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22.01.2015

20:29 Uhr

Pier Carlo Padoan

Italiens Finanzminister begrüßt EZB-Entscheidung

ExklusivDer italienische Finanzminister Pier Carlo Padoan hofft auf eine positive Wirkung des EZB-Anleihekaufprogramms. Deutsche Sorgen, dass nun die Reformbereitschaft in Europa erlahmen könnte, wies er zurück.

Der italienische Finanzminister Pier Carlo Padoan bewertet das EZB-Anleihekaufprogramm positiv. dpa

Der italienische Finanzminister Pier Carlo Padoan bewertet das EZB-Anleihekaufprogramm positiv.

DavosDer italienische Finanzminister Pier Carlo Padoan setzt große Hoffnung auf die geplanten Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB). „Die Notenbank hat zur richtigen Zeit ein sehr wichtiges Signal gesetzt“, sagte Padoan in einem Interview mit dem Handelsblatt (Freitagausgabe).

„Das gilt auch für den Umfang des Kaufprogramms.“ Die Gefahr einer Deflation sei deutlich gewachsen. Das Programm zum Anleihekauf sei die richtige Antwort. „Zudem ist es eine wichtige Strategie, um in Europa endlich mehr Wirtschaftswachstum und mehr Jobs zu schaffen“, sagte Padoan.

Die Sorgen der Bundesregierung, dass nun in Europa die Reformbereitschaft erlahmen könnte, wies der italienische Finanzminister zurück. „Ich würde der Bundeskanzlerin in diesem Punkt höflich widersprechen. Wir haben in Italien Reformen nicht wegen der Risikoprämien am Anleihemarkt beschlossen, sondern weil sie nach drei Jahren Rezession nötig sind.“

Die zentralen Punkte der EZB-Anleihekäufe

Gesamtvolumen

Zunächst etwa 1,14 Billionen Euro

Laufzeit

Ab März bis mindestens Ende September 2016 und bis sich die Inflation nachhaltig angepasst hat an eine Rate von knapp 2,0 Prozent.

Was wird gekauft

unter anderem Staatsanleihen mit Investmentgrad (diese sind von mindestens guter Kreditwürdigkeit) mit einer Laufzeit von 2 bis 30 Jahren, Anleihen von EU-Institutionen und Unternehmensanleihen

Aufteilung der Käufe

Die Aufteilung der Anleihekäufe auf die einzelnen Euroländer richtet sich nach dem Landesanteil am EZB-Kapital (Bevölkerungsanzahl und Wirtschaftsleistung). Deswegen werden vor allem deutsche Bundesanleihen gekauft, gefolgt von französischen und italienischen Papieren.

Risikohaftung

Nur 20 Prozent der Anleihekäufe unterliegen einer gemeinsamen Risikohaftung. Dazu zählen die Anleihen von EU-Institutionen, auf die 12 Prozent der Käufe entfallen sollen.

Der Reformdruck komme von innen durch das niedrige Wachstum und die hohe Arbeitslosigkeit und nicht von außen. Auch die traditionellen Inflationsängste vieler Deutscher hält Padoan derzeit für unbegründet. „Bei allem Verständnis für die Sorgen in Deutschland: Momentan ist die Gefahr der Deflation ein weitaus größeres Problem.“

Die bevorstehende Wahl in Griechenland bereitet Padoan keine Sorgen. Er glaube nicht, dass sie eine neue Krise auslösen werde. „Egal welche Partei am Sonntag siegen wird, die Politiker werden sehr schnell feststellen, dass es weitaus besser ist innerhalb der Eurozone zu bleiben, als ein Ausscheiden zu riskieren“, sagte der Italiener. Ein Schuldenerlass für Griechenland kommt nach den Worten Padoans nicht infrage. Es gehe jetzt darum, dass Griechenland die vereinbarten Reformen weiter umsetze.

Auch EU-Währungskommissar Pierre Moscovici hat das Programm der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Kauf von Staatsanleihen begrüßt. „Ich glaube, dass Herr Draghi im Interesse der Eurozone insgesamt gehandelt hat“, sagte Moscovici dem Handelsblatt (Freitagausgabe).

Es handle sich um ein wichtiges Programm, das der „niedrigen Inflation“ und dem „schwachen Wachstum“ in der Währungsunion Rechnung trage. Es gebe Risiken durch eine Deflation. „Sie ist noch nicht da, aber es ist besser, sie zu verhindern“, sagte Moscovici.

Strukturreformen in den Staaten blieben weiterhin „absolut notwendig“, betonte der EU-Währungskommissar. Dafür gebe es trotz des EZB-Programms auch weiterhin Anreize. Dazu gehöre die flexible Auslegung der EU-Defizitgrenzen, wenn sich ein Staat zu Reformen verpflichte.

Von

jhi

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

22.01.2015, 20:36 Uhr

Italiens Finanzminister begrüßt EZB-Entscheidung

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Warum sollte Italien die falsche Entscheidung der EZB nicht begrüßen ?

Italien kann jetzt Finanzlöcher stopfen ohne Ende.

Vor allem Italiens banken werden sehr viel Geld

kassieren können für sich !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!





Herr Rene Weiß

22.01.2015, 20:42 Uhr

Wer trägt das Risiko, wenn am Wochenende die Griechen die Kommunisten gewinnen und einen Schuldenschnitt wollen/ihr Schulden nicht bedienen, die ja die EZB gekauft haben wird? Am Ende doch der dt. Steuerzahler in Relation seines Kapitalanteils an der EZB,oder? Das gleiche gilt doch für Italien...

Account gelöscht!

22.01.2015, 21:19 Uhr

Ich würde es auch sehr begrüßen, wenn wer meine Verbindlichkeiten problemlos übernehmen würde. Ich würde auch nicht fragen, wer die Verbindlichkeiten letztendlich zahlen muß.

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