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04.04.2014

10:31 Uhr

Plädoyer für die Aktie

Das Märchen vom Volk der Aktienmuffel

VonJessica Schwarzer

Die Zinsen im Keller, der Dax im Höhenrausch – doch die Deutschen meiden die Aktien. Da helfen auch die besten Argumente nichts. Warum das so ist und wie deutsche Sparer doch noch zu Aktionären werden könnten.

Die freie Wahl: Sparer sollten Ihr Vermögen auf mehrere Anlageklassen verteilen. Aktien sollten dabei sein. Getty Images

Die freie Wahl: Sparer sollten Ihr Vermögen auf mehrere Anlageklassen verteilen. Aktien sollten dabei sein.

Es war einmal ein Volk, das entdeckte die Aktie. Es war in den 1990er-Jahren, als in Deutschland das zarte Pflänzchen Aktienkultur zu sprießen begann. In Zeiten des Neuen Marktes lockten märchenhafte Gewinne die Bundesbürger auf das Börsenparkett. Vor allem der Börsengang der Deutschen Telekom, medienwirksam beworben von Schauspieler Manfred Krug, machte viele Deutsche erstmals zu Aktionären.

Doch es war auch die T-Aktie, die vielen Anlegern gründlich die Laune verdarb. Aber der Reihe nach: Es sollte die neue, große Volksaktie werden. „Telekom. Die machen das“, so pries Krug 1996 die T-Aktie zur besten Sendezeit an. Kein Wohnzimmer war vor dem TV-Kommissar sicher. Die Kampagne mit dem Fernsehliebling verfehlte ihre Wirkung nicht.

Verhalten und Präferenzen deutscher Aktionäre

Entwicklung der Zahl der direkten Aktionäre in Deutschland

2013: 4.855 Millionen

2012: 4.534 Millionen

2011: 3.891 Millionen

Quelle: Deutsche Post DHL/Deutsches Aktieninstitut

Anlageziele der Aktionäre

Welche Bedeutung haben Anlageziele bei Aktionären?

Für 81 Prozent hat der langfristige Vermögensaufbau eine hohe Bedeutung.

67 Prozent stellen den Schutz vor Inflation in den Vordergrund.

Bei der Frage, welche Bedeutung das regelmäßige Einkommen aus Dividenden und Verkauf haben, gaben 44 Prozent an, dass es für sie sehr wichtig sei.

Lediglich 12 Prozent setzen ihre Priorität auf kurzfristige Gewinne.

Anteil des in Aktien investierten Vermögens

Wie viel Prozent des Vermögens legen Investoren in Aktien an (Durchschnittswert)?

2013: 26,8 Prozent

2008: 25,2 Prozent

2004: 23,9 Prozent

Bedeutung von Dividende und Aktienrückkauf

Wie beurteilen Anleger die Ausschüttungen durch Aktienrückkäufe im Verhältnis zu Dividendenzahlungen?

Gleich: 37 Prozent

Eher schlechter: 34 Prozent

Eher besser: 20 Prozent

Viel schlechter: sechs Prozent

Viel besser: drei Prozent

Bedeutung von Dividende und Kurssteigerungen

Würde die Rendite sich aus Kurssteigerungen und Dividendenzahlungen zusammensetzen, dann würden...

... 43 Prozent eine mittlere Dividende und mittlere Kurssteigerung bevorzugen;

... 33 Prozent eine hohe Dividende und eine geringe Kurssteigerung wählen;

... 13 Prozent eine geringe Dividende und eine hohe Kurssteigerung sich aussuchen.

Orientierung an fundamentalen bzw. technischen Daten

Woran orientieren sich Anleger beim Ankauf oder Verkauf von Aktien?

Sowohl an der wirtschaftlichen Entwicklung als auch an der Kursentwicklung: 60 Prozent

Eher an der Kursentwicklung: 16 Prozent

Eher an der wirtschaftlichen Tätigkeit: 14 Prozent

Ich treffe meine Entscheidungen nicht selbst, vertraue jemand anderem. Acht Prozent

Vertrauenswürdigkeit von Informationsquellen für Privatanleger

Anteil der Anleger, die auf Zeitungen, Zeitschriften und Wirtschaftssendungen vertrauen.

2013: 69 Prozent

2008: 65 Prozent

2004: 65 Prozent

Anteil der Anleger, die Beratern der Bank, Sparkasse oder Broker Vertrauen schenken.

2013: 39 Prozent

2008: 49 Prozent

200446 Prozent

Die Aktie verkaufte sich im November 1996 bestens, gleich mehrfach überzeichnet war die Emission. Anleger bekamen nur einen Bruchteil der Papiere, die sie eigentlich geordert hatten. Der Erfolg ließ den Kurs der Aktien in die Höhe schießen. Auch die zweite und dritte Tranche im Juni 1999 sowie rund zwölf Monate später verkauften sich schneller als so mancher Festnetz- oder Handyvertrag.

Es war der Höhepunkt der Deutschen Aktienkultur. Immerhin 12,8 Millionen Aktionäre und Besitzer von Aktienfonds zählte das Deutsche Aktieninstitut (DAI) im Jahr 2001. Zum Vergleich: Heute sind es nur noch magere 8,9 Millionen Menschen. Und Jahr für Jahr werden es weniger.

Vielen hat die T-Aktie gehörig die Laune verdorben. Die Geschichte ihres langen Absturzes wurde schon oft erzählt. Noch heute dümpelt das Papier unter seinem Ausgabepreis von 1996. Lange haben die Aktionäre sich mit den teils üppigen Dividendenzahlungen getröstet, doch auch diese Zeiten sind vorbei. Manfred Krug bekannte später, er bedauere zutiefst, dass er für eine Aktie geworben habe, die zahllosen Privatanlegern hohe Verluste eingebracht habe. Ein schwacher Trost für diejenigen, die das Papier teuer gekauft hatten.

Für die deutsche Aktienkultur war die T-Aktie ein herber Rückschlag: Die frustrierten Aktionäre kehrten der Börse den Rücken. Seit 2001 haben sich laut DAI rund 3,9 Millionen Menschen von den Aktienmärkten verabschiedet. Das ist fast jeder Dritte ehemalige Aktionär oder Aktienfondsbesitzer.

Kommentare (24)

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Account gelöscht!

04.04.2014, 10:53 Uhr

Sie schreiben ja selber "der Dax im Höhenrausch"!!! Man kauft IMMER, was gemieden wird und VERKAUFT, was im Höhenrausch ist. So und nicht anders läuft es. Aber das wissen die institutionellen Anleger natürlich, weshalb jetzt versucht wird, die Hausfrauen in Aktien zu treiben.

Die Hausfrauen sollen schliesslich bei 10000 kaufen, damit sie bei 5000 wieder verkaufen - und so die Fondsmanager wieder günstig einsteigen können.

Account gelöscht!

04.04.2014, 10:54 Uhr

"Schwankungen. Die setzen sie sogar mit Risiko gleich."

Schwankung = Volatilität = Standardabweichung = Risiko

So lehrt es uns die Ökonomie nun mal

Account gelöscht!

04.04.2014, 11:05 Uhr

Richtig. Kleinaktionäre sind nur Melkkühe. Eine Minderheit macht damit Gewinne (eher zufällig), während die Meisten draufzahlen. Schließlich finanzieren sich AGs dadurch. Sie dürfen ja auch eigene Aktien kaufen und verkaufen. Ein Schelm der Böses dabei denkt.

Die Großaktionäre sind über lange Perioden drin und an Dividenden interessiert, die prozentual an deren Einkaufskurse (oder Gründungskapital) doch sehr gut aussehen.




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