Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.06.2017

16:37 Uhr

Pictet-Halbjahresausblick

„Die Risiken sind eindeutig gestiegen“

VonSusanne Schier

Der Chefstratege von Pictet Asset Management glaubt an eine Fortsetzung des globalen Bullenmarktes - trotz der bevorstehenden Trendwende bei der Geldpolitik. Er rät den Anlegern, in relativen Strategien zu denken.

Kleiner Plastikbulle im Handelssaal der Frankfurter Börse: Der Aufschwung am Aktienmarkt geht weiter, auch wenn Rücksetzer wahrscheinlich sind. Das erwartet Luca Paolini, Chefstratege der Vermögensverwaltung Pictet Asset Management. dpa

Börse in Frankfurt

Kleiner Plastikbulle im Handelssaal der Frankfurter Börse: Der Aufschwung am Aktienmarkt geht weiter, auch wenn Rücksetzer wahrscheinlich sind. Das erwartet Luca Paolini, Chefstratege der Vermögensverwaltung Pictet Asset Management.

Die wirtschaftliche Lage ist besser als vor einem Jahr. Dennoch ist das Aufwärtspotenzial für die Aktienmärkte begrenzt. So lässt sich die Einschätzung von Luca Paolini, Chefstratege der Vermögensverwaltung Pictet Asset Management, kurz zusammenfassen. „Wir werden weiterhin einen Bullenmarkt erleben, aber die Risiken sind eindeutig gestiegen“ betonte er am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Frankfurt.

So erwartet Paolini zwar, dass die globalen Aktienmärkte in den nächsten fünf Jahren um vier Prozent pro Jahr wachsen werden – vor allem weil die Konjunktur weltweit rund läuft. Zwischenzeitlich sieht er aber Korrekturen von zehn Prozent als wahrscheinlich an. Dafür sprechen die baldige Kehrtwende in der Geldpolitik, die vergleichsweise hohen Bewertungen und politische Risiken rund um die Neuwahlen in Italien.

Zuversichtlich stimmt den Anlageprofi, dass wir „erstmals seit langem einen weltweit synchronisierten Konjunkturaufschwung sehen, der vor allem von der Eurozone und den Schwellenländern getragen wird.“ Nach der Präsidentschaftswahl in Frankreich, die der europafreundliche Emmanuel Macron für sich entscheiden konnte, wollen nun viele Anleger in Europa investieren. Für die Eurozone spricht auch, dass die Wirtschaft dort momentan stärker wächst als die der USA.

Anlagestrategie: Mit diesen Schwellenländer-Aktien haben Anleger Kasse gemacht

Anlagestrategie

Mit diesen Schwellenländer-Aktien haben Anleger Kasse gemacht

Südafrika stürzt in die Rezession, China häuft Schulden an und Brasilien untersucht eine mögliche illegale Wahlkampffinanzierung. Ist der Schwellenländer-Boom vorbei? Mit diesem Titeln haben mutige Anleger Kasse gemacht.

Zwar schränkt Paolini ein, dass der Konsum etwas nachlässt. Dafür ziehen aber die Investitionsausgaben an. Positiv sei auch, dass die Unternehmensgewinne in allen Regionen im ersten Quartal sehr stark gestiegen sind. Die Firmen hätten nun Geld, um zu investieren.

Zugleich warnt der Experte, dass viele Investoren derzeit sehr positiv gestimmt sind. „Sie wissen zwar, dass Aktien teuer sind, sehen aber keine Anlagealternativen. Die Schwankungen sind derzeit extrem niedrig, viele Anleger haben keine Absicherungsstrategien aufgebaut.“ Das alles mache einen Rücksetzer in den nächsten drei bis sechs Monaten wahrscheinlich.

Vor allem weil es durchaus Risiken für die Märkte gibt. Diese gehen unter anderem von der Geldpolitik aus: „Wir werden in den nächsten Monaten und Jahren eine Trendwende sehen – nicht nur bei der US-Notenbank Fed, sondern auch bei der Europäischen Zentralbank“, meint Paolini. Schon bald werde die Geldpolitik nicht mehr extrem locker, sondern nur noch locker sein. Erste Anzeichen hierfür könnte es nach der Sitzung des EZB-Rats an diesem Donnerstag geben.

Veröffentlichung der US-Börsenaufsicht: Das runderneuerte Portfolio von Warren Buffett

Veröffentlichung der US-Börsenaufsicht

Das runderneuerte Portfolio von Warren Buffett

Auch in den vergangenen Monaten ging Warren Buffett auf Einkaufstour. Neu dabei: unter anderem Monsanto.

Ökonomen teilen diese Einschätzung: „Zur Jahresmitte 2017 nehmen die Anzeichen für den Beginn eines weltweiten geldpolitischen Normalisierungsprozesses zu“, betont Stefan Bielmeier von der DZ Bank. Die US-Notenbank spiele den Vorreiter: „Sie hat bereits mit leichten Zinserhöhungen begonnen und in den kommenden Monaten wird auch mit mehr Klarheit darüber gerechnet, wie sie sich die Reduzierung der Bilanzsumme vorstellt.“ Und auch aus der EZB sieht er erste Signale kommen, dass die Diskussion um einen Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm bald beginnen könnte.

Laut den Berechnungen von Pictet-Mann Paolini könnten die Aktienmärkte um fünf bis zehn Prozent korrigieren, wenn die globalen Notenbanken im nächsten Jahr anfangen, ihre durch die Anleihekäufe aufgepumpten Bilanzen zu reduzieren.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Edelgard Kah

07.06.2017, 17:26 Uhr

Sehr geehrte Frau Schier,

der berühmte Physiker und Astronom Sir Isaac Newton meinte: "Ich kann zwar die Bahn der Gestirne auf Zentimeter und Sekunde genau berechnen, aber nicht, wohin eine verrückte Menge einen Börsenkurs treiben kann". Newton gestand somit sein Unwissen offen ein.

Das kann man von Herrn Paolini ganz sicher nicht sagen. Im Gegenteil. Seine Ausführungen erwecken den Eindruck, er habe seherische Gaben oder gar göttliche Eingaben. Anders lassen sich seine höchst präzisen Aussagen wohl kaum erklären. Andernfalls könnte er nicht einmal ahnen, dass das KGV amerikanischer Aktien, das derzeit bei 18 liegt, auf einen Wert von 25 steigen kann, aber in den nächsten 5 Jahren wahrscheinlich auf 15 zurückfällt.

Danke Herr Paolini, ich glaube Ihnen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×