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23.04.2011

10:14 Uhr

Profi-Anlageempfehlung

Die Zeit der niedrigen Zinsen ist vorbei

VonOliver Postler

Mit ihrer Zinsanhebung setzt sich die EZB an die Spitze des globalen Straffungszyklus. Die Niedrigzinsphase neigt sich dem Ende zu. Oliver Postler von der Hypo-Vereinsbank erklärt, wie Anleiheinvestoren reagieren können.

Die Europäische Zentralbank hat die Zinswende eingeleitet. Quelle: Reuters

Die Europäische Zentralbank hat die Zinswende eingeleitet.

Die Europäische Zentralbank hat nun endlich ihre „Ankündigung“ wahr gemacht und die Zinswende eingeleitet: Der Leitzins wurde vor kurzem um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent erhöht. Begründet hat die EZB den Schritt mit dem aufkommenden Preisdruck. Mit 2,6 Prozent liegt die Teuerung weit über der Zielzone der Zentralbank. Wir rechnen mit weiteren Trippelschritten im Quartalsrhythmus. Ende des Jahres dürfte der Refinanzierungssatz bei 1,75 Prozent liegen. 2012 dürften weitere 100 Basispunkte hinzukommen. Mit ihrer Zinsanhebung setzt sich die EZB erstmals an die Spitze des globalen Straffungszyklus. Die Bank of England dürfte diesen Sommer folgen. Die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit in den USA lässt hingegen die bislang immer den Trend setzende Fed zögern. Vor Frühjahr 2012 ist nicht mit der Abkehr von ihrer Nullzinspolitik zu rechnen.

Die Zinswende der europäischen Notenbank ist sicherlich vor dem Hintergrund einer anziehenden Inflation zu sehen. Sie ist aber auch ein klares Signal an die Politik, weiterhin unabhängig agieren zu wollen. Die langfristige Preisstabilität soll das Maß aller Dinge bleiben und nicht etwa Rettungsmaßnahmen in der Schuldenkrise.

Der Renditetrend ist damit nach oben gerichtet. Der Unterschied zwischen dem Niveau von kurz- und langfristigen Zinsen dürfte dabei eher kleiner werden. Das ist jedoch keine gute Nachricht für Anleger, die auf deutsche Staatsanleihen setzen: Denn bei Papieren mit kurzen Laufzeiten wird der Renditeanstieg größer sein als bei den Langläufern. Dafür ist dort der Hebel größer. Damit drohen tendenziell Kursverluste die ohnehin mageren Zinsen aufzufressen.

Ein Inflationsausgleich erscheint allein mit Bundesanleihen in den nächsten Monaten nicht erreichbar. Aussichtsreicher ist es, in Zeiten anziehender Teuerungsraten dem Depot Aktien mit guter Substanz und hohen Dividenden sowie Rohstoffe beizumischen. Dennoch bleibt die Frage: Was tun bei festverzinslichen Anlagen? Für die Anleiheseite erachten wir die Diversifikation in Laufzeitbändern, Kreditrisiken und Währungen als attraktiv.

Wir bevorzugen die Beimischung von italienischen und spanischen Staatsanleihen. Diese Länder dürften die Herausforderungen am besten meistern können. Daneben sind Pfandbriefe, Unternehmensanleihen sowie High-Yield-Anleihen auf der Anleihenseite weiter interessant. In einem Umfeld wirtschaftlicher Erholung sollten die Ausfälle überschaubar bleiben. Die Renditeaufschläge erscheinen nach wie vor attraktiv. Bei Währungen wären wir im US-Dollar aufgrund der hohen Verschuldung in den USA sehr zurückhaltend. Vielmehr sehen wir bei allen Schwankungen Chancen beispielsweise in Osteuropa (Polen) sowie im südafrikanischen Rand und in den Emerging Markets. Die durchschnittliche Restlaufzeit im gesamten Rentenportfolio sollte derzeit eher bei drei bis vier Jahren liegen, um die Zinsänderungsrisiken im Griff zu behalten.

Privatanleger können diese Strategien über verschiedene Rentenfonds beziehungsweise passive Indexfonds (ETF) abbilden, wie dem DWS Renten Direkt Select 2016, Pimco GIS Unconstrained Bond Fund Euro Hedged, Schroder ISF Global Inflation Linked Bond A, Lyxor iBoxx Liquid High Yield sowie dem Amundi ETF ex AAA Government Bond.

Oliver Postler ist Chief Investment Officer der Hypo-Vereinsbank Private Banking.


Kommentare (5)

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Account gelöscht!

23.04.2011, 11:02 Uhr

"Oliver Postler von der Hypo-Vereinsbank erklärt"
"Wir bevorzugen die Beimischung von italienischen und spanischen Staatsanleihen"

Jetzt muß die verlierer Gilde das Lied ihrer Erretter (EZB) singen, trotz nachgewiesener fallender Anleihekurse dieser Länder, inkl Deutschland.

Und bloß keine amerikanischen Werte, Amerika geht nämlich gerade Pleite, sagt sie.

azaziel

23.04.2011, 11:39 Uhr

Die EZB hat laengst die Zinshoheit verloren. Sie folgt nur den Marktrealitaeten. Die Bereitschaft niedrig verzinsliche Anleihen zu kaufen sinkt naemlich mit steigenden Inflationserwartungen. Liquiditaet fliesst stattdessen in Aktien, Rohstoffe und Immobilien. Marktzinsen steigen also auch ohne die EZB.

Ich glaube nicht, dass die EZB ihre angekuendigte Politik durchhaelt. Zu sehr bedrohen Zinserhoehungen die Budgets verschuldeter Staaten. Fuer die PIGS wird es dann noch enger. Und nachdem die EZB beim Kauf von Staatsanleihen bereits umgefallen ist, wird das Umfallen diesmal schon nicht mehr so wehtun. Man wird versuchen, die Probleme mit weiterer Liquiditaet wegzuschwemmen.

Chaos durch Hyperinflation oder durch Staats- Bank- und Firmenpleiten – wir haben die Wahl!

DonSarkasmo

23.04.2011, 15:07 Uhr

Entschuldigung, aber so etwas Dämliches habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Beimischung italienischer und spanischer Staatsanleihen ? Herr Postler, was haben Sie denn geraucht ??? Die Erhöhung der Zinsen wird unsere PIIGS-Freunde umbringen. So sieht es aus. Und die anderen Schuldenknechte in Europa, ja, auch Deutschland, ordentlich beuteln. Träumen Sie weiter .........

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