Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.05.2017

15:02 Uhr

Preissteigerung

Inflation in Deutschland fällt auf 1,5 Prozent

Die Verbraucherpreise in Deutschland sind auf den niedrigsten Wert seit November 2016 gefallen. Mit der sinkenden Inflation sinkt der Druck auf die EZB, rasch aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik auszusteigen.

Die Preisentwicklung ist eine der wichtigsten Kenngrößen für die Geld- und Wirtschaftspolitik. dpa

Geld in der Kasse

Die Preisentwicklung ist eine der wichtigsten Kenngrößen für die Geld- und Wirtschaftspolitik.

Wiesbaden Die deutsche Inflationsrate ist im Mai auf den niedrigsten Stand seit einem halben Jahr gefallen. Langsamer steigende Energiepreise drückten sie auf 1,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Im April hatte die Teuerungsrate noch bei 2,0 Prozent gelegen. Von Reuters befragte Ökonomen hatten diesmal mit 1,6 Prozent gerechnet. Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen. „Sorgen über zu starke Preissteigerungen sind also nicht angebracht“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

Hauptgrund für die nachlassende Inflation ist die Entwicklung bei Energie: Sie kostete 2,0 Prozent mehr als im Mai 2016. In den beiden Vormonaten gab es hier jeweils noch ein Plus von 5,1 Prozent. Auch bei Dienstleistungen ließ der Preisdruck nach, weil nach den Osterferien das Reisen wieder billiger wurde. Gegen den Trend verteuerten sich Nahrungsmittel: Sie kosteten 2,4 Prozent mehr als vor einem Jahr, nach einem Plus von 1,8 Prozent im Vormonat.

Zentralbanken und Negativzinsen

Japan

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,1 Prozent

Schweiz

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,75 Prozent (15.01.2016)

Einlagenzinssatz für Banken: gestaffelt -0,75 Prozent

Dänemark

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,05 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,65 Prozent

Schweden

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,5 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,5 Prozent

Euro-Zone

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,4 Prozent

Experten rechnen damit, dass sich die Teuerungsrate in den kommenden Monaten in etwa auf dem aktuellen Niveau halten wird. „Wir rechnen mit einer Seitwärtsbewegung“, sagte Commerzbank-Experte Ralph Solveen. Das ließe Raum für eine steigende Kaufkraft: Die Verdienste der rund 17 Millionen Beschäftigten in Deutschland mit einem Tarifvertrag legten im ersten Quartal um durchschnittlich 2,8 Prozent zu und damit deutlich stärker als die Verbraucherpreise.

Mit der geringeren Inflation in der größten Volkswirtschaft Europas sinkt der Druck auf die EZB, rasch aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik auszusteigen. Ihr Chef Mario Draghi sagte zu Wochenbeginn, dass ein

„außergewöhnliches Ausmaß an geldpolitischer Unterstützung“ immer noch nötig sei.

„Die EZB dürfte sich darin bestätigt sehen, die geldpolitische Wende nur behutsam einzuleiten“, sagte Helaba-Ökonomin Viola Julien. Die EZB hat die Zinsen auf null gedrückt und pumpt jeden Monat Milliarden über Wertpapierkäufe in die Wirtschaft, um die Konjunktur anzuschieben und die Preise wieder in Richtung Zwei-Prozent-Marke zu bewegen. „Solange die Löhne in Europa nicht deutlich stärker steigen, bleibt der 'Exit' der EZB aus der unkonventionellen Geldpolitik ein Geduldsspiel“, sagte KfW-Experte Zeuner.


+ + + DAS HANDELSBLATT-UPDATE AM ABEND + + +

Erhalten Sie die Handelsblatt-Nachrichten des Tages börsentäglich um 20 Uhr per WhatsApp direkt auf Ihr Smartphone.

Info Anmelden

Speichern Sie in Ihrem Adressbuch und schreiben Sie uns eine Whatsapp-Nachricht mit start

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält seit längerem an ihrem Billiggeld-Kurs fest. Banken bekommen frisches Zentralbankgeld weiterhin zu null Prozent Zinsen. Der Rat der Notenbank hielt den Leitzins im Euroraum bei seiner Sitzung Anfang Mai wie erwartet auf diesem Rekordtief.

Zudem pumpen die Euro-Wächter bereits seit März 2015 Woche für Woche über den Kauf von Staatsanleihen Milliarden in das Finanzsystem, um die Konjunktur und die Inflation anzuheizen. Manche Volkswirte halten es für möglich, dass die EZB nächste Woche in der estnischen Hauptstadt ihren geldpolitischen Ausblick leicht ändert und etwa Hinweise auf eine nötigenfalls noch expansivere Geldpolitik streicht.

Inflationsrate in Deutschland
von April 2016 bis April 2017
in Prozent

So steuert die EZB laut Estlands Notenbankchef Ardo Hansson wegen verbesserter Konjunkturaussichten langsam auf eine Eindämmung der Geldflut zu. „Die Frage ist nun, wie schnell die von der Zentralbank angebotene Unterstützung für die Konjunktur verringert werden kann, so dass eine positive Wirtschaftsentwicklung bewahrt bleibt“, sagte das EZB-Ratsmitglied der Zeitung „Postimees“ (Dienstagausgabe). Die Währungshüter kommen am 8. Juni in Tallinn zu ihrer nächsten Zinssitzung zusammen.

Alle würden darüber nachdanken, wie und wann der Übergang umgesetzt und kommuniziert werde, ergänzte Hansson. „Das muss sehr vorsichtig getan werden.“ Der Notenbanker verwies darauf, dass die geopolitischen Risiken für die Euro-Zone noch nicht verschwunden seien.

Die EZB strebt im Euroraum eine nachhaltige Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an, bei der sie Preisstabilität gewahrt sieht. Um das Ziel zu erreichen, versuchen die Währungshüter mit viel billigem Geld nachzuhelfen. Diese Politik ist vor allem in Deutschland umstritten, auch weil sie Sparer belastet.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×