Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.10.2011

10:04 Uhr

Profi-Anlageempfehlung

Finanzaktien – Einsteigen oder meiden?

VonStefan Keitel

Die meisten Anleger sehen im Finanzsektor derzeit vor allem Risiken. Die Aktien von Banken und Versicherern sind entsprechend niedrig bewertet. Credit-Suisse-Stratege Stefan Keitel sieht für Anleger Chancen.

Stefan Keitel ist Global Chief Investment Officer der Credit Suisse. Pressebild

Stefan Keitel ist Global Chief Investment Officer der Credit Suisse.

Wer im Mai 2007 Bankaktien gekauft hat, hat ein Problem: Die Aktie der Deutschen Bank notierte damals auf dem Höchststand bei knapp 118 Euro. Mittlerweile ist die Aktie nicht einmal ein Viertel wert. Andere Häuser stehen nicht besser da. Während sich andere Wirtschaftszweige erholt hatten, blieb der Finanzsektor auf der Verliererstraße. Die Erholung nach dem Lehman-Schock war nicht nachhaltig, und die Verschärfung der Euro-Zonen-Krise hat zu Abschlägen geführt, die den Bewertungen nach der Lehman-Pleite sehr nahe kommen. Allein seit Jahresanfang 2011 beläuft sich das Minus im Schnitt auf rund 30 Prozent.

Sorgen bereiten insbesondere die weltweite Konjunkturabschwächung, steigende Rezessionsrisiken sowie eine Eskalation der Schuldenkrise. Das trifft insbesondere die französischen Banken wegen ihres hohen Kreditexposures in Griechenland, mit Abstrahleffekten auf den gesamten Sektor. Resultat sind hohe Prämien für Kreditausfallversicherungen (CDS-Spreads): Banken wie BNP Paribas, Société Générale, Santander, BBVA, Bank of America oder Morgan Stanley handeln mit CDS-Spreads über 300 Basispunkten, einige von ihnen haben sogar die Levels vor der Lehman-Pleite überschritten. Dazu drücken die tiefen Zinsen in Europa und USA auf die Zinsmargen bei den Banken und damit auf die Profitabilität.

In diesem Klima unterscheiden viele Investoren kaum noch zwischen gut geführten und soliden Finanzunternehmen und denjenigen mit schwacher Bilanz und ungenügender Kapitalbasis. Viele Anleger sind fast ausschließlich auf die Risiken ausgerichtet und unterschätzen das Potenzial vieler Finanzwerte.

Wir stehen dem Sektor zwar ebenfalls noch vorsichtig gegenüber und haben ihn über längere Zeit auch deutlich untergewichtet. Nun wollen wir aber wieder etwas stärker das Augenmerk auf die Opportunitäten im Finanzsektor richten. Denn es gibt auch positive Zeichen, und die Situation unterscheidet sich deutlich von den Finanzmarktkrisenjahren 2008 und 2009. Die meisten Institute weisen heute genügend eigene liquide Mittel auf – dies war in der Vergangenheit nicht der Fall. Die meisten Banken und Versicherer haben ihre Bilanzen massiv gekürzt, ihre Portfolios bereinigt und ihre toxischen Assets mindestens teilweise verkauft. Dieser Prozess muss und wird noch weitergehen. Sofern die Wirtschaft nicht in eine tiefe und anhaltende Rezession fällt – was definitiv nicht unser Hauptszenario ist –, werden die Kreditportfolios für die meisten Institute kein zu großes Risiko mehr darstellen.

Bankaktien: Zwischen Hoffen und Bangen

Bankaktien

Zwischen Hoffen und Bangen

Die Kurse von vielen Großbanken sinken und sinken. Einige legen in den kommenden Tagen Zahlen vor. Anleger haben wohl Hoffnung, denn seit Jahresbeginn gibt es satte Kursgewinne für amerikanische Geldhäuser.

Viele Qualitätstitel im Finanzsektor haben ein Worst-Case-Szenario bereits eingepreist. Natürlich gibt es auch weiterhin Risiken: die bereits genannten Verflechtungen zur Euro-Zonen-Peripherie und der wieder angespanntere Interbankenmarkt. Dazu wurden gerade in Europa die regulatorischen Rahmenbedingungen nochmals massiv verschärft, was sich negativ auf die künftigen Gewinne auswirken und den Sektor in der Gesamtheit längerfristig belasten wird.

Doch einige solide geführte Banken und Versicherer mit starker Kapitalbasis und reduziertem Risikoprofil handeln weit unter Buchwert. Eine Anlage wird für den mittel- bis langfristigen Anleger auf diesen Bewertungsniveaus im Einzelfall zunehmend attraktiver. Kurzfristig muss jedoch weiterhin mit starken Schwankungen gerechnet werden.

Selektives Vorgehen ist aufgrund der Risikolage einiger Banken ein Muss. Wir bevorzugen mittelfristig US-Finanzwerte gegenüber den europäischen Namen, da der Bereinigungsprozess in den USA weiter fortgeschritten ist und die US-Institute von der europäischen Schuldenkrise weniger betroffen sind.
 
Die Anlageempfehlung spiegelt die Einschätzung des Autors wider. Sie ist keine Empfehlung der Redaktion. Stefan Keitel ist Global Chief Investment Officer der Credit Suisse.


Kommentare (29)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

10.10.2011, 10:10 Uhr

Never catch a falling knive.

Ich_heisse_knife-mit-f

10.10.2011, 10:18 Uhr

Man sollte besser von nichts reden, wovon man keine Ahnung hat, Frau Glaskugel-Leserin !

Account gelöscht!

10.10.2011, 10:38 Uhr

die amerkanischen Banken sind theoretisch weniger von den Problemen in Europa betroffen doch dafür ggf. mehr von den Problemen in Amerika?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×