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17.06.2014

14:29 Uhr

Pimco

Wie Anleger von der Krise profitieren können

In der Finanzkrise verloren die großen Banken mehr als zwei Billionen Dollar und zogen sich aus dem Anleihemarkt zurück. Dieses Vakuum können Anleger für sich nutzen, rät der derzeit beste US-Fondsmanager für Anleihen.

Dunkle Wolken über den Hochhäusern der Banken in Frankfurt am Main. „Die Verfassung der europäischen Banken ist gut für Anleger.“ dpa

Dunkle Wolken über den Hochhäusern der Banken in Frankfurt am Main. „Die Verfassung der europäischen Banken ist gut für Anleger.“

New YorkAnleger haben noch immer die Möglichkeit von der Finanzkrise des Jahres 2008 zu profitieren, sagt Dan Ivascyn. Er ist ein erfolgreicher Anleihemanager der Allianz-SE-Tochter Pacific Investment Management Co. (Pimco) und hat mit seinem Fonds in diesem Jahr 98 Prozent der Konkurrenz hinter sich gelassen.

Kapital schlagen lasse sich aus der „anhaltenden und beträchtlichen Verschiebung“ bei Anleihen, die mit Vermögenswerten unterlegt sind und vor dem Zusammenbruch der Märkte begeben wurden, erklärte Ivascyn. Sein Artikel erschien am Montag in der firmeneigenen Veröffentlichung Secular Outlook Series. Der Anleiheexperte ist einer der sechs Vize-Investmentchefs von Pimco.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Auch neue Vorschriften und „schlechte Erfahrungen“, die Finanzinstitute wie zum Beispiel die großen Wall-Street-Banken einschränkten, bergen seiner Einschätzung nach Gelegenheiten.

Diese Firmen hätten früher „viel Kapital eingesetzt, um Fehlbewertungen am Markt und lokalisierte Marktvolatilität durch Arbitrage zu entfernen“, erklärte Ivascyn, der von Morningstar im vergangenen Jahr zum besten US-Fondsmanager für Anleihen gekürt wurde. „Diese Preisverschiebungen bleiben nun tendenziell länger bestehen als zuvor.”

Die größten Anleihehändler haben ihre Geschäfte eingeschränkt, nachdem die Verluste bei den größten Finanzhäusern der Welt während der Krise 2 Billionen Dollar überschritten hatten. Dies hatte neue Vorschriften wie höhere Kapitalanforderungen zur Folge und führte in den USA zu der so genannten Volcker-Regel, die den Eigenhandel der Banken begrenzt.

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