Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.09.2011

15:49 Uhr

Porträt Jürgen Stark

Ein Mann der klaren Worte

VonMarietta Kurm-Engels

Ob seine Meinung populär ist oder nicht, ist für Jürgen Stark immer zweitrangig gewesen. Ihm ging es um die Sache und das war die Geldwertstabilität. Jetzt gibt er auf.

Jürgen Stark gilt als Mann deutlicher Worte.

Jürgen Stark gilt als Mann deutlicher Worte.

DüsseldorfJürgen Stark ist ein Überzeugungstäter. Wenn er mit etwas nicht einverstanden ist, kann er nicht anders, als sich mit seiner persönlichen Meinung zu Wort zu melden. So wie damals, als er mit den ganzen Rettungspaketen für die Euro-Staaten nicht einverstanden war. Zur Sicherung des Finanzsystems werde ein Riesenrettungsschirm aufgespannt, „der zu neuen Ungleichgewichten über weltweit höhere Inflation oder zu zusätzlichen steuerlichen Belastungen führen kann“, schrieb er damals in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. Das Finanzsystem gegen alle Risiken zu sichern sei nicht nur illusorisch, es widerspreche auch seiner grundlegenden Funktionsweise.

Bei der EZB hat Stark bislang ausgezeichnete Arbeit geleistet – obwohl das nicht von Anfang an leicht war. Als er 2006 in den Frankfurter Eurotower wechselte, musste er die Fußstapfen seines Vorgängers Otmar Issing füllen, des ersten Chefvolkswirts der EZB. Aber Stark hat sich sehr schnell den Respekt der Öffentlichkeit und der Medien verdient. Bald wurde er allenthalben als „Chefvolkswirt“ der obersten europäischen Währungsbehörde akzeptiert.

Stark galt von jeher als Vertreter einer strikten Geldpolitik. Aber er war auch der Institution, für die er arbeitete, verpflichtet. Das hat er Anfang Mai vorigen Jahres klar unter Beweis gestellt. Damals entschied der EZB-Rat nach heftigen Diskussionen gegen den Willen von Stark und Bundesbank-Chef Axel Weber, Staatsanleihen am Sekundärmarkt zu kaufen, um die Übertragung der zinspolitischen Impulse am Geldmarkt zu stützen. Während Weber nach dem Beschluss an die Öffentlichkeit trat und klarmachte, dass er den Anleihekauf ablehne, hörte man von Stark kein Wort. Er betrachtete den Beschluss des Rates als von ihm mitgetragen und kritisierte ihn nicht mehr. Jetzt kann er das offenbar nicht mehr länger tun.

Zum ersten Mal von sich reden gemacht hat Stark 1995 als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Als persönlicher Beauftragter des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl bereitete er die Weltwirtschaftsgipfel vor. Beobachter lobten schon damals sein exzellentes Wissen, seinen nüchternen analytischen Verstand, seine preußische Arbeitshaltung und Hartnäckigkeit in Verhandlungen, sagten ihm gelegentlich aber „Schwierigkeiten mit der Gratwanderung zwischen Parlament und Exekutive“ nach.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×