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09.04.2011

10:50 Uhr

Profi-Anlageempfehlung

So profitieren Sie von der Energiewende

VonMarkus Taubert

Rund 200 Milliarden Euro müssen bis 2020 in die europäischen Energienetze investiert werden, schätzt die EU-Kommission. Für Anleger bieten sich gewinnträchtige Möglichkeiten.

Windräder in einem Rapsfeld bei Halle. Quelle: ap

Windräder in einem Rapsfeld bei Halle.

Das Stromeinspeisegesetz hat in den 90er-Jahren den Grundstein für einen Investitionsboom in erneuerbare Energien gelegt und seine Nachahmer im Ausland gefunden. Zukünftig könnte das derzeit diskutierte „Netzausbaubeschleunigungsgesetz“ den Startschuss für kräftig steigende Investitionen in das deutsche Stromnetz bedeuten, was auch Anlegern Chancen eröffnet.

Mit der Umstellung der Stromversorgung auf einen deutlich höheren Anteil erneuerbarer Energien wird die gesamte Netzstruktur vor Herausforderungen gestellt. Historisch wurden Kraftwerke nah an den Verbrauchszentren gebaut. Der Strom – etwa von im Norden Deutschlands produzierenden Windfarmen – muss daher erst zu den Verbrauchszentren transportiert werden. Dazu ist eine Aufrüstung und Erweiterung des existierenden Stromnetzes erforderlich. Bis 2020 müssten alleine in Europa etwa 200 Milliarden Euro in die Energienetze investiert werden, schätzt EU-Energiekommissar Günther Oettinger, um eine sichere und klimaschonende Versorgung zu gewährleisten. Um den globalen CO2-Ausstoß bis 2050 halbieren zu können, sind nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur, IEA, sogenannte Smart-Grid-Investitionen zwischen 50 und 75 Milliarden US-Dollar pro Jahr nötig. Smart Grids sind intelligente Stromnetze, die die optimale Steuerung der Elektrizitätsversorgung gewährleisten sollen.

Die IT-Branche hofft auf neue Einkommensquellen

Die wachsende Relevanz des Themas zeigt auch die Zunahme von Fusionen und Übernahmen (M&A) in diesem Bereich. Neue Einkommensquellen verspricht sich auch die IT-Branche. Konzerne wie SAP, IBM oder Cisco Systems hoffen, ihr technologisches Know-how in Smart Grids einbringen zu können.

Die Gebäudetechnik lässt sich ebenfalls direkt an Smart Grids koppeln. So können Klimaanlagen oder Beleuchtungen, die extrem viel Strom verbrauchen, an Preissignale geknüpft werden. Sehr hohe Investitionen dürften auch in Batterien fließen. Sie erlauben es, den erzeugten Strom am Produktionsort zu speichern und die Einspeisung zu glätten.

Für risikobereite Anleger gibt es mehrere Investitionsmöglichkeiten. Sehr gut positioniert im Bereich Smart Grids sind Unternehmen wie zum Beispiel A123 Systems in der Batterietechnik, Enernoc im Bereich Energiemanagement und Itron mit intelligenten Stromzählern. Prysmian und Nexans sind Hersteller spezieller Hochspannungskabel. ABB und Siemens sind in mehreren Bereichen gleichzeitig tätig und können deutlich von dem Megatrend Smart Grids profitieren.

Indexfonds sorgen für mehr Streuung

Der Investor, der sein Risiko breiter streuen möchte, kann über einen börsengehandelten Indexfonds (sogenannter ETF oder Exchange Traded Fund), über Zertifikate oder über Themenfonds in den Sektor investieren. Zu erwähnen ist hier beispielsweise der Nasdaq OMX Clean Edge Smart Grid Infrastructure Index, der insgesamt 37 Einzelwerte umfasst. Auf diesen Index ist in den USA ein ETF aufgelegt worden. In Deutschland ist der Solactive Smart Grid Index verfügbar, der aktuell 15 Unternehmen des Sektors umfasst. Mit Hilfe von Zertifikaten kann der Anleger an der Performance dieses Indexes partizipieren. Vor etwa einem Jahr ist darüber hinaus der aktiv gemanagte Fonds 4Q Smart Power aufgelegt worden, der in die Bereiche Smart Grid und Power-Management investiert.

Langfristig bieten Smart Grids unseres Erachtens sehr interessante Wachstumschancen. Das Wertschöpfungspotenzial ist attraktiv. Anleger sollten jedoch risikobereit sein und einen langen Atem haben, um Investments gegebenenfalls auch über längere Zeit zu halten. Wir empfehlen dem Anleger, vor einem Investment unbedingt die Risiken von Einzelwert-, Zertifikat- oder Fondsinvestments zu beachten. Insbesondere bei Einzelinvestments besteht ein erhebliches Kursrisiko bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Der Autor Markus Taubert ist Leiter der Vermögensverwaltung bei der Berenberg Bank. Die Anlageempfehlung spiegelt die Einschätzung des Autors wider. Sie ist keine Empfehlung der Redaktion.

Kommentare (1)

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LLL

09.04.2011, 17:36 Uhr

Guten Tag,

Ich halte es für geboten, bei solchen Empfehlungen stets auch in einer Fussnote oder in Klammern die Gebühren der genannten Produkte anzugeben. 1,5% Gebühren und 4% max. Spread für eines der genannten Zertifikate sind einer Bemerkung wert...

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