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05.05.2012

13:54 Uhr

Profi-Anlageempfehlung

Traditionelle Versorger sind besser als ihr Ruf

VonUlrich Stephan

Klassische Erzeuger arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, für Anleger wieder attraktiver zu werden. Ulrich Stephan von der Deutschen Bank sieht auch nach der Energiewende noch Chancen für traditionelle Versorger.

Eine Reihe von Kennziffern sprechen für Potenzial bei den traditionellen Versorgern. dpa

Eine Reihe von Kennziffern sprechen für Potenzial bei den traditionellen Versorgern.

Kaum mehr als ein Jahr ist es her, dass über Fukushima erst die Tsunami-Welle hereinbrach, dann die Reaktoren des dortigen Atomkraftwerks kollabierten. Rund um den Globus wurde daraufhin die Abkehr von der Nuklearenergie diskutiert. Besonders schnell reagierte Deutschland, das bereits im Juni 2011 den Ausstieg verkündete. Belgien, die Schweiz und andere Nationen folgten oder werden wohl noch folgen, wenn die Stromversorgung anderweitig sichergestellt werden kann.

Für die Unternehmen der Versorgerbranche hat dies erhebliche Folgen: Traditionelle Versorger mussten teilweise innerhalb kürzester Zeit die Wende in ihrem „Energiemix“ einleiten, hohe Abschreibungen verkraften und massiv in Zukunftstechnologien investieren. Gleichzeitig waren Solar- und Windenergie gefragt wie nie. Doch der Boom, auf den auch viele Privatanleger vor allem im Solarbereich gesetzt haben, erweist sich als nicht nachhaltig: Die Subventionen, mit denen Deutschland Photovoltaik-Herstellern zu Absatzrekorden verhalf, wurden gekürzt. Vor allem China produziert Solaranlagen deutlich günstiger und in gleicher Qualität. Zudem ist Sonnenstrom derzeit nicht wettbewerbsfähig, die Speicherproblematik ist noch ungelöst.

Derweil sind die klassischen Erzeuger besser als ihr derzeitiger Ruf – auch mit Blick auf ihr nachhaltiges Engagement. Versorger aus beispielsweise Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland wollen ihren Stromanteil aus erneuerbaren Energien so schnell wie möglich ausbauen. Einige „Big Player“ haben für die kommenden Jahre Investitionen in erneuerbare Energien von etwa 16 Milliarden Euro angekündigt.

Während sich die Europäische Union dazu verpflichtet hat, spätestens im Jahr 2020 einen Anteil von mindestens 20 Prozent der insgesamt benötigten Energie als erneuerbare Energie zu erzeugen, geht die Bundesregierung einen Schritt weiter und hat als Ziel für das Jahr 2020 eine Quote von 35 Prozent gesetzt, bis zum Jahr 2050 sollen es 80 Prozent sein. Der Bundesverband der deutschen Energiewirtschaft stellte jüngst fest, schon jetzt werde in Deutschland mehr Strom aus regenerativen Quellen gewonnen als aus Kernkraftwerken.

Neben dem Umbau ihres Energiemix sprechen eine Reihe weiterer Kennziffern für Potenzial bei den traditionellen Versorgern: Nach den schwachen Kursverläufen der vergangenen Monate könnte das Tal durchschritten sein. Auch die Erlöse sollten sich deutlich erholen. Zwar sehe ich das durchschnittliche Gewinnwachstum der deutschen Versorger 2012 bei lediglich 2,3 Prozent im Vergleich zu dem Gewinnwachstum europäischer Versorger von 10,7 Prozent. Doch schon für 2013 erwarte ich auch für deutsche Konzerne wieder zweistellige Zuwachsraten.

Die Ausschüttungen verleihen den Titeln ebenfalls Attraktivität. Traditionell gelten Versorger als Unternehmen mit hoher Dividendenrendite. Trotz der erlittenen Verluste dürften meiner Schätzung nach die Dividendenrenditen deutscher Konzerne der Branche in diesem Jahr immer noch über dem Durchschnitt der Dax-30-Titel liegen. Für die europäische Versorgerbranche erwarte ich sogar eine Dividendenrendite von 6,5 Prozent. Das sind gute Aussichten für ein Investment in den Sektor, der – anders als konjunktursensible Branchen – durch eine mögliche Verschärfung der Euro-Krise oder einen Wachstumsrückgang der chinesischen Wirtschaft im Vergleich zum breiten Aktienmarkt weniger belastet werden dürfte. Neben deutschen Werten erscheinen mir vor allem integrierte beziehungsweise breit aufgestellte europäische Versorgertitel interessant.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

05.05.2012, 16:36 Uhr

... wieso sollten traditionelle Versorger nicht lernfähig sein? Eine erfolgreiche Energiewende braucht jeden konstruktiven Beitrag: http://www.servicereport.eu/2012/energiewende-hat-viele-baustellen-dezentrale-energiesysteme-intelligent-und-energieeffizient-ve

Meister-Eder

06.05.2012, 12:36 Uhr

Die Versoger sind nicht "lernfähig", das müssen sie auch nicht sein. Sie passen Ihr Geschäftsmodell nur den politischen Rahmenbedingungen an um weiter Geld zu verdienen und sonst nichts. Kein Versorger würde in EE investieren, wenn er sich davon keinen Gewinn versprechen würde, dass hat (zum Glück) nichts mit idealistischen Zielen und ökologischen Wunschvorstellungen zu tun.

Account gelöscht!

07.05.2012, 08:39 Uhr

Die großen Versorger haben 2010 eben noch ein großes Eigentor geschossen,indem sie den Ausstieg aus dem Ausstieg mit aller Macht forderten und auch bekamen.Viele haben das zum Glück nicht vergessen.Wäre es nach den großen Versorgern gegangen hätten sie uns ihren Atomstrom bis zum Sankt Nimmerleinstag verkauft und alle Alternativen untergraben.

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