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29.10.2011

10:11 Uhr

Profi-Anlageempfehlung

Sicherheit und Rendite mit Schwellenländer-Anleihen

VonUlrich Stephan

Schwellenländer-Anleihen bieten Chancen für langfristig orientierte Anleger, sagt Ulrich Stephan, der Chefanlagestratege für Privat- und Geschäftskunden bei der Deutschen Bank. Was Anleger beachten sollten.

Schwellenländer-Anleihen bieten Chancen für Anleger. dapd

Schwellenländer-Anleihen bieten Chancen für Anleger.

DüsseldorfNehmen wir an, ein Anleger möchte Staatsanleihen kaufen und hat die Auswahl zwischen zwei Ländern: Die Staatsverschuldung von Land A beträgt nur 32 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP), Land B steht dagegen mit 100 Prozent in der Kreide. Die Wirtschaft von Land A sollte 2011 um 3,7 Prozent wachsen, die von Land B um 1,8 Prozent. Land A verfügt über mehr als das Doppelte an Devisenreserven und verzinst seine Anleihen deutlich höher als Land B. Welche Papiere sind attraktiver?

Ob Sie es glauben oder nicht, die meisten Investoren haben sich in den vergangenen Monaten für die Anleihen aus Land B entschieden, für US-Treasuries. Land A steht für Südkorea. Die deutlich besseren Rahmendaten der Asiaten und anderer Schwellenländer haben nicht verhindern können, dass Investoren deren Anleihen zuletzt gemieden haben. Viele institutionelle Investoren hatten angesichts schrumpfender Risikobudgets auch gar keine andere Wahl.

Aus fundamentaler Sicht ist der jüngste Rückschlag für Schwellenländer-Anleihen allerdings kaum zu begründen. Das bedeutet Chancen für langfristig orientierte Anleger. Denn zunehmend sind es die Schwellenländer, die weltweite Wachstumsimpulse setzen und durch solide Staatsfinanzen überzeugen.

Allein die vier BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China tragen inzwischen rund 30 Prozent zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei. Während die meisten Industrienationen nur mit Mühe ein positives Wachstum erzielen, wird Chinas Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich um neun Prozent wachsen, Indien dürfte ein Plus von acht Prozent aufweisen, Lateinamerika und Russland ein Plus von über vier Prozent.

Viele Schwellenländer verfügen darüber hinaus über gesunde Staatsfinanzen und hohe Währungsreserven. Allein China besitzt Reserven in Höhe von 3,2 Billionen US-Dollar, Indien und Südkorea halten jeweils Reserven in der Größenordnung von 300 Milliarden Dollar. Seit den 1990er-Jahren hat sich das Bild fundamental gewandelt. Die steigende Produktivität, ein wachsender Binnenmarkt und eine vergleichsweise günstige demografische Entwicklung mit einem großen Angebot an jungen Arbeitskräften sprechen für den fortgesetzten Aufschwung der Schwellenländer.

Aus Investorensicht bieten die aufstrebenden Nationen aber ein heterogenes Bild. Wirtschaftlich-politische Riesen wie China stehen neben Zwergstaaten, hochentwickelte Volkswirtschaften neben Ländern, die erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Der Aufbau eines diversifizierten Portfolios ist deshalb eine Aufgabe für einen spezialisierten Schwellenländer-Fonds. Ein aktives Fondsmanagement kann zudem Unternehmensanleihen berücksichtigen und mit Lokalwährungsanleihen zusätzliche Währungschancen wahrnehmen.
      

Die Anlageempfehlung spiegelt die Einschätzung des Autors wider. Sie ist keine Empfehlung der Redaktion.

Kommentare (2)

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DerInvestor

29.10.2011, 12:02 Uhr

Stimme 100% zu. Natürlich muss es kein Produkt der Deutschen Bank sein, hier nur 2 Fonds von vielen:
http://www.fondsweb.de/chartvergleich/IE0032828273-LU0170994346-R120

CarstenHaertl

01.11.2011, 19:58 Uhr

Irgendwie gehen bei dieser Analyse die Begriffe durcheinander, wie so oft in der westlichen Presse: Was ist eine "Schwellenland", was ein "Aufstrebendes Land" und was eine "Industrienation"? Das Beispiel oben, Südkorea, passt doch weder zur Überschrift noch zu dem tristen Foto eines aermlichen Kindes vor einer brasilianischen Favela!

Südkorea hat laut allen UNO-Statistiken einen höheren Entwicklungsstand / Lebensqualität als die Schweiz (UNO Development Index u.a.), im Lebenstandard (gerechnet in PPP) sind die Koreaner vor Jahren an Italien und Spanien vorbeigezogen, dieses oder nächstes Jahr an den Japanern. Die Exportkraft ist dreimal stärker (Wert in $ pro Einwohner) wie die Japans. Nebenbei ist Korea auch Patent-Weltmeister (inländische Anmeldungen pro Einwohner)etc. etc. Das alles hat mit BRIC und den anderen sog. "Schwellenländern" nichts zu tun. Ähnliche bei vermeintlichen Anlage-Profis im Westen unbekannte Fakten findet man übrigens auch für Singapur und Taiwan.

Es geht also im Beispiel oben um die Staatsanleihen eines der finanziell solidesten und höchst entwickelten Industrienationen der Welt. Dass die Anleger dennoch lieber die Ramsch-Anleihen der USA oder von Italien kaufen, liegt doch gerade daran, dass sie, genauso wie der Autor Ulrich Stephan, nicht mitbekommen haben, wo die genannten 3 Länder Ostasiens, die sogenannten Tigerstaaten, heute stehen: An der Spitze der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, und nicht etwas an irgendeiner "Schwelle" von bitterer Armut zu ertraeglichen Verhaeltlnissen wie die BRIC Statten z.B. Es hat sich auch nicht nicht herumgesprochen bei uns, dass sich damit die qualitative Hackordnung der Weltwirtschaft veraendert hat: Teile des Westens + Japan = mittelmäßig und weiter absteigend / die Tigerstaaten Ostasiens = bereits Weltspitze und dennoch weiter aufstrebend. Waeren diese unangenehmen Realitaeten bekannt, wuerden Anlagen in Suedkorea oder Singapur auch nicht mehr unter "Risikobudget" laufen.

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