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18.02.2012

16:21 Uhr

Profi-Anlageempfehlung

Warum chinesische Aktien einen Blick wert sind

VonChris-Oliver Schickentanz

Chris-Oliver Schickentanz, Chief Investor Officer bei der Commerzbank, empfiehlt chinesische Aktien wieder genauer unter die Lupe zu nehmen. Die könnten sich nach der Flaute in der letzten Zeit wieder besser entwickeln.

2012 ist laut chinesischem Kalender das Jahr des Drachen. Reuters

2012 ist laut chinesischem Kalender das Jahr des Drachen.

China hat dem Aktienanleger in den vergangenen Jahren wenig Freude bereitet. Zwar glänzte das Land mit zweistelligen Prozentzuwächsen bei der Wirtschaftsleistung. Dem Aktienmarkt half dies aber nur bedingt. Furcht vor einer Überhitzung der Wirtschaft, Spekulationen über eine Blasenbildung an Chinas Immobilienmarkt und der restriktivere Kurs von Geld- und Fiskalpolitik verhinderten 2010 und 2011 eine bessere Entwicklung.

In diesem Jahr scheint sich das Blatt zu wenden: Der Hang Seng-Index konnte in den ersten fünf Wochen des Jahres bereits rund 15 Prozent zulegen und setzt sich mit Brasilien und Deutschland an die Spitze der Rangliste der großkapitalisierten Börsen. Ironischerweise fällt die bessere Kursentwicklung chinesischer Aktien in eine Phase, in der das Wirtschaftswachstum erheblich moderater ausfällt als in den Vorjahren.

So rechnen unsere Volkswirte beispielsweise für 2012 nur noch mit einem Plus von 7,5 Prozent, nach 2011 deutlich mehr als 10 Prozent.

Dies zeigt, dass hohes Wirtschaftswachstum nicht unbedingt mit steigenden Kursen einhergehen muss. Die oft gehörte Argumentation "Dynamisches BIP-Wachstum gleich überproportionale Kursgewinne" stimmt also nicht. Zumindest nicht pauschal.

Weitere Faktoren müssen hinzukommen. Und die stimmen auch für die kommenden Monate positiv.

Makroseite: Nach den weitverbreiteten Sorgen vor einem "hard landing" der chinesischen Konjunktur deuten die jüngsten Daten aus dem Reich der Mitte auf einen langsameren, aber stetigen Aufwärtstrend in der Wirtschaftsentwicklung hin. Der offizielle Einkaufsmanagerindex hat sich über der 50-Punkte-Marke stabilisiert und spricht damit weiterhin für eine Expansion der Wirtschaft.

Inflation: Nach einem Höhepunkt von 6,5 Prozent Preissteigerung ist der Inflationsdruck in China spürbar rückläufig. Wir gehen davon aus, dass der Preisanstieg in den kommenden Monaten unter vier Prozent fallen wird.

Notenbankpolitik: Die chinesische Notenbank hat die geldpolitische Wende zum Jahresende 2011 eingeläutet. Eine Senkung des Mindestreservesatzes und Erleichterungen bei den strikten Kreditauflagen waren der Beginn einer ganzen Reihe an unterstützenden Maßnahmen. Eine formelle Zinssenkung könnte 2012 auch noch folgen. Dies wäre ein guter Nährboden für die Aktienmärkte. Zumal international die Liquiditätsschleusen geöffnet bleiben und damit ausreichend Anlagegeld zur Verfügung steht.

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Fiskalpolitik: Mit 3.000 Milliarden US-Dollar an Devisenreserven hat Chinas Regierung genügend Möglichkeiten, konjunkturstützend einzugreifen. Auch dies sollte den Märkten zugutekommen.

Effizienzsteigerungen: Die chinesischen Firmen haben in den vergangenen Jahren große Fortschritte bei der Hebung von Kostensynergien gemacht. Dadurch arbeiten sie heute profitabler und effizienter.

Bewertung: Die Bewertung des chinesischen Aktienmarktes hat sich durch die Underperformance der letzten Jahre deutlich verbilligt. Mit einem KGV von unter zehn auf Basis der 2012er-Gewinnschätzungen ist der Markt nun auch im internationalen Kontext günstig. Entsprechend sind wir davon überzeugt, dass der gute Jahresstart chinesischer Aktien diesmal keine Eintagsfliege war, sondern 2012 tatsächlich zu einem "chinesischen" Jahr werden kann. Fünf bis zehn Prozent Depotbeimischung chinesischer Wertpapiere auf der Aktien- und Rentenseite sind durchaus empfehlenswert. Sinnvoll erscheint die Abdeckung über breit gestreute Fondskonzepte. Auf der Rentenseite gefällt uns der RCM Renminbi Currency, mit dem man von einer weiteren Aufwertung des Renminbi versus US-Dollar profitieren kann, auf der Aktienseite präferieren wir den Fidelity China Focus Fonds.

Die Anlageempfehlung spiegelt die Einschätzung des Autors wider. Sie ist keine Empfehlung der Redaktion.

Kommentare (5)

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VIP

18.02.2012, 20:39 Uhr

Es ist immer wieder erstaunlich dass Menschen die ihre eigene Firma nicht in Ordnung bringen können anderen Vorschläge machen. Chris-Oliver Schickentanz ist der richtige Name dafür.

Account gelöscht!

19.02.2012, 01:12 Uhr

Da in China gerade eine ebensolche Immobilien-Superblase wie in den USA zu platzen beginnt, darf man sich durchaus größte Vorsicht gestatten.

Account gelöscht!

19.02.2012, 01:16 Uhr

Was das Geblubbere von Experten und solchen, die sich dafür halten, wert ist, haben wir in den letzten drei Jahren weiß Gott zur Genüge gesehen.

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