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26.01.2010

10:50 Uhr

Pessimismus

Querdenker sagen Aktien Talfahrt voraus

VonIngo Narat

Die Mehrheit der Analysten glaubt inzwischen wieder an eine wirtschafltiche Erholung und geht zur Normalität über. Einige Börsianer setzen dagegen auf unpopuläre Ideen. Sie raten, in den Dollar und in Staatsanleihen zu investieren. Aktien und Rohstoffe setzen sie auf die Verkaufsliste.

Das Symbol für den Aufwärtstrend an den Börsen: Der Bulle vor der Frankfurter Börse. dpa

Das Symbol für den Aufwärtstrend an den Börsen: Der Bulle vor der Frankfurter Börse.

FRANKFURT. Für die Mehrheit der Analysten ist die Welt wieder in Ordnung. Sie geht von einer wirtschaftlichen Erholung aus, erwartet steigende Kapitalmarktrenditen, weiter steigende Aktienkurse und Rohstoffpreise. Generell sollen Risikoanlagen auch 2010 gute Erträge bringen.

Gegen diese Mehrheitsmeinung stellen sich einige Analysten, die nicht an die Voraussetzung des optimistischen Szenarios glauben: eine anziehende Weltwirtschaft. Das Handelsblatt sprach mit drei Experten, die für ihre unorthodoxen Ideen bekannt sind. Das Trio rät zum Kauf erstklassiger Staatsanleihen und zum Dollar, setzt Risikoanlagen wie Aktien, Rohstoffe und hoch verzinsliche Anleihen auf die Verkaufslisten.

"Die Mehrheit irrt sich in ihrem Wirtschaftsoptimismus", sagt Gary Shilling, in den USA bekannter Ökonom und Leiter des Analysehauses A. Gary Shilling. "Die Haushalte haben ein Vierteljahrhundert dem Konsum gefrönt, doch das ist vorbei. Jetzt ist Sparen angesagt; die Arbeitslosigkeit komm dazu. Haushalte und der Finanzsektor müssen Schulden abbauen, das wird ein Jahrzehnt dauern."

Ebenso wie Shilling erwart auch David Karsbol, Chefvolkswirt der dänischen Saxobank, eine globale Konjunkturenttäuschung. Auch mit Blick auf den Euro-Raum sagt er: "Die Haushalte müssen noch lange entschulden - unabhängig davon, was Regierungen und Notenbanken tun werden. Inflation erwarte ich keine, eher Deflation."

Bei so einem Ausblick wären wieder "sichere Häfen" gefragt. So prognostiziert Heribert Müller, der im Gegensatz zu Karsbol und Shilling seine Analysen ausschließlich auf massenpsychologische Verhaltensmuster an der Börse und auf die Deutung von Kurskurven aufbaut: "Eine erneut einsetzende Flucht in Staatsanleihen lässt die Rendite der Bundesanleihe unter drei Prozent rutschen. Das wird die große Überraschung sein." Die Analystenmehrheit prognostiziert 3,8 Prozent zum Jahresende.

Gewinner des vergangenen Jahres sollen jetzt verlieren

Karsbol ist noch offensiver als Müller und sagt: "Wir könnten 2,25 Prozent sehen. Es gibt strukturelle Nachfrage nach Anleihen, weil die Investoren weltweit untergewichtet sind. Und ich rechne außerdem mit regulatorischen Änderungen, die den Banken vorschreiben, sicherer anzulegen." Auch Shilling sieht die Sätze bei den zehnjährigen US-Treasuries von aktuell 3,6 Prozent auf unter drei Prozent sacken.

So bullish Shilling für Bonds ist, so skeptisch ist er für Aktien. "Vor zehn Jahren startete ein großer Bärenmarkt. Jetzt können wir auch unter die Tiefpunkte vom März 2009 fallen", sagt er. Das wären beim Dow-Jones-Index und beim Dax Abschläge von 40 Prozent. Müller ist etwas zurückhaltender, auch wenn er in der Langfristanalyse zum gleichen Urteil kommt wie Shilling: "Schon in diesem Jahr sollte der Dax unter 5000 Punkte fallen." Laut dem Saxobank-Experten lohnt eine Baisse-Spekulation mit Bankaktien und Konsumtiteln: "Die Banken in USA und Europa haben noch viele Probleme mit gewerblichen Immobilien, werden weiter abschreiben müssen."

Kommentare (1)

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k.-h.

26.01.2010, 22:48 Uhr

Wenn man in betracht zieht, daß nach einer vielzitierten Regel die Mehrheit stets falsch liegen soll, möchte man auf diese Stimmen hören. Denn unklar ist immer noch, woher das seit langem erhoffte Wachstum kommen soll. Die wenigen Zahlen sind weder belastbar noch manifestieren sie einen anhaltenden Trend. Hingegen versucht man etwa in China vorsichtig die blasen zu bekämpfen, die sich im immobilienmarkt und beim Kreditwachstum zu einer realen Gefahr für das gesamte chinesische System entwickelt haben. Ohnedies wird das Land als Zugpferd für irgendwelche externen ökonomischen Entwicklungen komplett überschätzt. Die Außenwirkung Chinas ist minimal - im Verhältnis zu dem, was benötigt würde.

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