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21.07.2015

09:31 Uhr

Privatisierungen in Griechenland

Buffett dementiert Inselkauf in der Ägäis

50 Milliarden Euro sollen Privatisierungen in die griechischen Kassen spülen. Zum Verkauf stehen Flughäfen, Unternehmen und Inseln. Meldungen über einen Verkauf eines Eilands an Warren Buffett sind falsch.

Starinvestor Warren Buffet dementiert den Kauf dieser unerschlossenen Insel. Quelle: Privateislandsonline.com

Thomas Island

Starinvestor Warren Buffet dementiert den Kauf dieser unerschlossenen Insel.

Quelle: Privateislandsonline.com

DüsseldorfVon den rund 6.000 griechischen Inseln werden derzeit etliche verkauft. Bisherige Eigentümer sind aber nicht nur Privatleute, sondern auch – der Staat. Damit Griechenland ein drittes, milliardenschweres Hilfspaket gewährt wird, fordern die Gläubiger vom dem Krisenstaat, so schnell wie möglich Staatseigentum zu privatisieren. Bislang hatte die griechische Regierung dies abgelehnt.

Jetzt aber stehen staatseigene Konzerne, Infrastrukturprojekte, Flughäfen, Häfen – aber eben auch Grundbesitz wie Inseln wieder auf der Liste. Insgesamt hat die Athener Regierung vor, rund 50 Milliarden Euro durch Privatisierungen und private Nutzung von Staatseigentum zusammentragen.

Laut Experten ist dies aber ein ambitioniertes Ziel, das nicht so leicht umsetzbar sein dürfte. Denn ständig wechselnde gesetzliche Regeln für Veräußerungen, gerichtliche Klagen, örtlicher Widerstand und finanzieller Aufruhr haben die Abwicklung von Verkäufen verkompliziert. Zum Teil sind die Preise für Staatseigentum stark gesunken, Wertschätzungen werden schwieriger.

„Man muss ins Kalkül ziehen, dass die Marktbedingungen zurzeit sehr ungünstig sind“, sagt Manos Giakoumis, der für die wirtschaftliche und politische Analyse-Webseite Macropolis in Athen arbeitet. „Selbst wenn du sagst, dass ein Eigentum 300 Millionen Euro wert ist, dann heißt das nicht, dass das der aktuelle Wert ist. Es gibt eine Menge von Grundstücken, die privatisiert werden könnten. Aber niemand weiß, wie viel Geld dadurch eingenommen werden kann.“

Zu den großen Geldvermögen, die Griechenland veräußern könnte, zählen staatseigene Anteile an Athens neuem Flughafen, dem Energiekonzern Hellenec Petroleum und der Stromgesellschaft Public Power sowie Parzellen zur Öl- und Erdgasförderung vor der Küste.

Hinzu kommen Beteiligungen an Banken in geschätztem Umfang von 7,5 Milliarden Euro. Der wahre Wert der Anteile ist allerdings unbekannt, da am Athener Aktienmarkt seit Ende Juni, als das Land in finanzielles Chaos stürzte, nicht mehr gehandelt worden ist.

Der Hellenic Republic Asset Development Fund, der für die Deals mit dem privaten Sektor zuständig ist, besitzt außerdem Grundstücke auf schönen Inseln zum langfristigen Leasing, ein Schloss auf Korfu sowie Gebäude in Athen und anderen Teilen Griechenlands.

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Der Verwertungsfonds für das öffentliche Privatvermögen wurde 2011 gegründet, nachdem sich die Rufe von Griechenlands Gläubigern nach einer Privatisierungswelle verstärkt hatten. Aber bisher hat er nur 3,5 Milliarden Euro zusammenbekommen.

Doch auch, wenn Verkäufe kompliziert sind: Privatisierungen per se sind alternativlos. „Es kann absolut keinen Weg weg von den Privatisierungsbemühungen geben“, sagt etwa Mujtaba Rahman, Europa-Direktor der Beraterfirma für geschäftliche Risikoanalyse Eurasia Group. „Hier geht es um einen Test des Bestrebens der Regierung, die Wirtschaft zu liberalisieren und marktorientierte Reformen in Gang zu setzen.“

Macropolis-Redakteur Giakoumis glaubt, dass Griechenland nun so stark auf europäische Hilfen angewiesen sei, dass es gezwungen sein werde, die Privatisierungen und Deals voranzutreiben, die dem privaten Sektor die Nutzung von staatseigenem Land und anderem Eigentum gestattet. „Es gibt keine Möglichkeit für die gegenwärtige Regierung, diese Privatisierungen weiter abzulehnen. Sie müssen die abschließenden Genehmigungsverfahren beschleunigen.“

Update 21.7.2015, 9.30 Uhr: In einer ersten Version dieses Textes wurde darauf verwiesen, dass der US-Investor Warren Buffett eine Insel in der Ägäis gekauft habe. Sein Büro hat eine entsprechende Meldung einer griechisch-mazedonischen Nachrichtenagentur dementiert. Buffett wurde von der Nachrichtenagentur Reuters später mit den Worten zitiert, die Meldung über den Inselkauf sei „eine komplette Falschmeldung“.

Kommentare (5)

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Herr Bernd Mehrens

20.07.2015, 09:41 Uhr

Nun gehört die Insel Herrn Buffet - na und?
1990 hat h. kohl einen ganzen Staat privatisiert - und frau birgit breuel
hat maßgeblich mitgewirkt 1 BILLION DM zu verwirtschaften, äh an freunde...

Frau Svenja Weill

20.07.2015, 10:44 Uhr

Griechenland hat riesige Erdölvorkommen! Buffett ist nicht blöd, ich würde mich nicht wundern, wenn demnächst eine schöne große Ölgötze die Ägäis ziert, und dank TTIP gucken dann alle europäischen Politclowns ganz sparsam, wenn sie der Entnahme europäischer Ölreserven durch US-Investoren nichts entgegenzusetzen haben...Ich lache mich jetzt schon schlapp, wenn Schulz mit treuem Blick in die Kamera guckt und sagt, dass man leider wieder einmal Verträge ohne Exitstrategie geschlossen hat!

Herr Fred Meisenkaiser

20.07.2015, 13:29 Uhr

Man darf nie vergessen: Einmal verramscht, sind die Inseln für immer verloren!

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