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10.09.2011

14:56 Uhr

Profi-Anlageempfehlung

Der Reiz der Schwellenländer

Nicht nur die Aktien, auch die Anleihen von Schwellenländern lohnen sich für Investments, empfiehlt Oliver Postler von der Hypo-Vereinsbank. Bisher steckten Anleger ihr Geld eher in Hochzinsanleihen der Industrieländer.

Der Aktienhandel in Ländern wie Brasilien lockt schon länger mit hohen Gewinnen. Auch die Staatsanleihen der Schwellenländer könnten nun eine lukrative Alternative sein für die Wackelpapiere der Industriestaaten. dpa

Der Aktienhandel in Ländern wie Brasilien lockt schon länger mit hohen Gewinnen. Auch die Staatsanleihen der Schwellenländer könnten nun eine lukrative Alternative sein für die Wackelpapiere der Industriestaaten.

Die Nervosität der Anleger ist wieder stark angestiegen. Ursache hierfür sind Ängste vor einer globalen Abschwächung der Konjunktur und die anhaltenden Sorgen um die Verschuldungsmisere in den USA und in einigen Ländern Europas. Auch die an sich recht robusten Volkswirtschaften der Schwellenländer – allen voran China – verringern ihr Tempo etwas, um eine Überhitzung zu vermeiden und der hohen Inflation Herr zu werden. Diese liegt in China bei etwa 6,5 Prozent und in Brasilien bei über 7 Prozent.

Kennzeichnend sind ein starkes Wirtschaftswachstum und eine niedrige Verschuldung, gemessen am Brutto-Inlandsprodukt. In der Summe liegt die Verschuldung in den Schwellenländern mit rund 40 Prozent (Tendenz fallend) nur etwa halb so hoch wie in den Industrienationen (Tendenz steigend). So werden die Schwellenländer 2012 die globale Wachstumsliga wohl anführen mit einem Wachstum von durchschnittlich 6,5 Prozent.

Die Schwellenländer weisen für den Rentenanleger ein durchaus interessantes Profil auf. Im Vergleich zu Europa und den USA erscheinen sie derzeit deutlich weniger anfällig. Gemeint sind damit nicht nur Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC), sondern auch Länder wie Mexiko, Türkei, Polen, Südafrika, Malaysia, Indonesien und Thailand. Die Bonitätseinschätzungen dürften im Vergleich zu den Industrienationen eher nach oben tendieren. Zudem werden weitere Aufwertungen der Währungen erwartet.

Die tendenziell bessere Kreditqualität und stabilere Fundamentaldaten sprechen für ein Investment in die Schwellenländer. In vielen ist mittlerweile auch die Geldpolitik transparenter und glaubwürdiger geworden. Viele Länderratings wurden in den vergangenen Jahren angehoben, so dass einige Staaten bereits „Investmentqualität“ erlangt haben. Angesichts der zunehmenden volkswirtschaftlichen Reife halten wir die Veränderungen für dauerhaft.

Die Volatilität ist mittlerweile nicht mehr das Hauptaugenmerk, wenn es um Schwellenländeranleihen geht. 2008 und 2009 waren Lokalwährungsanleihen nicht nur stabiler als US-amerikanische und internationale Aktien, sondern auch weniger schwankungsanfällig als einige andere Anleihearten.

Derzeit wird allerdings noch immer viel mehr in Hochzinsanleihen aus Industrieländern und in Schwellenländeraktien investiert als in Schwellenländeranleihen. Daran haben auch die hohen Mittelzuflüsse in den vergangenen Jahren nichts geändert.

Die momentane Korrektur in den Emerging Markets bietet daher unserer Einschätzung nach Chancen für Einstiegsgelegenheiten. Den Schwerpunkt würden wir jeweils auf Staatsanleihen richten. Die Beimischung von Emerging-Markets-Anleihen in lokaler Währung trägt dann dazu bei, die Schwankungsbreite in der Summe eines Depots zu reduzieren. Daraus ergibt sich ein positiver Effekt für das gesamte Portfolio. Aktiv gemanagte Fonds bieten Anlegern leichten Zugang zu dieser Anlageklasse. Eine Anlage in Lokalwährungsanleihen der Schwellenländer ist mühsam. Viele Anleihen sind nicht direkt für Anleger zugänglich. Auch ist eine sorgfältige Selektion und laufende Überwachung erforderlich. Kompetente Manager haben gute Chancen, Marktineffizienzen zu nutzen und Mehrwert für ihre Kunden zu erzielen. Wir erachten derzeit von Goldman Sachs den GS Glbl Emerg Mkts Debt Local in Euro für besonders attraktiv.

Oliver Postler ist Chief Investment-Officer der Hypo-Vereinsbank Private Banking.
Die Anlageempfehlung spiegelt die Einschätzung des Autors wider. Sie ist keine Empfehlung der Redaktion.


Von

Oliver Postler

Kommentare (2)

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nikowolff

10.09.2011, 17:37 Uhr

Die Einschätzung klingt evident, ist sie aber nicht, weil wie bei den meisten Betrachtungen aus der traditionellen Bankenwelt der Blick einseitig auf Statistikwerte und zurückliegende Ergebnisse gerichtet ist, während politische Risiken und das Eskalationspotential schwelender Krisen völlig ausgeblendet werden. Auf www.volatility-management.ch findet sich dazu interessante Information, insbesondere was die Rechtssicherheit für Investoren in China angeht, um die Türkei droht eine regionaler kalter Krieg, Mexiko ist destabil und Russland droht in den Staatskapitalismus zurückzufallen. Bleibt nur die Hoffnung, dass sich Anleger endlich zutrauen, selbst Schlussfolgerungen zu ziehen.

Makopp

11.09.2011, 03:50 Uhr

Ist doch alles nicht so schlimm, im Vergleich zu dem was den Industriestaaten durch die Schulden noch bevorsteht.
Man muss nur die Aktienmärkte über 10 Jahre vergleichen, zB Kolumbien/Dax

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