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05.06.2011

11:50 Uhr

Profi-Anlageempfehlung

Italien und Spanien können Krise aus eigener Kraft meistern

VonOliver Postler

Die Rettungspakete haben den EU-Ländern lediglich mehr Zeit gebracht, sagt Oliver Postler von der Hypo Vereinsbank. Jetzt folgt als Herausforderung für Anleihinvestoren die Zinswende.

"Nicht zu verkaufen", steht auf dem Schild eines griechischen Demonstranten. Die Märkte jedoch gehen von einer Umstrukturierung der griechischen Schulden aus. Quelle: dpa

"Nicht zu verkaufen", steht auf dem Schild eines griechischen Demonstranten. Die Märkte jedoch gehen von einer Umstrukturierung der griechischen Schulden aus.

MünchenDie europäische Schuldenkrise ist keine Krise der gemeinsamen Währung, sondern einzelner Länder. Mit den Rettungspaketen wurde bislang nur Zeit gekauft. Auf die Dauer dürften Solvenzprobleme aber nicht mit Liquidität zu lösen sein. Denn Schulden lassen sich nicht mit noch mehr Schulden bekämpfen. Vielmehr sind tiefgreifende Reformen erforderlich, die Jahre brauchen werden, um spürbare Erfolge zu erzielen.

Die Märkte gehen derzeit fest davon aus, dass es zu einer Restrukturierung bei griechischen Anleihen kommt. Es wird eigentlich nur noch über den Zeitpunkt diskutiert. Kurzfristig ist damit jedoch kaum zu rechnen, aus vielfältigen Gründen: Der Reformdruck auf Griechenland könnte gemindert werden. Die Ansteckungsgefahren Irlands und Portugals würden zunehmen.

Das Risiko von Portfolioverlusten in den Büchern der EZB und insbesondere bei französischen sowie deutschen Banken würde steigen. Auch stellt eine Umschuldung keine "echte" Lösung der griechischen Schuldenproblematik - was fehlt, ist schlichtweg wirtschaftliches Wachstum.

Wie der Disput ausgeht, ist offen. Die Investoren sind verwirrt und nervös. Die Rendite zweijähriger griechischer Staatstitel ist auf über 26 Prozent gestiegen, während die gleichen Laufzeiten bei deutschen Staatstiteln etwa 1,7 Prozent Rendite bringen. Auch spanische Zinspapiere sind unter Druck. Weniger aufgrund von Ansteckungseffekten, sondern vielmehr aufgrund echter Besorgnis: Bei den Auktionen langfristiger Anleihen blieb die Nachfrage hinter den Erwartungen zurück.

Von der EZB sind in diesem Jahr noch zwei Erhöhungen des Leitzinses von derzeit 1,25 auf einen Jahresendstand von 1,75 Prozent zu erwarten. Wir gehen davon aus, dass die Renditen kurzer Laufzeiten analog zu den erwarteten Zinserhöhungen ansteigen, so dass die zweijährige Bund-Rendite bis Ende 2011 einen Stand von etwa 2,50 Prozent erreicht haben sollte. Bei längeren Laufzeiten sollten sich die höheren Leitzinsen weitaus weniger gravierend auswirken.

Was die US-Schuldenkrise für die Märkte bedeutet

Sind die USA ein wackliger Schuldner?

Im August 2011 stufte S&P die USA herab und entzog ihnen damit das Top-Rating. Die Zeit des unumstößlichen AAA-Ratings der USA ist damit vorbei. Grund waren mangelnde Aussichten auf einen Abbau der Rekordverschuldung von 15 Billionen Dollar. Eine weitere Herabstufung schlossen S&P nicht aus.

Fitch und Moody's drohen ebenfalls mit einer Herabstufung, sollte keine neue Strategie zum Schuldenabbau folgen.

Warum haben die USA nicht längst ein noch schlechteres Rating?

Die USA sind mit dem Dollar flexibel in der Zins- und Geldpolitik und können Geld drucken, um Dollar-Schulden zu bedienen. Als größte Volkswirtschaft der Welt tragen sie fast ein Viertel zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei. Die Wirtschaft ist wettbewerbsfähig und flexibel. Zudem zahlt die Regierung, bei einer Inflation von drei Prozent und Renditen unter drei Prozent für Anleihen mit Laufzeiten von weniger als zehn Jahren, real aktuell keine Zinsen. "Das steht in krassem Gegensatz, zu der Situation in vielen Euro-Ländern", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der VP Bank.

Wann werden die USA weiter herabgestuft?

Der Verlust des AAA-Ratings war vor einigen Monaten noch die "Billion-Dollar-Frage". Jetzt rätseln Analysten darüber, wann noch eine Stufe weiter abwärts geht. S&P haben eine weitere Herabstufung der USA nicht ausgeschlossen, sollte das Schuldenproblem nicht in den Griff bekommen werden. Behält die US-Regierung den jetzigen uneinigen Kurs bei der Schuldenbekämpfung bei, so werde Fitch spätestens 2013 den USA das Top-Rating entziehen.

Warum sind US-Staatsanleihen kaum unter Druck gekommen?

Weil die Ratings nicht (mehr) das non plus ultra für die Marktteilnehmer bilden. Die Warnungen der Ratingagenturen rücken zwar die problematische US-Verschuldung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, bedeuten für professionelle Anleiheinvestoren "aber nichts, was wir nicht schon ohnehin wussten", sagt William O'Donnel von der Royal Bank of Scotland. Frankreichs Wirtschaftsminister Baroin meinte, man dürfe die Herabstufung nicht überbewerten. Ein nicht namentlich genannter Regierungsvertreter Japans erklärte ebenfalls, dass er weiterhin Vertrauen in die Anleihen der USA habe.

Drohen US-Staatsanleihen längerfristig Probleme?

Ja, wenn die Probleme nicht gelöst werden und die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit weiter senken. Der Ruf der US-Anleihen als weltweiter risikoloser Maßstab für andere Zinspapiere werde dann weiter abbröckeln. "Wenn die USA ihre langfristige Verschuldung nicht in den Griff bekommen, droht ein Vertrauensverlust der Investoren", warnt Thomas Meißner von der DZ Bank. Diese Gefahr gebe es vor allem deshalb, weil die USA fast zur Hälfte im Ausland verschuldet seien und ausländische Investoren schneller nervös würden als einheimische.

Profitieren Bundesanleihen vom Verlust des "AAA"-Ratings der USA?

„Ja“ sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt bei der Unicredit, „sie dürften die größten Gewinner sein, unter anderem, weil die Inflation in den USA spürbar anziehen wird.“ Voraussetzung dafür sei allerdings noch, dass Deutschland seine Spitzenbonität behält, was zurzeit der Fall ist.

Wie sind die Aussichten für den Dollar?

Bislang hat die US-Währung wenig reagiert. "Der Dollar profitiert seit mindestens drei Jahren stetig von Krisenszenarien, egal wo die Ursachen der Probleme liegen", erklärt Ralf Umlauf, Analyst bei der Helaba. Das liege vor allem daran, dass in Krisenszenarien viele US-Investoren ihre Anlagen in ausländischen Währungen verkaufen, und das stärke den Dollar.

Gegenüber dem Euro hat der Dollar keinen Wert einbüßen müssen, weil im Rahmen der Schuldenkrise der Euro-Länder der Euro zunehmend unter Druck geraten ist. Im August, dem Monat der Herabstufung der USA, ging es nämlich für den Euro stark abwärts.

Kommentare (4)

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Rainer_J

05.06.2011, 12:30 Uhr

Wurde uns nicht vor einige Monaten gesagt, dass Griechenland und Portugal ein Schuldenproblem haben, aber nicht Spanien! Jetzt kann Spanien plötzlich die Krise meistern!? Welche Krise denn? Spanien dürfte gar keine Krise haben.

So ist das seit 2 Jahren. Erst gibt es etwas nicht, dann haben wir es bereits.

Account gelöscht!

05.06.2011, 12:40 Uhr

Sie dürfen das nicht interpretieren, Sie müssen das wörtlich betrachten. Selbst Deutschland könnte eine eventuelle Krise Meistern, irgendwie, wenn einem nichts Anderes übrig bleibt wird man sie auch dann "meistern" müssen.

DerGriecheAusAthen

05.06.2011, 13:12 Uhr

Ach, die Spanier werden auch nicht alles kreuzbrav mitmachen, was die Deutschen von ihnen abverlangen. Die Europäische Integration geht nun mal über Arbeitslosigkeit, Sozialleistungen-Abbau, Krisen und Schulden. Die Deutschen selbst beschweren sich laufend über alles, aber eine anständige Millionendemo gegen die Milliardenspritzen packen sie nicht. Warum? Weil sie eigentlich Schiss haben, die EHEC Bakterien sind im Hinterkopf. LG aus Athen.

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