sowie einen Bentley und einen Lamborghini. Das zeigen Dokumente der kanadischen Steuerbehörden. Ihnen zufolge hat er eine Steuerschuld von 4,6 Millionen Kanada-Dollar.

Zwar ist es legal, Aktien zu bewerben. Die größten Banken an der Wall Street beispielsweise senden jeden Tag Kommentare von Analysten aus mit Ratschlägen dazu, welche Titel gekauft werden sollten oder nicht. Doch das US-Wertpapierrecht verbietet eine Manipulation des Marktes.

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