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30.04.2015

12:22 Uhr

Preisverfall in der Eurozone gestoppt

Draghis Geldspritze scheint zu wirken

Erstmals seit vier Monaten sind die Preise in der Eurozone im April nicht mehr gefallen. Damit schwindet die Gefahr eines breiten Preisverfalls. Das könnte auch an den massiven Anleihekäufen der EZB liegen.

Bis September 2016 will die EZB 1,1 Billionen Euro durch Anleihekäufe in die Wirtschaft pumpen. dpa

EZB-Chef Mario Draghi

Bis September 2016 will die EZB 1,1 Billionen Euro durch Anleihekäufe in die Wirtschaft pumpen.

Brüssel, LuxemburgEZB-Chef Mario Draghi kann ein bisschen aufatmen. Erstmals seit vier Monaten sind die Preise in der Euro-Zone im April nicht mehr gefallen. Die Inflationsrate lag im April bei 0,0 Prozent, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag bekanntgab. Im Januar waren die Preise noch um 0,6 Prozent zurückgegangen und im März um 0,1 Prozent. Dies hatte Sorgen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) vor einem konjunkturschädlichen Preisrutsch auf breiter Front ausgelöst. Denn stabile Preise sehen die Währungshüter nur bei Teuerungsraten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

Details zum EZB-Anleihekaufprogramm

Zusätzliche Staatsanleihen und Wertpapiere

Die EZB wird neben dem bereits begonnen Erwerb von gesicherten Bankanleihen (Covered Bonds) und Kreditverbriefungen (ABS) zusätzlich Staatsanleihen und Wertpapiere bestimmter internationaler Institutionen kaufen.

Schrittweise und auf breiter Basis

Die Käufe sollen „schrittweise und auf breiter Basis“ durchgeführt werden, um die Preisbildung auf den Finanzmärkten nicht zu stören.

Auch Papiere mit negativer Rendite

Grundsätzlich seien auch Käufe von Papieren mit negativer Rendite (also mit sehr hohem Kurswert) möglich. Allerdings nur, solange die Rendite der Papiere über dem Einlagensatz der Notenbank von derzeit minus 0,2 Prozent liegt.

Diese Papiere sollen gekauft werden

Die EZB will unter anderem Papiere der folgenden internationalen Institutionen kaufen: Schuldtitel der beiden Rettungsschirme EFSF und ESM, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Union (EU).

Diese Anleihen sollen gekauft werden

Unter anderem will die EZB auch Anleihen der folgenden nationalen Förderbanken (Agencies) kaufen: Papiere der deutschen KfW, der Landeskreditbank Baden-Württemberg, der NRW-Bank, der französischen Anstalten CADES und UNEDIC sowie der spanischen Staatsbank ICO.

Vorkehrung gegen das Austrocknen

Die von der Notenbank erworbenen Schuldtitel sollen per Wertpapierleihe wieder in den Markt gegeben werden. Experten hatten dies erwartet. Sie sehen darin eine Vorkehrung gegen ein Austrocknen einzelner Anleihemärkte.

Ein wichtiger Grund für die schwache Preisentwicklung ist der niedrige Ölpreis. So kostete Energie im April durchschnittlich knapp sechs Prozent weniger als vor einem Jahr. Ohne Energie lag die Inflationsrate deutlich höher – bei 0,7 Prozent. In Deutschland stiegt der reguläre Verbraucherpreisindex im April an. Der typische Warenkorb kostete 0,4 Prozent mehr als im April 2014.

Einige Ökonomen führen den sich jetzt abzeichnenden leichten Preisauftrieb im Euro-Raum auf die ultralockere Geldpolitik der EZB zurück. Die Zentralbank hatte ab Sommer 2014 zum Beispiel einen Strafzins für Bankeinlagen eigeführt und im Januar Anleihekäufe in Höhe von zunächst 1,1 Billionen Euro bis September 2016 beschlossen.

Sie will damit die Inflation im Euroraum wieder in Richtung ihres langfristigen Zielwerts von unter, aber nahe zwei Prozent treiben. Viele Befürworter der Anleihekäufe argumentieren, dass diese von den Märkten schon 2014 antizipiert worden seien und sich deshalb schon jetzt auswirken.

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