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07.04.2012

17:27 Uhr

Profi-Anlageempfehlung

Staatsanleihen sind nicht mehr erste Wahl

VonChris-Oliver Schickentanz

Der Trend sinkender Renditen bei Staatsanleihen läuft aus. Ein weiterer Rückgang ist extrem unwahrscheinlich. Dafür sprechen gleich mehrere Faktoren. Anleger sollten bei der Auswahl kurze Laufzeiten bevorzugen.

Die Risikoaversion der Marktteilnehmer hat sich gelegt. dpa

Die Risikoaversion der Marktteilnehmer hat sich gelegt.

An den Kapitalmärkten Geld verdienen war in den vergangenen Jahren leicht. Man musste nur in erstklassige Staatsanleihen investieren, und schon waren ordentliche Wertzuwächse programmiert. Denn die Renditen sind dramatisch gefallen und haben dem Anleger so Kursgewinne beschert. Beispiel zehnjährige Bundesanleihen: Lag deren Rendite vor zehn Jahren noch bei über fünf Prozent, sind aktuell gerade noch 1,8 Prozent zu holen.

Nun aber droht der Trend rückläufiger Renditen zum Erliegen zu kommen. In den vergangenen Wochen gab es einen viel beachteten Renditeanstieg, der von einigen Marktteilnehmern als „Zeitenwende“, also als Ende der rekordtiefen Zinsen, interpretiert wurde. Dies klingt dramatischer als es tatsächlich ist.

Chris-Oliver Schickentanz, Chief Investment Officer bei der Commerzbank. Commerzbank AG

Chris-Oliver Schickentanz, Chief Investment Officer bei der Commerzbank.

Bevor es mit den Renditen deutlich nach oben geht, müsste sich die konjunkturelle Lage spürbar verbessern, die Notenbanken müssten ihre ultraexpansive Geldpolitik zurückfahren, und der Inflationsdruck müsste weiter zunehmen.

Dies ist aktuell nicht absehbar. Daher werden wir uns wohl noch einige Quartale mit sehr niedrigen Zinsen abfinden müssen. Und dennoch: Die Hausse an den Rentenmärkten läuft aus. Denn ein weiterer Renditerückgang ist unseres Erachtens extrem unwahrscheinlich. Schließlich gibt es eine Vielzahl an Faktoren, die gegen einen weiteren Zinsverfall sprechen:

So waren die jüngsten Konjunktursignale in der Summe ermutigend: Die Staaten der Euro-Zone dürften die Mini-Rezession hinter sich lassen, die US-Wirtschaft sollte mit zwei Prozent robust wachsen, und die Emerging Markets bleiben mit vier bis acht Prozent Wachstumsmotor der Weltwirtschaft. Dies liegt zwar unter den gewohnten Zuwachsraten, von einem weltweiten Abschwung sind wir aber weit entfernt.

Die Notenbanken werden ihre Niedrigzinspolitik zwar erst in einigen Quartalen beenden, sie werden aber voraussichtlich nicht noch mehr Gas geben. Die Verlängerung unkonventioneller Maßnahmen der US-Notenbank ist wahrscheinlich, größere Impulse erwarten wir davon aber nicht mehr.

Kommentare (3)

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proz500

07.04.2012, 19:40 Uhr

muss man kein profi sein!! Ersetzt mal diese Experten-Profi-Inflation! Das, das ist eine reale Inflation von mehr als 500.000 Prozent!

Kattskralle

07.04.2012, 20:19 Uhr

"nicht erste Wahl" ist ein schöner Ausdruck für "würde ich nicht mit der Kneifzange anfassen".

Peter

08.04.2012, 08:24 Uhr

Dem kann ich mich nur anschliessen. Und deshalb darf man auch keine Lebens, Riester- oder Rürup-Versicherungen haben - die sind per Gesetz gezwungen Staatsanleihen zu halten.

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