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22.06.2012

11:51 Uhr

Plan B

So schützen Sie Ihr Geld vor dem Euro-Kollaps

VonJörg Hackhausen, Christian Panster

Die Großinvestoren bereiten sich schon auf ein Auseinanderbrechen der Währungsunion vor. Aber was macht der kleine Sparer? Wir zeigen, wie Sie einen Absturz des Euros möglichst unbeschadet überstehen.

Kernschmelze: Der Euro droht zur Weichwährung zu werden. dpa

Kernschmelze: Der Euro droht zur Weichwährung zu werden.

DüsseldorfDie Staatsschuldenkrise in Europa hat ein bedrohliches Ausmaß erreicht. Vor wenigen Monaten wagte kaum einer zu denken, was inzwischen immer wieder zu hören ist: Selbst ein Kollaps des Euros scheint nicht mehr ausgeschlossen. Viele Deutsche fragen sich in diesen Tagen: Was wird aus dem Euro? Wie sicher ist mein Geld?

Noch beteuern Politiker und Notenbanker,  dass sie alles tun werden, um den Euro zu erhalten. Aber kann man sich darauf verlassen? Es ist noch nicht lange her, da hieß es, eine Pleite Griechenlands komme niemals infrage. Was anschließend geschah, zeigt, wie schnell solche Bekenntnisse von der Realität überholt werden.

„Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist ein sehr wahrscheinliches Szenario“, sagt der Chef-Anlagestratege der Vermögensverwaltung DB Advisors, Georg Schuh, auf einer Konferenz in Frankfurt. Seine Abteilung verwaltet für institutionelle Kunden weltweit rund 175 Milliarden Euro. Schuh vermisst überzeugende Antworten der Politik in der Schuldenkrise. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe zwar „noch ein paar Schüsse“ an Notmaßnahmen frei, betonte Schuh. Doch dieses Durchwursteln überzeuge die Investoren nicht mehr. „Ich glaube, wir sind jetzt in der Endspiel-Phase.“

Es geht längst nicht mehr allein um Griechenland. Auch Spanien und Italien können sich kaum noch aus eigener Kraft von den Schulden befreien. Selbst Deutschland könnte in die Krise mit hineingezogen werden. Schließlich garantiert die Bundesrepublik rund 280 Milliarden Euro für die Rettungsschirme EFSF und ESM. Hinzu kommen weitere Rettungsprogramme für Staaten und Banken.

So viel kostet Europa

Rettungsfonds EFSM

Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

Geplanter ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Nach dem Motto „Das Beste hoffen, aber auf das Schlimmste vorbereiten“ treffen die großen Investoren und  Vermögensverwalter bereits Vorkehrungen. So werkelt zum Beispiel die Vermögensverwaltungstochter der Münchener Rück, die Meag, an Strategien, um einen Euro-Crash möglichst unbeschadet zu überstehen. Reiner Back, Finanzmarktexperte der Meag, glaubt zwar, dass der Euro erhalten bleibt. In vielen Gesprächen mit Kunden in den vergangenen Wochen habe er aber feststellen müssen: „Da bin ich in einer Außenseiterposition.“

Während sich die Großen vorbereiten, wissen viele Kleinanleger nicht, wie sie ihr Geld in Sicherheit bringen können. Doch auch hier gibt es Möglichkeiten; entweder indem der Sparer etwas Geld in andere Währungen und Edelmetalle anlegt – das ist der konservative Weg –, oder durch gezielte Wetten gegen den Euro – das ist die spekulative Variante.

Kommentare (77)

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Account gelöscht!

22.06.2012, 12:07 Uhr

1.) Auf keinen Fall in etwas Geld stecken, das auch nur annähernd nach Papier aussieht. Dieses Geld wie wir es besitzen ist nichts weiter als ein Wertversprechen, hat aber mit realen erhaltbaren Werten nichts zu tun.

2.) Schweizer Franken? Ich will nur mal daran erinnern dass die Schweiz ihren Franken angleichen musste bzw. abwerten musste gegenüber dem Euro weil sonst die Wirtschaft spinnt....so und WIE hat die Schweiz das gemacht? ;) und was passiert wenn der Euro verreckt? ;) mal nachdenken....

Mir kann einer sagen was er will...die letzten Währungsreformen in D haben ganz klar gezeigt wo der HAmmer hängt wenn es ernst wird. Für mich kommt da nur Gold & Silber in Frage und zwar in physischer Form denn alles andere sind Versprechen die man einfach so auflösen kann.

Account gelöscht!

22.06.2012, 12:10 Uhr

Für Abgeordnetenwatch:

Sehr geehrter Herr/Frau X,

Der ESM-Vertrag gleicht einer Art "Ermächtigungsgesetz":

Art. 8, Abs. 1 Das genehmigte Stammkapital beträgt 700 Milliarden EUR.
Art. 10, Abs. 1 [...] Der Gouverneursrat kann beschließen, das genehmigte Stammkapital zu verändern und Artikel 8 [...] entsprechend zu ändern.

Das Stammkapital (und damit Deutschlands Anteil) kann nach belieben (!) erhöht werden.

Art. 32 Abs. 3 Der ESM, sein Eigentum, seine Mittelausstattung und seine Vermögenswerte genießen unabhängig davon, wo und in wessen Besitz sie sich befinden, Immunität von gerichtlichen Verfahren jeder Art [...]
Art. 32 Abs. 4 Das Eigentum, die Mittelausstattung und die Vermögenswerte des ESM genießen [...] Immunität von Durchsuchung, Beschlagnahme, Einziehung, Enteignung und jeder sonstigen Form des Zugriffs durch vollziehende, gerichtliche, administrative oder gesetzgeberische Maßnahmen.
Art. 35 Abs. 1 Im Interesse des ESM genießen der Vorsitzende des Gouverneursrats, die Mitglieder des Gouverneursrats, die stellvertretenden Mitglieder des Gouverneursrats, die Mitglieder des Direktoriums, die stellvertretenden Mitglieder des Direktoriums sowie der Geschäftsführende Direktor und die anderen Bediensteten des ESM Immunität von der Gerichtsbarkeit hinsichtlich ihrer in amtlicher Eigenschaft vorgenommenen Handlungen und Unverletzlichkeit hinsichtlich ihrer amtlichen Schriftstücke und Unterlagen.

Der ESM und seine Mitarbeiter befinden sich in einem rechtsfreien Raum!!!

Der ESM erhält beliebig viel Geld. Was mit dem Geld geschieht, unterliegt keiner Kontrolle. Gerichtsbarkeit und demokratische Legitimation sind nicht vorhanden. Mit dem ESM-Vertrag wird ein "Ermächtigungsgesetz" installiert. Werden Sie dem ESM-Vertrag am 29. Juni zustimmen? Können Sie den Wählern und Wählerinnen verdeutlichen, warum sie in den Artikeln und dem ESM insgesamt keine Probleme sehen?

Mit freundlichen Grüßen
X

donolli

22.06.2012, 12:13 Uhr

Liebe Redaktion,
sie schreiben immer nur von Garantiesummen, für die wir im Fall der Fälle gerade stehen müssen. Bitte auch Target2 berücksichtigen und das immense Volumen an Staatsanleihen und wachsende Bankenanleihen (siehe Spanien)die bei der EZB eingebucht sind und für das wir im Fall der Fälle auch quotal haften müßten, korrekter weise dazurechnen! Dann müßten Sie mindestens eine "0" dazustellen!

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