Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2017

12:26 Uhr

Preise in der Euro-Zone

Höhere Inflation setzt Draghi unter Druck

VonJan Mallien

EZB-Präsident Mario Draghi kommt seinem Inflationsziel von etwa zwei Prozent sehr nahe. Das liegt vor allem am höheren Ölpreis. Dennoch steigt der Druck auf die EZB, ihre Anleihekäufe schnell zu beenden.

Die höhere Inflation macht die Debatte im Rat der EZB nicht leichter. AFP; Files; Francois Guillot

Mario Draghi

Die höhere Inflation macht die Debatte im Rat der EZB nicht leichter.

FrankfurtEigentlich müsste sich Mario Draghi über die heutigen Inflationszahlen vom Europäischen Statistikamt freuen. Um 1,8 Prozent sind demnach die Preise im Währungsraum gestiegen. Das entspricht ziemlich genau dem von der Europäischen Zentralbank angestrebten Wert von „unter, aber nahe zwei Prozent.“

Von Reuters befragte Volkswirte hatten lediglich 1,6 Prozent erwartet, nachdem im Dezember die Teuerungsrate bei 1,1 Prozent gelegen hatte. Gerade weil das EZB-Preisziel zum Greifen nahe scheint, werden Stimmen lauter, die sich für ein baldiges Auslaufen der milliardenschweren Anleihekäufe der EZB aussprechen.

Inflation in Deutschland: Kein Grund zur Panik

Inflation in Deutschland

Premium Kein Grund zur Panik

Die Inflation in Deutschland ist so hoch wie seit Juli 2013 nicht mehr. Dass die Preise wieder stärker steigen, ist eine gute Nachricht. Es ist die Voraussetzung für eine Normalisierung der Wirtschaft. Ein Kommentar.

Im Dezember hatte die EZB die Käufe noch einmal um neun Monate bis Ende 2017 verlängert. Allerdings soll das monatliche Kaufvolumen ab April von 80 auf 60 Milliarden Euro sinken. Kritikern des Programms wie Bundesbankchef Jens Weidmann geht das nicht weit genug. Sie verweisen auf die anziehende Inflation und fordern einen schnelleren Ausstieg.

Die EZB dagegen führt die derzeit steigende Inflation vor allem auf den höheren Ölpreis zurück - und hält diesen Effekt für temporär. Sie will abwarten, ob sich der Aufwärtstrend stabilisiert. Zu Jahresbeginn 2016 war der Ölpreis unter 30 Dollar pro Barrel gerutscht - inzwischen notiert er bei rund 55 Dollar. Da der Ölpreis Anfang 2016 so niedrig war, steigen die Preise im Vergleich nun stärker. Die um besonders schwankungsanfällige Güter wie Tabak, Lebensmittel und Energie bereinigte Inflation, die so genannte Kernrate, betrug lediglich 0,9 Prozent.

Tatsächlich waren die Energiepreise der Haupttreiber für die Inflation im Euro-Raum. Sie stiegen kräftig um 8,1 Prozent. Das Opec-Kartell und andere Förderländer hatten sich auf eine Produktionskürzung geeinigt, wodurch der Rohölpreis anzog. Unverarbeitete Lebensmittel verteuerten sich um 3,3 Prozent, Dienstleistungen um 1,2 Prozent.

Markant an der Entwicklung sind die Unterschiede im Euro-Raum. Während im Dezember vor allem in Deutschland die Inflation anstieg, war jetzt Spanien Spitzenreiter. In der viertgrößten Volkswirtschaft des Währungsraumes stiegen die Preise im Januar um drei Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. In Frankreich lag das Plus immerhin bei 1,6 Prozent und in Deutschland bei 1,9 Prozent.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Lothar dM

31.01.2017, 12:47 Uhr

Deutschlands Einfluss im EZB Gremium ist so groß wie das Zyperns, noch Fragen. Der EUR und seine Institutionen sind eine einzige Fehlkonstruktion, die zum Missbrauch des Währungsverbunds geradezu einlädt. Moral Hazard nennt man das in der Wissenschaft, leider versteht so etwas die Masse nicht und freut sich weiter darüber, dass sie im Urlaub kein Geld wechseln muss, dafür aber seit EUR-Einführung schon massiv enteignet wurde und weiter wird.

Frau Lana Ebsel

31.01.2017, 12:48 Uhr

Das Grinsen im Gesicht auf dem Artikel-Foto sagt mehr als tausend Worte.

Herr Hans-Jörg Griesinger

31.01.2017, 13:05 Uhr

Es werden doch hinter den EU-Kulissen schon die EUROBONDS zur Vergemeinschaftung der Schuldenhaftung vorbereitet.
Draghi und Kumpane werden ALLES tun, um den EURO am Leben zu erhalten.
Was der EURO als Zahlungsmittel zukünftig dann noch wert ist, scheint die Damen und Herren einen feuchten Dreck zu interessieren.
Ich kann jedem nur raten, sein Papiergeld in Sachwerte umzuschichten, denn das Papiergeld, voir allem der EURO wird immer weniger wert sein. Was bringen Lohnerhöhungen, wenn diese sofort wieder durch massiver Preissteigerungen und höhere Abgabenlasten vernichtet werden? Aktuell habe ich durch massive Strompreis- und Internetkostenerhöhung und den Preisanstieg bei den Lebenshaltungskosten trotz einer Lohnerhöhung netto weniger in der Tasche!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×