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05.11.2012

15:10 Uhr

Portfolio Footprint

Anleger erhalten Einblick in den „Fußabdruck“ ihrer Geldanlagen

VonSusanne Bergius

Welche realwirtschaftlichen, sozialen und ökologischen „Fußabdrücke“ hinterlässt das eigene Portfolio? Eine Schweizer Bank versucht mit einer neuen Methode, auf diesem Gebiet mehr Transparenz zu schaffen.

Die Schweizer Bank Globalance ist ein Vorreiter angesichts der jungen internationalen Debatte darüber, wie man Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte in kompletten Portfolios beachten kann. obs

Die Schweizer Bank Globalance ist ein Vorreiter angesichts der jungen internationalen Debatte darüber, wie man Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte in kompletten Portfolios beachten kann.

BerlinBanken schaden der Realwirtschaft, statt ihr zu nutzen, lautet seit der Finanzkrise die Kritik an der Branche. Doch einige Akteure haben aus der Krise gelernt. Die junge Schweizer Globalance Bank beurteilt  jetzt in den Rendite-Risiko-Analysen routinemäßig für alle Kunden auch die Wirkungen von Vermögensanlagen auf die reale Welt. Die Züricher haben als erstes Institut weltweit eine Methode entwickelt, mit der Anleger einen Indikator erhalten für reale positive und negative Effekte ihres gesamten Portfolios über alle Anlageklassen hinweg.

„Der Portfolio Footprint ist ein Instrument, um Finanzdaten und relevante Nachhaltigkeitsaspekte zu verbinden“, sagte CEO Reto Ringger dem Handelsblatt. Damit ist Globalance ein Vorreiter angesichts der jungen internationalen Debatte darüber, wie man Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte (kurz ESG) in kompletten Portfolios beachten kann. Fortschrittliche konventionelle Finanzinstitute integrieren im besten Fall ESG-Bewertungen in die Analyse von Einzeltiteln oder wie die französische Amundi von Fonds. Ein Nachhaltigkeitscheck für Portfolios bieten nur sehr wenige Akteure und nur auf Anfrage mit Zusatzkosten.

Die Schweizer Analysten hingegen machen unter anderem auf Basis von Daten des MSCI ESG Researchs eine „Footprint-Bewertung“ des gesamten Portfolios, um Kunden ein Gefühl dafür zu geben, was dort enthalten ist. Die Methode berechnet allerdings nicht den tatsächlichen „öko-sozialen Fußabdruck“, der sich in absolutem Flächenverbrauch eines Unternehmens und seiner Zulieferer misst oder an der geschaffenen Zahl neuer Arbeitsplätze. Eine so greifbare Berechnung ist für die meisten Anlageklassen nicht möglich.

Trotzdem ist der Ansatz aussagekräftig: Er sorgt für höhere Transparenz und kann Anlegern helfen, potenzielle Risiken im Portfolio zu erkennen, zu verringern und Chancen besser zu integrieren. Das Team sondierte neun Kriterien als Messlatten für Wohlstand, gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit und den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen. Hierbei geht es nicht primär um für Unternehmen materiell wichtige Aspekte, die andere Vermögensverwalter oft hervor heben, sondern um gesellschaftliche Prioritäten.

Kriterien sind etwa der Beitrag zu Infrastruktur und Arbeitsmarkt, zu Ernährung, Gesundheit und Bildung oder zum Schutz von Biodiversität, Klima, Ressourcen und Wasser. Je nach Herausforderungen einer Branche erhalten die Kriterien eine sehr unterschiedliche Gewichtung: „Besteht ein negativer Footprint, kann man den nicht wegdiskutieren“, begründet der Ökonom Ringger. Die Analysen fällen ein Gesamturteil anhand einer siebenstufigen Skala, die von „sehr stark nachteilig“ bis „sehr stark positiv“ reicht.

Kommentare (1)

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Petkue

16.08.2013, 18:23 Uhr

Der Fußabdruck der Schweizer Globalance Bank ist schon nicht schlecht. Eine etwas einfachere Lösung für die Nachhaltigkeitsbeurteilung von Geldanlagen haben jetzt 24 Bank-Azubis aus Nürnberg ins Netz gestellt. Die Website enthält
•eine klare Zielvorgabe für die Nachhaltigkeit von Geldanlagen
•einen genauen Kriterienkatalog
•ein leicht verständliches Bewertungssystem
•einen Würfel zur Visualisierung der Nachhaltigkeitseinstufung
•Musterbeurteilungen konkreter Geldanlagen
•sowie eine Anleitung für eigene Nachhaltigkeitsbeurteilungen mit Word- und PowerPointvorlage zum Download.

Mit diesem Instrumentarium kann jeder interessierte Geldanleger „Nachhaltigkeits-Steckbriefe“ zu beliebigen Geldanlagen erstellen, ob vermeintlich nachhaltig oder nicht.

Solche „Nachhaltigkeits-Checks“ wurden mit mehreren Schulklassen und sogar einer Seniorengruppe mit Erfolg durchgeführt. Die Überprüfungen reichten von Aktien bis zu Waldfonds (Ergebnisse vgl. unter "gecheckt").

Das Verfahren ist natürlich kein Allheilmittel, erlaubt aber erste Nachhaltigkeitsbeurteilungen „für den Hausgebrauch“, die zumindest einfacher und verständlicher sind als die komplizierten Analysen vieler Ratingagenturen.

URL: http://projekt-nachhaltige-geldanlagen.jimdo.com/

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